Rheinpegel Köln fällt auf 40 Zentimeter – neuer Rekordtiefstand
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Niedrigwasser

Rheinpegel Köln fällt auf 40 Zentimeter – neuer Rekordtiefstand

Mit 40 Zentimetern erreicht der Kölner Rheinpegel einen historischen Tiefststand – und die Frachtschifffahrt kann kaum noch laden. Für den Mittelrhein spricht die Branche von einem Nadelöhr, in dem nur noch vereinzelt Güterschiffe fahren.

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Der Rhein in Köln ist so niedrig wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Am Montagmorgen, dem 28. September 2026, sank der Kölner Pegel um 5 Uhr auf 40 Zentimeter – der neue historische Tiefststand. Die Behörden-Plattform Elwis wies um diese Zeit nur noch diesen Wert aus.

Der Rückgang kam rasant. Am 21. September stand der Pegel noch bei 60 Zentimetern, danach ging es nahezu kontinuierlich abwärts. Am 26. September wurden mehrfach 44 Zentimeter gemessen; in der Nacht zu Sonntag fiel mit 43 Zentimetern erstmals der Rekordwert aus der ersten Augusthälfte.

Für die Binnenschifffahrt ist der Wert eine Zäsur. Markus Neumann, Außenbezirksleiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein in Köln, sagte am Montag:

„Mit 40 Zentimetern haben wir einen Niedrigwasser-Rekord.“
Markus Neumann, Außenbezirksleiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein in Köln

Der Pegel ist nicht die Wassertiefe

Der Pegelwert sagt nichts über die Tiefe der Fahrrinne. In Köln liegt die Fahrrinne rund 1,11 Meter tiefer als der Pegelstand am Ufer – so weist es der WDR-Bericht zum historischen Tiefststand in Köln unter Berufung auf das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt aus. Frachter können damit noch fahren, aber nur mit deutlich reduzierter Ladung.

Nach Neumanns Schilderung hat die Schifffahrt ganz stark abgenommen; die Fahrt lohne sich kaum noch, und an den Eichmarken der Schiffe sei zu erkennen, dass fast alle noch fahrenden Schiffe bei Köln leer unterwegs seien.

Am Mittelrhein zwischen St. Goar und Mainz, dem Nadelöhr der Rheinschifffahrt, sind laut Fabian Spieß vom Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt nur noch vereinzelt Güterschiffe unterwegs. Der stellvertretende BDB-Geschäftsführer sagte:

„Die Schifffahrt steht ihren Kunden als Dienstleister weiterhin zur Verfügung; es kann jedoch nur mit deutlich weniger Ladung gefahren werden.“
Fabian Spieß, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt

Ob eine Fahrt noch sicher möglich ist, entscheidet nach seinen Worten die Schiffsführung.

Erst 37 Zentimeter, dann leichte Entspannung

Eine schnelle Besserung zeichnet sich nicht ab. Die Elwis-Prognose erwartete für Montag zwischen 9 und 11 Uhr nur noch 37 Zentimeter – die neue Prognose zum sinkenden Kölner Rheinpegel. Danach sollte sich die Entwicklung langsam umkehren: 38 Zentimeter am Nachmittag, 39 am Abend, gegen 21 Uhr wieder 40 Zentimeter und ein leichter Anstieg bis Dienstagvormittag, den 29. September.

Der WDR berichtete unter Berufung auf die Behördenprognose sogar, der Pegel könnte im Laufe der Woche auf nur 36 Zentimeter fallen. Alle genannten Werte sind Prognosen und können von den tatsächlich gemessenen Ständen abweichen.

Der Kölner Rheinpegel im September 2026

Gemessene Werte in Zentimetern

Quelle: Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein / Elwis

Auf mittlere Sicht rechnet die Wasserwirtschaft mit Erholung: Bundesanstalt für Gewässerkunde und Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung erwarten steigende Pegel – in Köln bis Freitag, den 2. Oktober, in Kaub ab Samstag, dem 3. Oktober.

Die BfG hatte am Freitag allerdings mitgeteilt, eine nachhaltige Entspannung der Niedrigwassersituation sei weiterhin nicht in Sicht. Die für die erste Oktoberwoche angesagten Niederschläge könnten nur vorübergehend etwas Entlastung bringen.

