Firas Remmo veröffentlicht Chat mit Linken-Abgeordnetem Koçak
Bild: KI-generiert
Wahlparty-Eklat

Firas Remmo veröffentlicht Chat mit Linken-Abgeordnetem Koçak

Der Sohn des Berliner Clan-Chefs Issa Remmo veröffentlicht einen Chat, in dem ihn der Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak um Hilfe bittet – am Abend des Linken-Wahlsiegs. Die Echtheit des Screenshots ist ungeprüft, die Partei kündigt ein klärendes Gespräch an.

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Der Sohn des Berliner Clan-Oberhaupts Issa Remmo hat einen Chatverlauf veröffentlicht, in dem ihn der Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak um Hilfe bittet und Grüße an seinen Vater ausrichten lässt.

Der Screenshot trägt das Datum 17. Februar. Veröffentlicht wurde er am Abend des 20. September, wenige Stunden nach dem Wahlsieg der Berliner Linken, die mit 25,7 Prozent der Zweitstimmen stärkste Kraft im Abgeordnetenhaus wird. Auf das Posting aufmerksam gemacht hat zuerst der freie Journalist Peter Rossberg.

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In dem Verlauf lässt Koçak laut Screenshot Issa Remmo „Grüße mit Respekt“ ausrichten. Die beiden Männer nennen sich gegenseitig „Bruder“. Koçak bittet Firas Remmo, ein Video einer seiner Bundestagsreden zu verbreiten: „Bruder hilf mir mal das hier zu verbreiten. Sagt allen euren Leuten, die sollen das teilen bitte.“ Firas Remmo antwortet: „gerne Bruder“, Koçak reagiert mit einem Herz-Emoji. So schildert es der Bericht von t-online über den Chat.

Seinen Screenshot versah Firas Remmo mit einem Kommentar: „Wir sind Teil von etwas Großem. Wir stehen zusammen, wir halten zusammen und wir kämpfen gemeinsam für unsere Ziele.“ Er schrieb von Siegern und Machern, die gemeinsam Dinge schafften, „die alleine niemals möglich wären“. Eine unabhängige Prüfung des Materials gibt es bislang nicht – der Spiegel-Bericht zu den angeblichen Chats lässt die Echtheit offen.

Die Rede, die geteilt werden sollte

In der Bundestagsrede, um deren Verbreitung Koçak bittet, kritisiert er die pauschale Verurteilung von Menschen als Clanmitglieder „allein aufgrund ihres Nachnamens“. Clankriminalität sei „kein klar definierter Straftatbestand“, sondern „ein politischer Kampfbegriff“ – nach Darstellung mehrerer Medien mit dem Zusatz „mit einer rassistischen Geschichte“.

Damit steht die Bitte im Widerspruch zum Anliegen der Rede: Koçak will den Begriff aus dem politischen Vokabular streichen und spannt dafür den Sohn eines Mannes ein, dessen Familie der organisierten Kriminalität zugerechnet wird. Eine kurzfristige Anfrage an Koçak zu den veröffentlichten Chats blieb zunächst unbeantwortet.

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Der Wahlabend und die Distanzierung

Am Wahlabend war Issa Remmo selbst auf der Party des Linken-Bezirksverbands Neukölln aufgetreten und hatte das Victory-Zeichen gezeigt; laut Medienberichten ging er später auch auf die Feier der Landespartei im Festsaal Kreuzberg. Issa Remmos Auftritt auf der Linken-Wahlparty brachte die Partei noch am selben Abend in Erklärungsnot. Gegenüber der „Berliner Morgenpost“ sagte er, er freue sich über die Linken und fühle sich erstmals von einer Partei unterstützt. Die Berliner Linke sei „Juden gegenüber nicht feindlich eingestellt“.

Der Bezirksvorstand der Neuköllner Linken distanzierte sich umgehend. „Uns war die Person und ihre Anwesenheit im Speziellen nicht bekannt, sie steht nicht auf unserer Anmeldeliste. Es gibt weder politische noch persönliche Beziehungen zu dieser Person“, sagte Jorinde Schulz aus dem Bezirksvorstand.

