Macron hält neue russische Mobilmachung von 300.000 Mann für möglich
Bild: KI-generiert
Ukraine-Krieg

Macron hält neue russische Mobilmachung von 300.000 Mann für möglich

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hält eine neue russische Mobilmachung von rund 300.000 Mann für ein glaubwürdiges Szenario und schließt einen Sprengstoff-Drohnenanschlag auf französischem Boden nicht aus. Moskau bestreitet jede Verwicklung – und einen Bericht über eine CIA-Warnung weist Macron zurück.

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Emmanuel Macron hält eine neue russische Mobilmachung von rund 300.000 Mann für ein glaubwürdiges Szenario. Frankreichs Präsident schließt zugleich einen mit Sprengstoff beladenen Drohnenangriff auf französischem Boden nicht aus.

Gesagt hat er das am Donnerstagabend, dem 24. September 2026, in einem gemeinsamen Interview der Sender TF1 und France 2. Das Gespräch lief live aus dem Élysée-Palast und dauerte rund 40 Minuten; die Fragen stellten die France-2-Journalistin Caroline Roux und der TF1-Journalist Gilles Bouleau.

Macron stellt sich damit offen gegen Moskau. Der Kreml bestreitet jede Verwicklung in Sabotageakte in NATO-Ländern. Die NATO hatte unter ihrem Generalsekretär Mark Rutte erklärt, sie sei „bereit“ für die Abwehr hybrider Angriffe.

Moskau und die 300.000 Mann

„Das heute glaubwürdige Szenario, das häufig geteilt wird, ist eines mit rund 300.000 Mann“, sagte Macron. Wenige Tage nach der russischen Parlamentswahl (Duma) im September 2026 verdichteten sich laut Macron die Hinweise auf eine neue Mobilmachung. In Frankreich griff Le Figaros Bericht über die 300.000-Mann-Warnung den Satz auf.

„Es gibt mehrere Hinweise, die zeigen, dass Russland sich auf eine neue Mobilmachung vorbereitet, junge Männer holt, um sie in die Streitkräfte zu integrieren, um Krieg zu führen.“
Emmanuel Macron, Präsident der Französischen Republik

Macron deutet die Vorbereitungen als Signal Moskaus: Russland sei bereit, „noch größere Opfer zu bringen, um den gesamten Donbass einzunehmen“. Damit versuche der Kreml, seine Offensive im Osten der Ukraine zu verstärken.

Zur militärischen Lage sagte Macron, der Angriffskrieg habe Russland seit dem Einmarsch „1,2 Millionen“ getötete oder verwundete Männer gekostet. Moskau habe im Februar 2022 verkündet, in drei Wochen die Ukraine einzunehmen – „heute sind wir mehr als viereinhalb Jahre später, das ist nicht der Fall“.

Die ukrainische Gegenoffensive sei „bemerkenswert“ gewesen, seit dem Herbst 2022 sei die Front „beinahe stabilisiert“. Zum Vergleich: Im September 2022 ordnete Russland eine „Teilmobilmachung“ von rund 300.000 Reservisten an – 300.000 von damals etwa 140 Millionen Einwohnern. Berichte über Russlands Vorbereitung auf bis zu 300.000 zusätzliche Einberufungen gibt es seit Mitte September.

Drohnenangriffe: „Kann das passieren?“ – „Ja“

Der zweite Schwerpunkt des Interviews war die hybride Bedrohung gegen Europa. Macron hält es für möglich, dass Frankreich Ziel einer mit Sprengstoff beladenen Drohne wird – analog zu dem vereitelten Anschlag auf den Flughafen Leipzig/Halle Anfang August 2026.

„Aber wenn Sie mir die Frage stellen: ‚Kann das passieren?‘, ist meine Antwort: ja“, sagte der Präsident – der Welt-Bericht über Macrons Drohnen-Warnung zitiert ihn mit dieser Antwort. Zur Begründung sagte Macron, Russland betrachte Europa als die „strategische Tiefe der Ukraine“ und multipliziere feindselige und teils kriminelle Handlungen gegen europäische Staaten.

Zu Leipzig sagte Macron, hätte der Anschlag Erfolg gehabt, „hätte es Tote auf deutschem Boden gegeben“. Die Bundesregierung macht Russland für den Versuch verantwortlich; die Ermittler prüfen nach Medienberichten eine Beteiligung des russischen Militärgeheimdienstes GRU.

