Issa Remmo feiert auf Linken-Wahlparty – Partei distanziert sich
Bild: KI-generiert
Clankriminalität

Issa Remmo feiert auf Linken-Wahlparty – Partei distanziert sich

Der als Oberhaupt des Berliner Remmo-Clans geltende Issa Remmo feierte am Wahlabend auf der Party der Linken in Neukölln mit. Die Partei weist jede Verbindung zurück, CDU und Grüne fordern Aufklärung – und Klarheit vor einer Regierungsbildung.

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Die Berliner Linke feierte am Abend des 20. September ihren Wahlsieg mit 25,7 Prozent – mitten im Ballhaus Rixdorf in Neukölln stand Issa Remmo, der als Oberhaupt des Berliner Remmo-Clans gilt. Mitglieder des Clans wurden unter anderem wegen der Beteiligung am Diebstahl der 100 Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Bode-Museum verurteilt. Die Linke weist jede Verbindung zurück, die CDU fordert Aufklärung.

Sechs Wochen vor dem Urnengang lag die Linke erstmals allein an der Spitze. Remmo, 58 Jahre alt, posierte nach BILD-Angaben kurz mit dem „Victory“-Zeichen und zog weiter; an der Wahlparty von Spitzenkandidatin Elif Eralp in Kreuzberg wurde er laut RTL/n-tv am Eingang abgewiesen. Gegenüber der Berliner Morgenpost sagte er: „Die Berliner Linke ist Juden gegenüber nicht feindlich eingestellt.“

Wahlergebnis der Berliner Abgeordnetenhauswahl 2026

Stimmenanteile in Prozent

Quelle: Angaben laut zeit.de

Die Linke weist jede Verbindung zurück

Der Neuköllner Bezirksvorstand bemühte sich umgehend um Distanz. Jorinde Schulz erklärte auf dpa-Anfrage, es habe sich um eine öffentliche Veranstaltung gehandelt, „zu der auch ungeladene Personen Zutritt hatten“. Remmo habe nicht auf der Anmeldeliste gestanden: „Es gibt weder politische noch persönliche Beziehungen zu dieser Person.“ Der Besuch habe daran „selbstverständlich nichts geändert“.

Landesgeschäftsführer Bjoern Thielebein sagte t-online, „Typen wie er sind definitiv nicht Verbündete von uns“. Eine Sprecherin am Eingang räumte gegenüber BILD ein: „Ja, Issa Remmo war da, am Anfang haben wir keine Hintergrundkontrolle gemacht. Jeder konnte kommen und sich eintragen.“ Spitzenkandidatin Elif Eralp wies im ZDF jede Nähe zur organisierten Kriminalität zurück:

Er war nicht eingeladen und wurde wieder rausgeschickt. Mit organisierter Kriminalität haben wir nichts zu tun, die bekämpfen wir.
Elif Eralp, Linken-Spitzenkandidatin Berlin

CDU und Grüne fordern Aufklärung

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner fordert eine klare und transparente Erklärung, „wie es zu diesem Auftritt gekommen ist und ob Herr Remmo eingeladen wurde“. Er verwies auf die Anstrengungen von Polizei, Justiz und Verwaltung gegen Clankriminalität, die „politische Rückendeckung und keine Bilder“ verdienten, die Zweifel an der nötigen Distanz aufkommen ließen. Auf X schrieb der CDU-Politiker:

Dass Issa Remmo auf der Wahlparty der Berliner Linken auftaucht, ist ein verstörendes Signal. Gerade eine Partei, die Verantwortung für unsere Stadt übernehmen will, muss unmissverständlich deutlich machen, dass es keinerlei Nähe zu Strukturen geben darf, die zur organisierten Kriminalität gehören.
Kai Wegner, Regierender Bürgermeister Berlin (CDU)

Die Grünen-Landesvorsitzende Nina Stahr zeigte sich „extrem irritiert“: „Das wird die Linke klären müssen, was da passiert ist, warum das passiert ist.“ Sie verlangte Klarheit, bevor eine kommt – auch mit Blick auf die Antisemitismusdebatte der vergangenen Wochen. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) sagte BILD, das lasse „Schlimmes für die Innere Sicherheit befürchten“.

Ein zweiter Gast: PFLP-Aktivist Ibrahim Ibrahim

Ein Foto aus dem Ballhaus Rixdorf zeigt Remmo neben zwei Männern. Der gemeinnützige Verein democ machte darauf aufmerksam; nach Bericht über den zweiten Gast handelt es sich bei einem Begleiter um den Anti-Israel-Aktivisten Ibrahim Ibrahim, der als führender Unterstützer der „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ (PFLP) in Deutschland gilt; die EU stuft die PFLP als Terrororganisation ein.

Der „Tagesspiegel“ veröffentlichte ein Bild, das Ibrahim neben dem Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak zeigt; Ibrahim war schon früher bei Veranstaltungen der Neuköllner Linken aufgetreten. Das VPNK gilt dem Verfassungsschutz als extremistisch. Laut democ soll Ibrahim den früheren Hamas-Chef Jahja Sinwar als „standhaften Führer“ und „Märtyrerhelden“ bezeichnet haben.

Was der Auftritt für die Regierungsbildung bedeutet

Die Linke muss nun über eine Koalition mit Grünen und SPD verhandeln. Die Grünen-Landesvorsitzenden Nina Stahr und Philmon Ghirmai hatten sich zuvor für ein solches Bündnis ausgesprochen; Stahr verknüpft den Remmo-Besuch ausdrücklich mit der Frage der Regierungsbildung. Der Zentralrat der Juden ist beunruhigt: Präsident Josef Schuster sagte, es beunruhige ihn zutiefst, dass eine Partei siege, auf deren Bühne offen der Tod von Menschen gefordert worden sei.

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Die Berliner Linke steht seit Wochen in der Antisemitismusdebatte: Ende August soll ein umstrittener Rapper bei einer Parteiveranstaltung „Death to the IDF“ gesungen haben, ein Neuköllner Kandidat hatte im Internet zur „Wahlintifada“ aufgerufen. Die CDU fordert seit Längerem, die Berliner Linke vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Offen ist, ob die Grünen ihre Zustimmung zu Koalitionsgesprächen an eine Antwort auf den Wahlabend knüpfen.