Koçak erklärte am Montag in einer Stellungnahme, er habe am Sonntag „hunderte Fotos mit Menschen gemacht, die meine und unsere politische Arbeit schätzen“. Die Wahlparty sei öffentlich zugänglich gewesen. „Von gewalt- oder terrorverherrlichenden Aussagen jeglicher Art distanziere ich mich ausdrücklich.“

Nach übereinstimmenden Berichten wurde auf derselben Feier auch der palästinensische Aktivist Ibrahim Ibrahim gesehen. Er gilt als führender Unterstützer der Volksfront zur Befreiung Palästinas in Deutschland, die auf der EU-Terrorliste steht.

Chronologie des Vorgangs

  1. 17. Februar 2026
    Der Chat

    Koçak lässt laut Screenshot Grüße an Issa Remmo ausrichten und bittet Firas Remmo um Verbreitung eines Rede-Videos.

  2. 20. September 2026
    Wahlsieg und Parteifeiern

    Die Linke wird mit 25,7 Prozent stärkste Kraft in Berlin. Issa Remmo erscheint auf der Neuköllner Wahlparty.

  3. 20. September 2026, spät
    Das Posting

    Firas Remmo teilt Videoausschnitte aus Koçaks Bundestagsreden und den Screenshot des Chats.

  4. 21. September 2026
    Berichte und Reaktionen

    Medien greifen den Fall auf, Koçak distanziert sich von Gewaltverherrlichung, Schwerdtner kündigt ein Gespräch an.

Klärung vor der Regierungsbildung

Linken-Parteivorsitzende Ines Schwerdtner kündigte am Montag lediglich ein Gespräch an. Sie sei erst kurz zuvor über den Post informiert worden und könne ihn noch nicht zurückverfolgen.

Wir werden das mit Herrn Koçak klären.
Ines Schwerdtner, Parteivorsitzende Die Linke

Die Linke will nach ihrem Wahlsieg in Berlin die Regierung anführen und ist auf SPD und Grüne angewiesen. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) nannte das Auftauchen Issa Remmos „ein verstörendes Signal“: Eine Partei, die Verantwortung für die Stadt übernehmen wolle, müsse „unmissverständlich deutlich machen“, dass es „keinerlei Nähe“ zu Strukturen der organisierten Kriminalität geben dürfe.

Grünen-Landeschefin Nina Stahr erwartet Klarheit, bevor über eine Regierung verhandelt wird – mit Blick auf den Chat ebenso wie auf die Antisemitismus-Debatte der vergangenen Wochen. Koçak steht ohnehin im Fokus: Die Berliner Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen Ferat Koçak wegen Urkundenfälschung eröffnet.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hatte SPD und Grüne nach dem Linken-Wahlsieg aufgefordert, eine Regierungsbeteiligung der Partei nicht zu ermöglichen, und von einer fortschreitenden „Normalisierung des Judenhasses“ gesprochen. Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Linke) wies die Warnungen zurück und sagte, er habe null Verständnis für eine derartige Erklärung.

Der Clan und die offenen Fragen

Der Remmo-Clan wird der organisierten Kriminalität zugerechnet. Zu den bekanntesten Taten zählen der Diebstahl der 100 Kilogramm schweren Goldmünze „Big Maple Leaf“ aus dem Berliner Bode-Museum 2017 und der Einbruch ins Dresdner Grüne Gewölbe 2019; ein Teil der Juwelen ist bis heute verschwunden.

2018 wurden 77 Objekte und Immobilien der Großfamilie im damaligen Wert von rund neun Millionen Euro vorläufig sichergestellt. 2025 ordnete das Landgericht Berlin die Einziehung von 58 Immobilien an. Issa Remmo selbst wurde nie rechtskräftig verurteilt.

Koçak hat die Chat-Vorwürfe bislang nicht öffentlich beantwortet. Das Gespräch, das Schwerdtner ankündigte, steht noch aus – und mit ihm die Antwort auf die Frage, ob die Linke ihren möglichen Koalitionspartnern die geforderte Klarheit vor einer Regierungsbildung liefern kann.