Fähre gestoppt, Schiff auf Grund – Lkw fahren weiter

Auch der Personen- und Ausflugsverkehr leidet. Die Fähre Weiß-Zündorf stellte wegen des Niedrigwassers bereits am Freitag, dem 25. September, erneut ihren Betrieb ein. Die Köln-Düsseldorfer Rheinschifffahrt wies auf mögliche Verspätungen und auf sehr steile Landbrücken hin, die den Ein- und Ausstieg erschweren.

Am Samstag, dem 26. September, lief das Luxus-Hotelschiff MS „Dutch Melody“ nahe der Deutzer Brücke in der Kölner Fahrrinne auf Grund und musste von einem anderen Schiff wieder freigezogen werden. Im Rhein bei Hersel zwischen Köln und Bonn musste am selben Tag eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg kontrolliert gesprengt werden.

Der Straßenverkehr bekommt dagegen Luft. Wegen des extremen Niedrigwassers bleibt das Sonntags-Fahrverbot für Lastwagen in NRW nach Angaben des Landesverkehrsministeriums bis Mittwoch, den 30. September, ausgesetzt. Normalerweise dürfen Lkw über 7,5 Tonnen an Sonn- und Feiertagen nur in Ausnahmen fahren.

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Deutlich schlechter als 2018

Der bisherige historische Tiefststand in Köln stammte aus dem Jahr 2018 und lag bei 69 Zentimetern. Dieser Wert war bereits in diesem Sommer mehrfach deutlich unterboten worden. Schon Mitte August war der Rhein bei Kaub auf sechs Zentimeter gefallen; die Schifffahrt kam damals praktisch zum Erliegen.

Für Thomas Puls vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln ist die Lage vor Ort schlechter als im August. Der Rhein sei mit Ausnahme weniger Spezialschiffe „defacto erneut zweigeteilt“, sagte er: Mittel- und Oberrhein samt Zuflüssen seien von den Häfen in Duisburg und Rotterdam abgeschnitten.

Betroffen sind laut Puls vor allem feste und flüssige Massengüter, die kaum auf die Schiene und praktisch gar nicht auf die Straße ausweichen könnten. Besonders spürbar sei das für Raffinerien, Chemieindustrie und Stahlwerke. Das BASF-Werk in Ludwigshafen bezieht etwa die Hälfte seiner Vorprodukte per Binnenschiff.

Der Pegel Kaub unterschritt am 26. und 27. September zeitweise den Nullpunkt und erreichte damit einen historischen Tiefstand; auch dort ist der Pegelwert nicht mit der Tiefe der Fahrrinne identisch. In Bonn wurden am Wochenende 60 Zentimeter gemessen.

Im Spätsommer und Herbst führt der Rhein häufig Niedrigwasser; das Ausmaß ist diesmal besonders groß, weil es über Wochen kaum geregnet hat und ein schneearmer Alpenwinter wenig Schmelzwasser lieferte. Schon Mitte August gab es Warnung vor einer Dürre bis in den Oktober.

Vom Rekord 2018 bis zum 40-Zentimeter-Stand

  1. Oktober 2018
    Bisheriger Tiefststand

    Der Kölner Rheinpegel erreicht mit 69 Zentimetern seinen bis dahin historischen Tiefststand.

  2. 17. bis 18. August 2026
    Erster Rekord des Sommers

    In Köln werden mehrfach 44 Zentimeter gemessen – nach Angaben von t-online 45 Zentimeter. Die Frachtschifffahrt bricht ein.

  3. 21. September 2026
    Noch 60 Zentimeter

    Der Kölner Pegel liegt bei 60 Zentimetern. Danach geht es nahezu kontinuierlich abwärts.

  4. 25. September 2026
    Fähre stellt Betrieb ein

    Die Fähre Weiß-Zündorf bleibt wegen des Niedrigwassers am Ufer. Ein Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein nennt die Lage weiterhin angespannt.

  5. 26. September 2026
    Kaub fällt unter Null

    In Köln werden mehrfach 44 Zentimeter gemessen, der Pegel Kaub unterschreitet zeitweise den Nullpunkt. Die MS „Dutch Melody“ läuft nahe der Deutzer Brücke auf Grund, bei Hersel wird eine Weltkriegsbombe gesprengt.

  6. 27. September 2026
    43 Zentimeter in der Nacht

    In der Nacht zu Sonntag sinkt der Kölner Pegel auf 43 Zentimeter und unterbietet damit erstmals den August-Wert.

  7. 28. September 2026
    40 Zentimeter – neuer Rekord

    Um 5 Uhr steht der Kölner Pegel bei 40 Zentimetern, dem neuen historischen Tiefststand. Für den Vormittag werden 37 Zentimeter prognostiziert.