Brent steigt auf 107 Dollar – Saudi-Arabien stoppt Ölpipeline
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Energiekrise

Brent steigt auf 107 Dollar – Saudi-Arabien stoppt Ölpipeline

Ein Drohnenangriff auf Saudi-Arabiens Ost-West-Pipeline und die Huthi-Kontrolle über Bab al-Mandab treiben Brent auf 107,54 Dollar. In Deutschland kostet Diesel am 17. September 2,471 Euro je Liter – Allzeithoch.

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Ein Barrel Brent kostet am Montagmorgen 107,54 bis 107,84 US-Dollar – rund drei Prozent mehr als am Freitag, wie der Bericht der Zeit zum Ölpreissprung zeigt. Auslöser ist der Doppelschlag gegen Saudi-Arabiens letzte Öl-Ausweichroute: ein Drohnenangriff auf die Ost-West-Pipeline und die Huthi-Kontrolle über die Meerenge Bab al-Mandab.

Die 1.200 Kilometer lange Leitung transportierte zuletzt vier bis fünf Millionen Barrel täglich – etwa vier bis fünf Prozent des weltweiten Ölangebots. Saudi-Arabien legte sie vorsorglich still. Händler warnen, die Lagerbestände in den Häfen am Roten Meer reichten nur noch fünf bis sieben Tage; bei einem längeren Ausfall droht ein Verlust von bis zu vier Prozent des Weltangebots.

Die US-Sorte WTI verteuerte sich um 2,3 bis 2,8 Prozent auf 102,34 bis 102,85 Dollar, das Handelsblatt meldete 103,20 Dollar. An den asiatischen Börsen gaben die Kurse nach. Seit Jahresbeginn hat Brent fast 80 Prozent zugelegt, liegt aber noch unter dem Kriegszwischenhoch von etwas mehr als 126 Dollar, das Ende April erreicht wurde.

Brent-Preis je Barrel seit Kriegsbeginn

Der Preis stieg von rund 70 Dollar auf über 100 Dollar, zuletzt mit starken Ausschlägen

Quelle: Zeit, Handelsblatt, fr.de, aktien.news

Saudi-Arabiens Ausweichroute fällt aus

Seit die Straße von Hormus Ende Februar 2026 faktisch blockiert ist – Irans Blockade der Straße von Hormus hält an –, pumpt Saudi-Arabien sein Öl über die Ost-West-Pipeline vom Persischen Golf zum Hafen Yanbu am Roten Meer. Von dort ging es per Schiff durch Bab al-Mandab vor allem nach Asien.

In der Nacht vom 10. auf den 11. September griffen nach Darstellung des Merkur schiitische Milizen aus dem Irak die Leitung mit Drohnen an. Das saudische Energieministerium bestätigte die Stilllegung als Vorsichtsmaßnahme, die irakische Regierung verurteilte den Angriff und ordnete eine Untersuchung an. Die Reparatur dürfte Wochen dauern.

Parallel brachten die Huthi im Jemen die Hafenstadt Mokka und alle vier Inseln der Meerenge unter ihre Kontrolle, darunter die strategisch wichtige Insel Perim. Die Huthi-Eroberung von Mokka am Bab al-Mandab trifft damit genau die Route, über die Saudi-Arabien sein Öl verschifft. Andere Frachter sollen passieren dürfen, Schiffe mit saudischem Öl wollen die Huthi beschießen.

Wie es zur neuen Eskalation kam

  1. Februar 2026
    Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran

    Die Straße von Hormus wird faktisch blockiert, Brent steigt von rund 70 Dollar auf über 100 Dollar.

  2. 24. Juli 2026
    Brent durchbricht die 100-Dollar-Marke

    Analysten warnen vor 150 Dollar je Barrel.

  3. 10./11. September 2026
    Huthi erobern Mokka, Milizen greifen die Pipeline an

    In der Nacht zum 11. September treffen Drohnen die saudische Ost-West-Pipeline.

