Wohngeld erreicht mit 1,3 Millionen Haushalten neuen Höchststand
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Sozialstaat

Wohngeld erreicht mit 1,3 Millionen Haushalten neuen Höchststand

So viele Haushalte wie nie beziehen Wohngeld: rund 1,3 Millionen, die Ausgaben steigen auf fast fünf Milliarden Euro. Am selben Tag, an dem Destatis den Rekord meldet, leitet der Bundesrat das Verfahren für Kürzungen ein, die ein Drittel der Empfänger treffen sollen.

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Rund 1,3 Millionen Haushalte in Deutschland beziehen Wohngeld – so viele wie nie seit Beginn der Statistik im Jahr 2005. Ausgerechnet jetzt will die Bundesregierung die Leistung kürzen: Nach Angaben von Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) wäre etwa ein Drittel der heutigen Empfänger betroffen.

Das Statistische Bundesamt meldete den Höchststand am 25. September 2026 in seiner Pressemitteilung Nr. 339 zum Wohngeld. Gegenüber dem Jahresende 2024 sind das 7,2 Prozent oder rund 90.000 Haushalte mehr; der Anteil an allen privaten Haushalten stieg von 3,0 auf 3,2 Prozent. Die Ausgaben wuchsen laut Bundesbauministerium von 4.689 auf 4.992 Millionen Euro (+6,4 Prozent) – auch das ein Höchstwert seit 2005.

Wohngeldausgaben steigen auf fast fünf Milliarden Euro

Ausgaben für Wohngeld in Millionen Euro je Jahr

Quelle: Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen

Wer die Leistung bezieht

Rentnerinnen, Rentner und Pensionäre stellten in 51 Prozent der Wohngeldhaushalte (682.000) die Haupteinkommensperson – 85 Prozent von ihnen, 581.000 Menschen, lebten allein. In 39 Prozent der Haushalte (519.000) lebten Kinder unter 25 Jahren. Damit sind es vor allem alte und junge Haushalte, die die Leistung tragen.

Nach Wohnform waren 82 Prozent der Empfänger (1,1 Millionen) Hauptmieter, 10 Prozent (131.000) lebten in Heimen und 7 Prozent (92.000) bezogen als Eigentümer den Lastenzuschuss. Diese beiden Unterwerte musste Destatis nachträglich korrigieren: Ursprünglich nannte die Behörde 132.000 Heimbewohner und 91.000 Lastenzuschuss-Empfänger, die Kernaussage blieb unverändert.

Der Bund will Milliarden einsparen

Der Gesetzentwurf von Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) halbiert die 2023 eingeführten Heizkostenzuschüsse, setzt die für 2027 geplante Erhöhung aus und rechnet künftig mehr Einkommen an. Hubertz' geplante Kürzung beim Wohngeld soll 2027 rund 1,5 Milliarden Euro einsparen, ab 2028 zwei Milliarden Euro jährlich.

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Bundesrat leitet Verfahren ein

Am 25. September 2026, dem Tag der Statistikmeldung, befasste sich der Bundesrat mit dem Kabinettsbeschluss zur Milliarden-Kürzung beim Wohngeld. Der federführende Wohnungsausschuss hatte Ablehnung empfohlen, ebenso Bauministerkonferenz und Sozialausschuss; nur der nicht federführende Finanzausschuss stützte die Kürzungen.

Die Ausschüsse hielten die Einsparungen laut FAZ-Analyse zu den gestiegenen Wohngeldausgaben für „grundsätzlich nachvollziehbar“, die Folgen für die Betroffenen aber für „unverhältnismäßig“: 380.000 Haushalte würden aus dem Bezug fallen und in wirtschaftliche Not geraten. Das Plenum folgte der Ablehnung nicht, gab grünes Licht für das Verfahren und forderte Nachbesserungen, etwa eine volle Entschädigung der Kommunen.

Widerstand von Verbänden und Opposition

Der Sozialverband VdK warnt, die Kürzungen träfen vor allem arme Menschen. Präsidentin Verena Bentele verweist auf eine eigene repräsentative YouGov-Umfrage und darauf, dass das Bundesbauministerium selbst mit rund 164.000 zusätzlichen Haushalten in der Grundsicherung im Jahr 2029 und Mehrkosten von über 700 Millionen Euro rechnet.

„Die Reform des Wohngelds trifft vor allem arme Menschen in der Gesellschaft. Altersarmut und Wohnungsnot lassen sich nicht durch Kürzungen verhindern.“
Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK

Das NRW-Bündnis „Wir wollen wohnen!“ rechnet mit rund 350.000 betroffenen Haushalten in Nordrhein-Westfalen und kritisiert, ein Teil der Einsparung gehe zulasten der ohnehin überschuldeten Kommunen. Die Grünen-Politikerin Mayra Vriesema nennt die Kürzung „sozialpolitischen Unsinn mit Ansage“ und verweist auf den 2,5 Milliarden Euro teuren Tankrabatt. Der DGB rief für den 26. September zu Protesten in 15 Städten auf.

Der Bundestag entscheidet als Nächstes

Die Zahl der Sozialwohnungen sinkt weiter: 2025 wurden laut Bundesregierung 27.283 gebaut, während 57.621 Einheiten aus der Sozialbindung fielen. Die Kürzungen gelten der FAZ zufolge als Zwischenschritt zu einer größeren Sozialstaatsreform, in der Wohngeld, Kinderzuschlag und Grundsicherung ab 2028 in einem einheitlichen Leistungssystem aufgehen sollen. Nun befasst sich erneut der Bundestag mit dem Vorhaben – dort entscheidet sich, ob die Kürzungen kommen.