In Deutschland kündigte Bundeskanzler Friedrich Merz für die folgenden Tage eine offizielle Reaktion an – die harte Antwort auf die Sprengstoff-Drohne in Leipzig.

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Macron dementiert CIA-Bericht

Macron wies in dem Interview einen Bericht der spanischen Zeitung El Mundo zurück. Darin hieß es, der US-Geheimdienst CIA habe europäische Regierungen – konkret Paris, Madrid und Rom – vor möglichen Drohnenangriffen aus dem Mittelmeerraum gewarnt.

Russland wolle demnach von Handelsschiffen aus Gerbera-Drohnen auf Häfen, Flughäfen und Infrastruktur in Südeuropa starten. Macron erklärte dagegen, die CIA habe „die französischen Dienste nicht informiert“.

„Diese Information, wir können sie dementieren.“
Emmanuel Macron, Präsident der Französischen Republik, zur angeblichen CIA-Warnung vor Drohnenangriffen im Süden Frankreichs

Auch das italienische Verteidigungsministerium nannte die Meldung falsch. Der Kreml bestreitet jede Verwicklung in Sabotageakte in NATO-Ländern. Aus Paris und Berlin kommen dagegen weiter Warnungen vor russischen Anschlägen.

Von Leipzig bis zum Élysée-Palast

Die Warnungen fallen nicht aus heiterem Himmel. Macron hatte am 16. September 2026 den französischen Verteidigungsrat einberufen und zwei Tage später die Spitzen aller politischen Parteien sowie die Bewerber um die Präsidentschaftswahl 2027 in den Élysée-Palast geladen, um sie über vertrauliche Geheimdienstinformationen zu unterrichten.

Damals sagte er: „Die Art der russischen Aggression und der Drohungen in Europa verändert sich. Niemand ist sicher.“ Seine Regierung erhielt den Auftrag, einen Plan zum Schutz kritischer Infrastruktur und sensibler wehrtechnischer Standorte vor Drohnen- und Cyberangriffen auszuarbeiten.

Von der Teilmobilmachung 2022 bis zum Interview am 24. September 2026

  1. September 2022
    Russland ordnet Teilmobilmachung an

    Rund 300.000 Reservisten werden einberufen; zahlreiche wehrpflichtige Männer verlassen das Land.

  2. 4./5. August 2026
    Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt

    Die Drohne wird in der Nähe ukrainischer Frachtflugzeuge gefunden, der Anschlagsversuch vereitelt.

  3. 1. September 2026
    Bundesregierung macht Russland verantwortlich

    Berlin sieht Moskau hinter dem vereitelten Anschlag in Leipzig.

  4. 16. September 2026
    Macron beruft den Verteidigungsrat ein

    Paris reagiert auf die veränderte Bedrohungslage in Europa.

  5. 18. September 2026
    Parteispitzen und Präsidentschaftskandidaten im Élysée-Palast

    Macron unterrichtet sie über vertrauliche Geheimdienstinformationen: „Niemand ist sicher.“

  6. 24. September 2026
    Interview auf TF1 und France 2

    Macron nennt eine neue Mobilmachung von 300.000 Mann glaubwürdig und hält einen Drohnenanschlag wie in Leipzig in Frankreich für möglich.

Schutzplan und Wahltermin

Dieser Schutzplan liegt bislang nicht vor. Macron machte im Interview zudem klar, dass er die Nationalversammlung bei einer Haushaltsblockade nicht erneut auflösen will: „Das wäre nicht gut für das Land, acht Monate vor der Präsidentschaftswahl.“

Weitere Themen des Gesprächs waren die französische Kraftstoffpreis-Krise – Macron setzt auf Diplomatie, schließt Steuersenkungen auf Sprit aber nicht aus und nennt entsprechende Vorstöße des RN „budgetäre Demagogie“ – sowie die Entsendung von Militärmitteln zum Schutz des saudischen Standorts Yanbu am Roten Meer.

Offen bleibt, ob Moskau tatsächlich in großem Stil einberuft und wie Paris und Berlin auf eine neue Mobilmachung reagieren würden. Frankreichs Regierung muss den angekündigten Schutzplan für kritische Infrastruktur vorlegen – ein Datum dafür hat sie nicht genannt.