  4. 13. September 2026
    Super E10 auf Allzeithoch

    Der Liter kostet im Tagesdurchschnitt 2,273 Euro und übertrifft den bisherigen Höchstpreis vom März 2022.

  5. 14. September 2026
    Brent springt auf rund 107 Dollar

    Das geplante Außenministertreffen der Golfstaaten in Salalah wird kurzfristig verschoben.

  6. 17. September 2026
    Diesel-Rekord und leichte Entspannung

    Diesel kostet 2,471 Euro je Liter; Saudi-Arabien leitet mehr Öl über den Oman, Brent fällt auf 105,31 Dollar.

Das Kalkül Teherans

Der US-Präsident machte den Iran für den Angriff auf die Pipeline verantwortlich. Ibrahim Freihat, Professor für internationale Konflikte am Doha Institut in Katar, deutet die Gleichzeitigkeit der Ereignisse als Strategiewechsel:

Iran hat seine Strategie geändert. Der Iran hat Medienberichten zufolge einen Teil seines Einflusses an der Straße von Hormus verloren. Daher will er das durch eine Ausweitung des Konflikts auf die gesamte Region kompensieren.
Ibrahim Freihat, Professor für internationale Konflikte am Doha Institut

Der Analyse des Merkur zufolge zielt Teheran darauf, den Ölpreis hochzutreiben, um der US-Wirtschaft Kosten aufzuerlegen und Benzin kurz vor den Zwischenwahlen im November teurer zu machen. Zugleich soll Saudi-Arabien dazu gebracht werden, seinen Einfluss in Washington für eine Beilegung des Konflikts einzusetzen.

Militärisch halten sich die USA zurück. Kronprinz Mohammed bin Salman soll Trump vergeblich um Hilfe gegen die Huthi gebeten haben; Washington sagte lediglich Unterstützung durch Geheimdienstinformationen zu. Der Sicherheitsexperte Hans-Jakob Schindler sagte bei ZDFheute live, die USA wollten so kurz vor den Zwischenwahlen keinen zweiten militärischen Konflikt in der Region eröffnen.

Was Verbraucher in Deutschland zahlen

Am Sonntag, dem 13. September, kostete der Liter Super E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,273 Euro – ein Allzeithoch oberhalb des bisherigen Höchstpreises vom März 2022. Der neue E10-Rekordpreis an den Zapfsäulen fiel nur zwei Tage nach dem Angriff auf die Pipeline an.

Am 17. September erreichte Diesel mit durchschnittlich 2,471 Euro je Liter ein neues Allzeithoch – das zweite Tageshoch in Folge; die Meldung zum Dieselpreis-Allzeithoch nennt 2,453 Euro vom Mittwoch als vorherigen Rekord. Super E10 sank leicht auf 2,308 Euro.

Auch Heizen und Gas werden teurer. Heizöl kostete am Montag rund 1,66 Euro je Liter, über 30 Cent mehr als Ende August. Der europäische Gaspreis sprang auf 83,75 Euro je Megawattstunde, den höchsten Stand seit Ende 2022; die deutschen Gasspeicher waren nur zu knapp 55 Prozent gefüllt, ein Jahr zuvor zu rund 74 Prozent.

Die Bundesnetzagentur sieht die Versorgung dennoch nicht akut gefährdet: Die LNG-Terminals seien nur zu etwa 45 Prozent ausgelastet, sagte Präsident Klaus Müller der Deutschen Presse-Agentur. In den Speichern liege schon jetzt mehr Gas als im gesamten vergangenen Winterhalbjahr entnommen wurde.

In der Bundesregierung läuft die Debatte um Entlastungen. Die SPD fordert einen Preisdeckel, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche setzt auf Steuerrabatt und Direktzahlungen an Geringverdiener, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke verlangt einen Deckel nach Vorbild Polens, Luxemburgs, Belgiens und Tschechiens. Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats, warnt vor neuen Staatshilfen und fordert mehr Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen.

