Am Samstag sind in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad erneut Explosionen zu hören, Stunden nachdem die Behörden Entwarnung gegeben hatten. Nahe dem King Khalid International Airport steigt eine große schwarze Rauchsäule auf – ein Treibstofftank des staatlichen Ölkonzerns Aramco steht in Flammen.
Ein AFP-Journalist berichtete von Feuerwehrleuten, die einen ausgebrannten Aramco-Tank löschen. Zwei Anwohner schilderten der Nachrichtenagentur AFP, sie hätten in Richtung des Flughafens schwarzen Rauch und Feuer gesehen; andere berichteten von weiteren Detonationen. Auch die Nachrichtenagentur Reuters veröffentlichte Bilder der Rauchwolke über einem Lagerbereich des Flughafens.
Erst Luftalarm, dann Entwarnung
Dem Feuer vorausgegangen war ein außergewöhnlicher Schritt: In der Nacht zu Samstag verschickte der saudi-arabische Zivilschutz per Telefon Notfallwarnungen an die Bevölkerung von Riad und der östlich gelegenen Stadt Al-Kharj. Gewarnt wurde vor einer „feindlichen Bedrohung aus der Luft“. Am Morgen gaben die Behörden Entwarnung; die Menschen wurden aufgefordert, Menschenansammlungen zu meiden. Es war der erste Luftalarm in Riad seit der Eskalation im Juli 2026.
Am Freitag hatten die Huthi erklärt, von Saudi-Arabien gesteuerte Angriffe auf die jemenitische Hauptstadt Sanaa vereitelt zu haben. Ihr Militärsprecher Yahya Saree sprach von 300 saudischen Luftangriffen binnen einer Woche und warnte Riad:
„Die gemeldeten Angriffe auf Sanaa würden nicht unbeantwortet bleiben.“
Blitzoffensive an der Meerenge
Der Vorfall fällt in eine Phase rascher Eskalation. Die Huthi hatten im Juli 2026 eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt und greifen seither Ziele im Königreich sowie Schiffe im Roten Meer an. In der Woche vor dem 19. September brachten sie nach einer Blitzoffensive große Teile der jemenitischen Küste an der Meerenge Bab al-Mandab unter ihre Kontrolle. Rund zwölf Prozent des Welthandels laufen in Friedenszeiten durch diese Meerenge.
Anfang September wurden bei Angriffen auf Städte im Süden des Königreichs, darunter Abha und Dschasan, nach Angaben der von Saudi-Arabien geführten Koalition 73 Menschen verletzt; am Donnerstag vor dem Flughafen-Vorfall kam nach saudischen Angaben ein Mensch durch Trümmer einer abgefangenen Drohne ums Leben. Mitte September lieferten sich beide Seiten einen Schlagabtausch über den von Saudi-Arabien gemeldeten Drohnenabschuss bei Mekka; die Huthi nannten den Vorwurf eine „abgedroschene Lüge“. Die Miliz fordert, dass Riad die Blockade der von ihr kontrollierten Gebiete aufhebt.
Vom Seeblockade-Beschluss bis zum Brand am Flughafen
- Juli 2026Huthi verkünden Seeblockade
Die Miliz kündigt eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien an und greift seither Ziele im Königreich und Schiffe im Roten Meer an.
- 8. bis 12. September 2026Blitzoffensive an der Küste
Die Huthi bringen nach einer Offensive die Hafenstadt Mokha und die Insel Perim an der Meerenge Bab al-Mandab unter ihre Kontrolle.
- 16. September 2026Streit über Mekka
Saudi-Arabien wirft den Huthi vor, Mekka ins Visier genommen zu haben, und nennt es einen feigen Terroranschlag; die Miliz spricht von einer abgedroschenen Lüge.
- 17. September 2026USA billigen F-35-Verkauf
Das US-Außenministerium genehmigt den Verkauf von 48 F-35-Kampfflugzeugen im Wert von 24,3 Milliarden Dollar an Saudi-Arabien.
- 18. September 2026Drohung nach Sanaa-Meldung
Die Huthi erklären, saudische Angriffe auf Sanaa vereitelt zu haben; Saree nennt 300 saudische Angriffe in einer Woche. Der UNO-Sicherheitsrat verurteilt die Huthi-Angriffe auf die Schifffahrt.
- 19. September 2026Feuer am Flughafen Riad
Nach einem Luftalarm in der Nacht und der Entwarnung am Morgen steigt nahe dem King Khalid International Airport eine schwarze Rauchsäule auf; ein Aramco-Tank brennt.
USA halten sich militärisch heraus
Die USA, wichtigster Verbündeter Saudi-Arabiens, halten sich bislang militärisch heraus. Der 41-jährige Kronprinz Mohammed bin Salman soll Präsident Donald Trump laut Axios persönlich um militärische Hilfe gebeten haben; zwei mit der Sache vertraute Quellen bestätigten dies gegenüber CBS News, dem US-Partner der BBC. Trump lehnte eine direkte Beteiligung der US-Streitkräfte ab und bot Unterstützung mit Aufklärungs- und Zielinformationen an.
Am Donnerstag billigte das US-Außenministerium den Verkauf von 48 F-35-Kampfflugzeugen im Wert von 24,3 Milliarden Dollar an Saudi-Arabien, um Riad zu helfen, „aktuelle und künftige Bedrohungen abzuschrecken“. Der UNO-Sicherheitsrat verurteilte am Freitag die Huthi-Angriffe auf die Schifffahrt im Roten Meer und sprach Saudi-Arabien das Recht auf Selbstverteidigung zu; die EU-Marinemission Aspides erhöhte ihre Alarmbereitschaft.
Flughafen lahmgelegt, Ölausfuhren stocken
Der Flugverkehr kam durcheinander: Flightradar24 meldete die großen Probleme am Flughafen Riad mit langen Verspätungen und mehreren gestrichenen Flügen – höchste Störungsstufe 5,0. Eine offizielle Stellungnahme der Behörden gab es zunächst nicht; das Medienbüro der Regierung ließ eine Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters unbeantwortet. Ob die Huthi für die Explosionen verantwortlich sind, war nicht offiziell bestätigt, Berichte über Opfer gab es zunächst nicht.
Der Konflikt trifft zunehmend die Ölausfuhren des Königreichs. Da der Krieg der USA und Israels mit dem Iran die Straße von Hormus faktisch geschlossen hat, sind saudische Schiffe auf die Route durch das Rote Meer angewiesen – der Brent-Preis stieg zuletzt auf 107 Dollar. Nach Angaben des Schifffahrtsmonitors Kpler durchquerten seit dem 11. September nur fünf Schiffe mit Ladung aus Saudi-Arabien die Meerenge Bab al-Mandab, ein Drittel der üblichen Zahl. Offen ist, ob Riad den Brand am Flughafen als Angriff wertet und militärisch antwortet.
