CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers verliert Direktmandat an AfD
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Abgeordnetenhauswahl

CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers verliert Direktmandat an AfD

Bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl verliert CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers sein Direktmandat an die AfD. Seine Partei stürzt auf 18,8 Prozent, die Linke wird erstmals stärkste Kraft – und in der CDU wächst die Kritik an Kanzler Merz.

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CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers hat sein Direktmandat in Berlin an die AfD verloren: Im Wahlkreis Treptow-Köpenick 4 kam der Finanzsenator nach dem vorläufigen Ergebnis der Landeswahlleitung auf 24,5 Prozent der Erststimmen, der AfD-Kandidat Alexander Bertram auf 31,5 Prozent.

2023 hatte Evers den damaligen Wahlkreis Treptow-Köpenick 3 noch mit 32,7 Prozent direkt gewonnen. Der Zuschnitt der Wahlkreise im Südosten Berlins wurde nach der Abgeordnetenhauswahl 2023 geändert. Ins Abgeordnetenhaus dürfte der 46-Jährige trotz der Niederlage über die CDU-Bezirksliste einziehen.

Ein Wahlkreis, den die CDU 2023 noch klar gewann

Evers sitzt seit 2011 im Abgeordnetenhaus, seit 2023 ist er Finanzsenator, im April 2026 übernahm er zusätzlich das Kulturressort. In den Wahlkampf zog er erst im Juli, nachdem Wegners Rückzug von der CDU-Spitzenkandidatur ihn ins Amt des Spitzenkandidaten gebracht hatte.

Bertram lag auch bei den Zweitstimmen vorn: Im Wahlkreis kam die AfD nach Zwischenstand auf 31,8 Prozent. In Marzahn-Hellersdorf gewann sie fünf von sechs Direktmandaten; Pankow, Lichtenberg und Hellersdorf fielen an AfD und Linke.

Von Wegners Rückzug bis zur Wahl-Nachlese

  1. Juli 2026
    Wegner tritt zurück

    Nach Enthüllungen über falsche Angaben zu seinem Krisenmanagement beim Stromausfall im Januar verzichtet Kai Wegner auf die CDU-Spitzenkandidatur; Stefan Evers übernimmt.

  2. 16. September 2026
    Ministerpräsidenten stützen Merz – ohne Namen

    Acht CDU-Ministerpräsidenten stellen sich in einer gemeinsamen Erklärung hinter Merz, nennen ihn aber nicht namentlich.

  3. 20. September 2026
    Die CDU verliert Berlin

    Bei 74,2 Prozent Wahlbeteiligung wird die Linke erstmals stärkste Kraft; die CDU stürzt auf 18,8 Prozent.

  4. 20. September 2026, abends
    Evers verliert Treptow-Köpenick 4

    Der CDU-Spitzenkandidat kommt auf 24,5 Prozent der Erststimmen, AfD-Kandidat Alexander Bertram auf 31,5 Prozent.

  5. 21. September 2026
    CDU-Spitze berät über Merz

    Um 9 Uhr tagt das Präsidium, um 11 Uhr der Bundesvorstand; für 13.30 Uhr ist eine Pressekonferenz mit Merz angekündigt.

Die Linke wird erstmals stärkste Kraft

Wie die Ergebnisse der Berliner Abgeordnetenhauswahl zeigen, wurde die Linke mit 25,7 Prozent erstmals stärkste Kraft in Berlin – eine Verdopplung gegenüber 2023 (+13,4 Punkte). Die CDU folgte mit 18,8 Prozent und verlor 9,5 Punkte; keine Partei büßte mehr ein.

Die AfD erreichte 16,3 Prozent (+7,2), die Grünen 14,3 (-4,1), die SPD 12,1 Prozent (-6,3) – für die SPD das historisch schlechteste Ergebnis bei einer Abgeordnetenhauswahl in Berlin. Das BSW verpasste mit 4,7 Prozent knapp den Einzug, die FDP kam auf 2,5 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 74,2 Prozent; erstmals waren 16- und 17-Jährige wahlberechtigt.

Zweitstimmen bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl 2026

Vorläufiges amtliches Ergebnis in Prozent

Quelle: Landeswahlleitung Berlin, rbb24, 21.09.2026

Merz will bleiben – und erntet Widerspruch

Kurz nach den ersten Zahlen trat Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz im Konrad-Adenauer-Haus vor die Kameras. Das CDU-Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Partei mit 4,9 Prozent erstmals aus einem Landtag flog, nannte er ein „Desaster„ – an Amt und Reformkurs will er festhalten. Evers hatte zuvor fehlenden Rückenwind beklagt: „Rückenwind sieht jetzt anders aus.“

Die Kritik aus der eigenen Partei wächst, wie Berichte über die wachsende Kritik an Merz zeigen. Der frühere CDU-Landeschef von Mecklenburg-Vorpommern, Eckhardt Rehberg, machte „mangelnde Empathie des Bundeskanzlers" mitverantwortlich. Am Wahlabend trafen sich sieben der acht CDU-Ministerpräsidenten ohne Merz in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz. Am schärfsten formulierte der Berliner MIT-Vorsitzende Christian Gräff:

Merz muss weg. Er kann nicht Exekutive und er kann keine Kommunikation.
Christian Gräff, MIT-Vorsitzender Berlin (CDU)

Berlins künftige Koalition ist offen

In Berlin hat die bisherige Koalition aus CDU und SPD ihre Mehrheit verloren – das Ende der schwarz-roten Mehrheit in Berlin zeichnete sich zehn Tage vor der Wahl in Umfragen ab. Rechnerisch möglich sind ein rot-grün-rotes Bündnis aus Linke, Grünen und SPD mit 94 Mandaten und eine „Kenia"-Koalition aus CDU, Grünen und SPD mit 83 Mandaten; für eine Mehrheit sind 80 Sitze nötig. Die Linke will eine neue Koalition bis Weihnachten aufstellen.

Am Montag tagte das CDU-Präsidium um 9 Uhr erneut, um 11 Uhr folgte der rund 70-köpfige Bundesvorstand im Konrad-Adenauer-Haus; für 13.30 Uhr war eine Pressekonferenz von Merz mit dem CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzenden von Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, und Evers angekündigt. Dort sollte sich zeigen, ob Merz den Rückhalt der Parteiführung noch hat.

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