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Wie groß die Lücke wirklich ist

Die Internationale Energieagentur hält die Krise für größer als die Ölschocks von 1973 und 1979 zusammen. IEA-Chef Fatih Birol sagte, damals hätten jeweils etwa fünf Millionen Barrel pro Tag gefehlt, heute seien es elf Millionen. Mehr als 40 Energieanlagen in neun Ländern des Nahen Ostens seien schwer beschädigt; die Wiederinbetriebnahme könne bei einigen sechs Monate dauern, bei anderen viel länger.

Der Sicherheitsexperte Schindler sieht das vorrangige Problem nicht in den Kämpfen selbst: Für die Schifffahrt seien die Risikobereitschaft der Schiffsversicherer und die enorm gestiegenen Versicherungskosten entscheidend. Für Deutschland sei der Weltmarkt-Ölpreis der Richtpreis der hiesigen Ölkonzerne:

Wenn das saudische Öl dann vom Markt genommen ist, dann gehen die Ölpreise nach oben.
Hans-Jakob Schindler, Nahost- und Sicherheitsexperte

Die Commerzbank hält dagegen: Rohstoffanalyst Carsten Fritsch verweist darauf, dass die OECD-Bestände den Wegfall der Öllieferungen über die Straße von Hormus etwa neun Monate kompensieren könnten.

Der historische Vergleich

Das Statistische Bundesamt hat die Preisentwicklung der vergangenen 50 Jahre ausgewertet. Im März 2026 zahlten Verbraucher 17,3 Prozent mehr für Superbenzin und 29,7 Prozent mehr für Diesel als ein Jahr zuvor, Kraftstoffe insgesamt 20 Prozent mehr, leichtes Heizöl 44,4 Prozent mehr. Im März 2022 lagen die Anstiege deutlich höher: Superbenzin plus 42 Prozent, Diesel plus 63 Prozent, Heizöl plus 144,4 Prozent.

Klaus-Jürgen Gern vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel verweist darauf, dass sich die Ölpreise in den 1970er Jahren vervierfacht und nochmals verdreifacht hätten, während Preise über 100 Dollar heute keine neue Erfahrung seien. Weil der Angebotsrückgang auf der Blockade und heruntergefahrenen Produktionsanlagen beruhe und nicht auf zerstörter Infrastruktur, könnten sich Angebot und Preise nach einem Kriegsende wieder auf Vorkriegsniveau einpendeln. Die Deutsche Bank Research preist weiterhin keinen anhaltenden Ölschock ein.

Entspannung kam am 17. September von der Angebotsseite: Saudi-Arabien leitete mehr Öl über den Oman und bot asiatischen Raffinerien über Schiff-zu-Schiff-Übertragungen vor dem Hafen Sohar zusätzliche Mengen an. Reuters berichtete über Dialoge zwischen den USA und den Huthi, die an einem Waffenstillstand von 2025 festhielten. Brent fiel um 0,5 Prozent auf 105,31 Dollar, WTI um 0,66 Prozent auf 101,75 Dollar.

Der diplomatische Rückschlag

Für Montag war in Salalah im Oman ein Außenministertreffen der Golfstaaten geplant, bei dem Iran und Oman eine Vereinbarung über die Zukunft der Straße von Hormus vorstellen wollten. Es wurde kurzfristig verschoben; Bahrain hatte bereits im Vorfeld erklärt, nicht teilnehmen zu wollen. Der omanische Außenminister Badr al-Busaidi begründete den Schritt mit dem Interesse des Konsenses.

Der iranische Außenamtssprecher Ismail Baghai sagte, Saudi-Arabien habe um die Abschiebung der Sitzung gebeten; die jüngsten Entwicklungen im Jemen hätten dabei eine Rolle gespielt. Katar warnte vor katastrophalen Folgen einer Schließung von Bab al-Mandab. Ob die Pipeline binnen weniger Tage wieder läuft, entscheidet mit – sonst droht ein Ausfall von bis zu vier Prozent des weltweiten Ölangebots.