Linke holt 51 Prozent der Muslime – in Berlin führt die CDU bei Christen
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Wahlforschung

Linke holt 51 Prozent der Muslime – in Berlin führt die CDU bei Christen

In Berlin wählt mehr als die Hälfte der Muslime die Linke, unter Christen liegt die CDU vorn. Die Konfessionsauswertung der Forschungsgruppe Wahlen zeigt, wie stark Religion, Alter und Geschlecht das Wahlverhalten in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern prägen.

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51 Prozent der muslimischen Wähler in Berlin haben bei der am 20. September die Linke gewählt – doppelt so viel wie deren Gesamtergebnis von 25,7 Prozent. Unter katholischen Wählern kam die Partei auf 17 Prozent, unter evangelischen auf 16 Prozent. Diese Aufschlüsselung nach Religionszugehörigkeit liegt exklusiv der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vor und wurde am 21. September veröffentlicht. Grundlage sind Nachwahlbefragungen der Forschungsgruppe Wahlen am Wahlsonntag.

In Berlin wurde die Linke mit 25,7 Prozent erstmals stärkste Fraktion im Abgeordnetenhaus. Es folgen CDU (18,8), AfD (16,3), Grüne (14,3), SPD (12,1) und BSW (4,7 Prozent). Der Wahlsieg der Linken in Berlin speist sich laut den Konfessionszahlen vor allem aus Muslimen und Konfessionslosen. Bei christlichen Wählern liegt dagegen die CDU vorn.

Bei Muslimen holt die Linke 51 Prozent

Unter muslimischen Wählern erreichte die Linke 51 Prozent – ein Zugewinn von 36 Prozentpunkten gegenüber der vorherigen Wahl. Die AfD kam in dieser Gruppe auf lediglich 4 Prozent, ein Punkt weniger als zuvor. Die Konfessionszahlen aus Berlin und Mecklenburg-Vorpommern zeigen einen deutlichen Graben zwischen den Religionsgruppen.

Unter Katholiken blieb die Linke bei 17 Prozent, unter Protestanten bei 16 Prozent – jeweils neun Punkte mehr als zuvor. Bei den Konfessionslosen kam sie auf 28 Prozent. Die CDU holte 30 Prozent der katholischen und 27 Prozent der evangelischen Stimmen, deutlich mehr als ihre 18,8 Prozent insgesamt; auch die SPD schnitt unter Christen besser ab. CDU, SPD und Grüne verloren ungeachtet der Religionszugehörigkeit in allen Gruppen, am stärksten unter Muslimen.

Die Linke in Berlin nach Religionszugehörigkeit

Stimmenanteil der Linken bei der Abgeordnetenhauswahl 2026

Quelle: Forschungsgruppe Wahlen / KNA

In Mecklenburg-Vorpommern liegt die SPD bei Christen vor der AfD

In Mecklenburg-Vorpommern wurde die AfD mit 38,2 Prozent stärkste Kraft, die SPD folgte mit 35,5 Prozent, die Linke mit 6,5 und die Grünen mit 5,7 Prozent. Die CDU flog mit 4,9 Prozent erstmals in ihrer Geschichte aus einem Landesparlament, das BSW verpasste mit 4,8 Prozent den Einzug. Unter christlichen Wählern dreht sich die Reihenfolge: Dort kam die AfD konfessionsübergreifend nur auf 31 Prozent.

Die SPD erreichte bei evangelischen Wählern 40 Prozent und bei katholischen 33 Prozent. Die CDU, im Landtag nicht mehr vertreten, wurde von 14 Prozent der Katholiken und 10 Prozent der Protestanten gewählt – aber nur von 3 Prozent der Konfessionslosen. Beim BSW fiel der Unterschied klein, aber womöglich entscheidend aus: 5 Prozent der Konfessionslosen stimmten für die Partei, bei Katholiken und Protestanten waren es nur 4 Prozent.

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Junge Christen wählen links, Männer die AfD

In beiden Ländern verschiebt sich das Bild mit dem Alter. Christen ab 60 Jahren wählten überdurchschnittlich häufig CDU und SPD, jüngere christliche Wähler bis 34 Jahre neigten stärker zur Linken. In Berlin stimmte rund ein Drittel (33 Prozent) der jungen Christen für die Linke. Die AfD schnitt in dieser Altersgruppe bei Katholiken mit 17 Prozent besser ab als bei Protestanten mit 13 Prozent; ihre höchsten Werte erreichte sie in den mittleren Altersgruppen.

Auch das Geschlecht spielt eine Rolle: Christliche Frauen wählten häufiger Linke oder SPD, Männer häufiger die AfD. Am deutlichsten zeigt sich das in Mecklenburg-Vorpommern, wo 46 Prozent der evangelischen Frauen der SPD ihre Stimme gaben, die CDU bei ihnen aber nur auf 7 Prozent kam. In Berlin wählten 49 Prozent der 25- bis 34-Jährigen und 43 Prozent der 16- bis 24-Jährigen die Linke; Zehntausende frühere Nichtwähler konnten mobilisiert werden.

Das kennen wir eigentlich von der AfD: die Mobilisierung von Nichtwählern.
Marian Grunden, Redakteur bei WELT

So wurden die Wähler befragt

Die Zahlen beruhen auf Nachwahlbefragungen unmittelbar vor den Wahllokalen. In Berlin befragte die Forschungsgruppe Wahlen 17.460 Wähler, von denen 8.784 zusätzlich Angaben zur Konfession machten. In Mecklenburg-Vorpommern waren es rund 17.700 Befragte, davon 8.900 mit Konfessionsangabe. Dort gehören nur rund zwölf Prozent der Bevölkerung der evangelischen und etwa drei Prozent der katholischen Kirche an, wie die Auswertung des Wahlverhaltens der Gläubigen zeigt.

Für die Linke stehen die Zahlen in einem größeren Zusammenhang: Spitzenkandidatin Elif Eralp könnte bei einem entsprechenden Koalitionsergebnis erstmals Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden. Dann müsste sie die muslimischen und die jungen Wähler, die ihr zum Sieg verhalfen, auch in Regierungsverantwortung halten. Berlins Kirchen wollen die neue Landesregierung kritisch begleiten. Ob die CDU auf ihr starkes Ergebnis bei Christen eine Antwort findet, ist offen.