Ein Barrel Rohöl der Sorte Brent kostete am Freitagmorgen 105,72 US-Dollar – mehr als 70 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. Seit rund sieben Monaten ist die Straße von Hormus weitgehend blockiert. Durch die Meerenge zwischen Iran und Oman fließen normalerweise etwa 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls und Flüssiggases.
Am Rande der UN-Generalversammlung in New York legte Irans Außenminister Abbas Araghtschi den USA einen Plan vor: Die Meerenge könnte binnen sieben Tagen wieder geöffnet und der normale Schiffsverkehr wiederhergestellt werden – sofern Washington zuvor die Bedingungen Teherans erfüllt. Nach Angaben eines hochrangigen iranischen Beamten ging der Vorschlag zur Öffnung der Meerenge in sieben Tagen den USA bereits am 16. September über Vermittler zu.
Am Freitagabend berichtete das Wall Street Journal unter Berufung auf US-Regierungskreise, Trump habe den Vorschlag abgelehnt. Seinen Beratern soll er gesagt haben, er rechne nach den US-Zwischenwahlen am 3. November mit einer Wiederaufnahme der Bombardements. Ein US-Beamter hatte zuvor erklärt, man habe es nicht eilig.
Was Teheran für die Öffnung verlangt
Teheran verlangt die sofortige Aufhebung der US-Seeblockade vor der iranischen Küste, die Auszahlung aller eingefrorenen Vermögenswerte, den Verzicht auf Sanktionen gegen iranische Ölverkäufe und ein Ende des Kriegs an allen Fronten – einschließlich des Libanon. Auf welche Bedingungen er sich konkret bezieht, ließ Araghtschi zunächst offen.
„Wenn die notwendigen Bedingungen erfüllt sind, kann die Meerenge wieder geöffnet und der normale Schiffsverkehr innerhalb von sieben Tagen wiederhergestellt werden. Die Entscheidung liegt nun bei den Vereinigten Staaten.“
Am Freitag ergänzte der Außenminister, der Plan könne sofort nach einer Zustimmung Washingtons umgesetzt werden: „Wenn auf US-Seite der Ernst da ist, zu einer Einigung zu kommen und die Straße von Hormus wieder zu öffnen, ist jetzt alles vorbereitet." Araghtschi verwies auf die im Juni vereinbarte Absichtserklärung, die unter fortdauernden Spannungen rasch in sich zusammengebrochen war.
Der Generalsekretär des iranischen Sicherheitsrats, Mohsen Resai, sagte der Agentur IRNA, es seien sieben Bedingungen übermittelt worden. Solange diese nicht erfüllt seien, „wird die Straße von Hormus nicht geöffnet und wir werden nicht verhandeln".
Gespräche über Vermittler, Angriffe vor Kameras
Am Dienstag (22. September) kamen Vertreter beider Seiten erstmals seit Monaten wieder zusammen – nach Angaben von Präsident Trump „sehr gut" und drei Stunden lang. Auf US-Seite nahmen Trumps Unterhändler Steve Witkoff und sein Schwiegersohn Jared Kushner teil. Vermittelt wurde über Katar, nach Angaben der New York Times auch über Pakistan; nach Darstellung von Reuters ging es auch um ein stufenweises Vorgehen zur Öffnung der Meerenge und die Aufhebung der US-Blockade.
Vor der Vollversammlung griffen sich Trump und Irans Präsident Massud Peseschkian scharf an. Trump drohte, der Iran habe die Wahl zwischen „Größe„ und „Auslöschung“; Peseschkian warf den USA „Terrorismus„ vor und erklärte, sein Land sei Opfer von Terrorismus. Das Weiße Haus bestätigte die Kontakte nur vage: „Wir führen über die Vermittler positive und konstruktive Gespräche.“ Direkte Verhandlungen finden offiziell weiterhin nicht statt.
In Teheran regt sich Widerstand gegen den Kurs der Reformer. Der erzkonservative Abgeordnete Ebrahim Rezaei nannte schon das Treffen mit dem „Aggressor-Feind„ einen Ausdruck von Schwäche; das Expertengremium, das den Obersten Führer bestellt, erklärte, es gebe „keinen anderen Weg als den Widerstand“. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Qalibaf räumte eine innere Spaltung ein: Eine Strömung rede vom Krieg, ohne einen Ausweg zu bieten, die andere unterschätze die eigenen Fähigkeiten.
Vom Kriegsbeginn zum Sieben-Tage-Plan
- 28. Februar 2026Kriegsbeginn
USA und Israel greifen den Iran an; die Straße von Hormus wird für den Schiffsverkehr weitgehend blockiert.
- Juni 2026Rahmenabkommen
Iran und USA einigen sich auf ein Memorandum of Understanding mit 60-tägiger Übergangsphase und Öffnung der Meerenge.
- Juli 2026Abkommen bricht zusammen
Der Iran nimmt Angriffe auf die Schifffahrt in der Meerenge wieder auf.
