Trauerwache in Frankfurt erinnert an mehr als 300 Gewaltopfer
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Innere Sicherheit

Trauerwache in Frankfurt erinnert an mehr als 300 Gewaltopfer

Die Trauerwache Deutschland hat am 19. September 2026 auf dem Frankfurter Römerberg der Opfer von Gewalt, Attentaten und Anschlägen gedacht. Organisator Michael Kyrath beklagt, die Politik lasse die Hinterbliebenen allein – Kritiker sehen das Gedenken dagegen politisch instrumentalisiert.

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Über 300 getötete Kinder und Jugendliche – mit ihren Eltern steht Michael Kyrath nach eigenen Angaben in Kontakt. Am Samstag, dem 19. September 2026, führte der Vater der bei Brokstedt erstochenen Ann-Marie die „Trauerwache Deutschland“ auf den Frankfurter Römerberg, um an Menschen zu erinnern, die seit 2015 durch Gewalttaten, Attentate und Anschläge getötet wurden.

Von 14 bis 19 Uhr dauerte die Gedenkkundgebung, an die sich ein Trauermarsch durch die Innenstadt anschloss. Der Zug führte unter anderem an der Paulskirche vorbei; Teilnehmer trugen Banner der Bundesländer und hielten Fotos der Getöteten hoch. Motto: „Gegen das Vergessen – Aufgeben ist keine Option!“

Erinnert wurde an den Studenten Marius Dick, der im Juli 2026 in Trier von einem Afghanen mit einem Küchenmesser tödlich verletzt wurde – der tödliche Messerangriff in Trier. Seine Eltern Thomas und Elke Dick nahmen teil, wie BILD über den Fall Marius Dick berichtet. Genannt wurden auch der 2024 in Mannheim getötete Polizeihauptkommissar Rouven Laur, ein zweijähriger Junge aus Aschaffenburg und Alexandra Felan aus Hanau.

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26 Messerstiche im Regionalzug bei Brokstedt

Am 25. Januar 2023 stach der staatenlose Palästinenser Ibrahim A. im Regionalzug von Kiel nach Hamburg kurz vor Brokstedt 26 Mal auf die 17-jährige Ann-Marie Kyrath ein. Ihr 19-jähriger Freund Danny starb durch einen Stich ins Herz, vier weitere Fahrgäste wurden schwer verletzt. Der Täter war den Behörden mehrfach bekannt und sechs Tage vor der Tat aus der Haft entlassen worden; er wurde zu lebenslanger Haft mit festgestellter besonderer Schwere der Schuld verurteilt.

Kyrath hat aus dem Verlust eine öffentliche Rolle gemacht. Im Gespräch mit der Zeitschrift EMMA sagte er, viele Hinterbliebene schwiegen aus Furcht, in ein politisches Lager gestellt zu werden. Genau diese Furcht erklärt, warum der Streit um die Trauerwache so heftig geführt wird.

Viele von uns Eltern hätten gerne was gesagt, nachdem unsere Kinder ermordet worden sind, aber die meisten haben Angst davor, nach rechts gestellt zu werden.
Michael Kyrath, Organisator der Trauerwache Deutschland

Die Kriminalstatistik liefert beiden Seiten Argumente

Die Veranstaltung fiel in eine Debatte, die die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2025 befeuert. Vorgestellt wurde sie am 20. April 2026 in Berlin von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), BKA-Präsident Holger Münch und dem Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD). Die Zahl der registrierten Straftaten sank 2025 um 5,6 Prozent auf 5.508.559 Fälle, die Gewaltkriminalität erstmals seit 2021 um 2,3 Prozent auf 212.335 Fälle, wie die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 im Detail zeigt.

Doch einzelne Delikte stiegen: Bei Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen um 6,5 Prozent, bei Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellem Übergriff im besonders schweren Fall um 8,5 Prozent auf 14.454 Fälle. Das BKA verweist auf eine gestiegene Anzeigebereitschaft und darauf, dass sich Opfer und Täter in rund drei Viertel der Fälle kannten. Die Tatverdächtigen sind zu 98,6 Prozent männlich; der Männeranteil unter allen Tatverdächtigen liegt laut PKS bei 74,1 Prozent.

Bei Gewaltkriminalität hatten 42,9 Prozent der Tatverdächtigen keinen deutschen Pass. Die Tatverdächtigenbelastungszahl nichtdeutscher Tatverdächtiger liegt nach BKA-Angaben etwa 2,6-fach über der deutscher Tatverdächtiger, bei Gewaltkriminalität nennt das BKA einen etwa vierfachen Wert. 29.243 Messerangriffe wurden 2025 registriert, ein Plus von 0,8 Prozent; Bedrohungen mit einem Messer nahmen um 9,5 Prozent auf 13.748 Fälle zu.

Veränderung der Fallzahlen 2025 gegenüber 2024

Angaben in Prozent

Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 (BKA)

Ostermann warnt vor dem kollektiven Freiheitsverlust

Als Redner trat der 35-jährige Manuel Ostermann auf, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Er sagte, er sei „selten so besorgt um die Bundesrepublik Deutschland“ gewesen, und warnte vor einem „kollektiven Freiheitsverlust“, weil sich viele Menschen im Alltag unsicher fühlten. Vor seinem Auftritt betonte er, es gehe „nicht um parteipolitische Botschaften, sondern um gemeinsames Gedenken“.

Ebenfalls angekündigt war die Journalistin und BILD-Kolumnistin Julia Ruhs. Die Trauerwache findet an wechselnden Orten statt, zuvor am 25. April 2026 in Dresden an der Frauenkirche. Die Initiative hatte nach eigener Darstellung Einladungen an alle Ministerpräsidenten der Länder und an Bundeskanzler Friedrich Merz verschickt. Kyrath beklagt, Politiker verweigerten Gespräche – ob Merz oder ein Regierungschef auf die Trauerwache zugeht, ist offen.