Die Linke gewinnt die Berlin-Wahl – CDU stürzt auf 18,8 Prozent
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Abgeordnetenhauswahl

Die Linke gewinnt die Berlin-Wahl – CDU stürzt auf 18,8 Prozent

Die Linke wird erstmals stärkste Kraft in Berlin, Spitzenkandidatin Elif Eralp will Regierende Bürgermeisterin werden. Ob es dafür reicht, hängt an der abgestürzten SPD – und am Streit um Vergesellschaftung und Antisemitismus.

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Die Linke hat die in Berlin gewonnen und die regierende CDU auf den zweiten Platz verwiesen. Laut dem vorläufigen Ergebnis der Berlin-Wahl kommt sie auf 25,7 Prozent der Zweitstimmen, die CDU stürzt auf 18,8 Prozent (2023: 28,2 Prozent). Erstmals in der Geschichte Berlins wird die Linke stärkste Kraft – und erzielt zugleich ihr bestes Ergebnis bei einer Abgeordnetenhauswahl.

Ihre Spitzenkandidatin Elif Eralp holte in ihrem Wahlkreis ein Direktmandat mit rund 50 Prozent und beansprucht die Regierungsführung. Die 45-Jährige, Tochter türkischer Einwanderer, will erste Regierende Bürgermeisterin der Linken und erste Regierungschefin Berlins mit Migrationsgeschichte werden. Ihre Partei legte um 13,5 Punkte zu und mehr als verdoppelte ihr Ergebnis von 2023 (12,2 Prozent).

Der Absturz der Regierungsparteien

Für die CDU kam es noch schlimmer: Evers verliert sein Direktmandat an die AfD. Der Spitzenkandidat war erst im Juli für Kai Wegner eingesprungen, der wegen der „Tennis-Affäre“ und seines Krisenmanagements nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz parteiintern nicht mehr zu halten gewesen war. Bundeskanzler Friedrich Merz nannte das CDU-Abschneiden ein „ordentliches Ergebnis“ und räumte fehlenden Rückenwind aus der Bundespolitik ein.

Für die SPD endete der Abend im Desaster. Spitzenkandidat Steffen Krach nannte das Ergebnis „katastrophal“; mit 12,1 Prozent (–6,3 Punkte) fährt die Partei ihr historisch schlechtestes Ergebnis in Berlin ein. Auch die frühere Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey verpasst den Wiedereinzug ins Abgeordnetenhaus, weil sie ihr Direktmandat in Rudow verlor. Krach will dennoch Landesvorsitzender bleiben.

Drittstärkste Kraft wird die AfD mit 16,3 Prozent (+7,2 Punkte), die Grünen landen mit 14,3 Prozent (–4,1) auf Platz vier. BSW (4,7 Prozent) und FDP (2,5 Prozent) scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde. Die Wahlbeteiligung liegt bei 74,2 Prozent nach 62,9 Prozent im Jahr 2023; erstmals waren in Berlin auch 16- und 17-Jährige wahlberechtigt.

Zweitstimmenanteile bei der Berlin-Wahl 2023 und 2026

Angaben in Prozent

Quelle: Landeswahlleiter Berlin, wahlrecht.de

Zwei Bündnisse, ein Königsmacher

Nach der vorläufigen Sitzverteilung im Abgeordnetenhaus entfallen auf die Linke 47 Sitze, die CDU 34, die AfD 29, die Grünen 26 und die SPD 22 – insgesamt 158 Mandate, die Mehrheit liegt bei 80. Für Rot-Grün-Rot ergibt das rund 95 Sitze, für eine CDU-geführte Kenia-Koalition mit Grünen und SPD rund 82. Schwarz-Rot hat mit rund 57 Sitzen keine Mehrheit mehr.

Da keine Partei mit der AfD koalieren will, bleiben nur diese beiden Optionen. Die Grünen um Nina Stahr und Philmon Ghirmai sprachen sich am Wahlabend ausdrücklich für ein progressives Bündnis mit SPD und Linken aus; Spitzenkandidat Werner Graf drängte auf schnelle Sondierungen. Die SPD-Führung ließ die Koalitionsfrage offen – und entscheidet damit mit, ob Eralp oder Evers ins Rote Rathaus einzieht.

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Vergesellschaftung als Bruchlinie

Der härteste inhaltliche Streit dreht sich um die Vergesellschaftung großer privater Wohnungsunternehmen. Eralp kündigte an, mit dieser Forderung in die Gespräche zu gehen; die Grünen verweisen auf den Volksentscheid von 2021. Die SPD und Krach lehnen eine Vergesellschaftung ab und bezweifeln, dass sie finanziell und rechtlich umsetzbar ist – trotz seiner schwachen Verhandlungsposition von 12,1 Prozent.

Wir haben gesagt, dann wollen wir auch vergesellschaften, und dabei bleiben wir.
Ines Schwerdtner, Bundesvorsitzende Die Linke

Zentralratspräsident Josef Schuster forderte SPD und Grüne auf, keine Koalition mit der Linken einzugehen. Er verwies auf eine Neuköllner Wahlkampfveranstaltung der Linken, bei der Ende August ein Rapper „Death to the IDF“ gesungen haben soll. Der Grünen-Bundesvorsitzende Felix Banaszak verlangte ein klares Bekenntnis gegen Antisemitismus als Bedingung für ein Bündnis. Innerhalb der Linken wollen die Strömung „Linke in der Linken“ und die Gruppe Palästinasolidarität Fundamentalopposition statt Regierungsbeteiligung.

Wie es weitergeht

Das endgültige Ergebnis muss der Landeswahlausschuss noch feststellen; einen festen Termin für die Wahl der Regierenden Bürgermeisterin gibt es nicht. Nach der Wiederholungswahl 2023 dauerte es 74 Tage, bis Kai Wegner gewählt wurde. Über Sondierungen soll ein Linke-Parteitag entscheiden, ein weiterer über Koalitionsverhandlungen, am Ende stimmen die Mitglieder über den Koalitionsvertrag ab. Offen bleibt, ob die SPD ein Bündnis unter Führung der Linken mitträgt.