- 16. September 2026Sieben-Tage-Plan übermittelt
Iran übergibt den USA über Vermittler den Plan zur Öffnung der Meerenge; laut Kyodo gebilligt von Oberstem Führer Khamenei und Nationalem Sicherheitsrat.
- 22. September 2026Erste Gespräche seit Monaten
USA und Iran verhandeln in New York indirekt über Vermittler, unter anderem über einen stufenweisen Deal.
- 25. September 2026Trump sagt Nein
Das Wall Street Journal berichtet, Trump habe den Vorschlag abgelehnt und rechne mit neuen Angriffen nach den Midterms.
Zwei Hebel, kein Ausweg
Washington kontrolliert mit Seeblockade und Sanktionen den Hebel, der Teheran am stärksten trifft. Teheran kontrolliert den Zugang zum wichtigsten Energie-Nadelöhr der Welt. Keine Seite will ihren Hebel aufgeben, ohne dafür etwas Handfestes zu bekommen – deshalb stocken die Verhandlungen.
Auf Ablehnung stieß in Teheran bereits Trumps Plan, die Meerenge zum US-Territorium zu machen.
Die USA bauten den Druck zuletzt weiter aus: Das Finanzministerium belegte die verbliebenen iranischen Fluggesellschaften mit Sanktionen, Finanzminister Scott Bessent drohte Drittstaaten mit dem Ausschluss aus dem Dollar-System, wenn sie iranische Airlines mit Treibstoff, Landerechten oder Tickets versorgen. Die Emirate untersagten Irans größter Staatsbank Bank Melli weitgehend die Geschäfte; das US-Militär meldete, im Rahmen der Blockade 110 Handelsschiffe umgeleitet zu haben.
Nach den Sanktionen gegen den Flugsektor drohte Teheran den Nachbarstaaten:
„Entweder ist das Fliegen in der Region für alle frei oder für niemanden.“
Trumps Kalender vor den Midterms
Für Trump wird der Konflikt wenige Wochen vor den US-Parlamentswahlen am 3. November zur Hypothek. Der Dieselpreis erreichte in den USA ein Rekordhoch, die Regierung prüft einen Exportstopp für Diesel. Laut einer Ipsos-Erhebung sanken Trumps Zustimmungswerte auf 32 Prozent – nach 35 Prozent in der Vorwoche der tiefste Stand seiner politischen Karriere.
Der frühere US-Unterhändler Dennis Ross hält vor der Wahl nur eine 30-Prozent-Chance auf eine Einigung für realistisch. Beide Seiten hätten vor der Wahl aber stärkere Gründe für einen Deal als danach. „Die Blockade ist das, was die Iraner wirklich stranguliert", sagt Ross. Eine Öffnung der Meerenge würde den Ölpreis und damit die politisch heiklen US-Benzinpreise senken.
Der Iran wiederum hofft nach Einschätzung von Trita Parsi vom Quincy Institute, dass ein schnelles Abkommen Trump vor der Wahl hilft, und schlägt daraus Kapital: „Wenn Trump zu dem Schluss kommt, dass diese Regelung sich lohnt, vor den Midterms politischen Nutzen bringt und die Benzinpreise senkt, sehen wir vielleicht eine Flexibilität, die es in den vergangenen Wochen nicht gab.
Am Ölmarkt würde eine glaubwürdige Vereinbarung den Brent-Preis nach Einschätzung von Bloomberg relativ schnell unter 100 Dollar drücken; weitere Export- oder Logistikprobleme brächten 120 Dollar in Reichweite. Schon im Juli war Brent über die 100-Dollar-Marke gestiegen, Warnungen vor 150 Dollar pro Barrel folgten.
Was der Ölpreis in Deutschland kostet
Der Ölpreis schlägt unmittelbar auf Deutschland durch: Die schwarz-rote Koalition beschloss am Freitag im Bundestag im Eilverfahren einen neuen Tankrabatt. Vom 1. Oktober bis 31. Dezember sinkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14,04 Cent je Liter; mit der wegfallenden Mehrwertsteuer ergibt sich eine rechnerische Entlastung von rund 17 Cent. Der Bund verliert dadurch rund 2,485 Milliarden Euro.
Wirtschaftsexperten zweifeln allerdings, dass die Senkung in vollem Umfang an der Zapfsäule ankommt. Ob sie überhaupt wirkt, hängt an der Antwort aus Washington: Teheran wartete am Samstag auf eine offizielle Reaktion der US-Regierung.
Zugleich hält der Iran an seiner Position fest, beim Atomprogramm keine Zugeständnisse zu machen – weder beim Anreichern noch beim Abtransport des hochangereicherten Urans. Präsident Peseschkian hatte zuvor im Interview mit Fox News erklärt, sein Land sei zur Herausgabe des hochangereicherten Urans grundsätzlich bereit. Ob Washington offiziell antwortet und ob Teheran beim Uran nachgibt, entscheidet, wie schnell Öl und Sprit in Deutschland wieder billiger werden.
