Jørgensen empfiehlt den 27 EU-Staaten ein Verbot von Heizpilzen
EU-Energiekommissar Dan Jørgensen bittet die 27 Energieminister, Heizpilze zu verbieten, nachts unnötige Beleuchtung abzuschalten und öffentliche Gebäude kühler zu halten. Verbindlich ist nichts – die Entscheidung liegt bei den Hauptstädten, in Deutschland regt sich Widerspruch.
Ein Brief aus Brüssel trifft Gastronomie, Kommunen und Haushalte mitten in der Vorbereitung auf den Winter. EU-Energiekommissar Dan Jørgensen bittet die 27 Energieminister, Außenheizungen zu verbieten, nachts unnötige öffentliche Beleuchtung abzuschalten und die Temperaturen in öffentlichen Gebäuden zu senken. Das Schreiben ist auf den 25. September datiert – adressiert auch an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche.
Anlass ist die Preiskrise an den Gasmärkten infolge des Iran-Kriegs. Verbindlich ist nichts: Die Kommission macht ausdrücklich keine Vorgaben, jedes Land entscheidet selbst – darin liegt der Konflikt. Reuters-Bericht zum EU-Schreiben von dem Schreiben. Jørgensen beschreibt die Lage darin so:
„Wir stehen vor einer Preiskrise, die mit einer Versorgungskrise verbunden ist.“
Dan Jørgensen, EU-Energiekommissar
Speicher leer, Preis 40 Euro über dem Vorkriegswert
Der niederländische Großhandelspreis TTF für Erdgas liegt bei rund 72 Euro je Megawattstunde – etwa 40 Euro über dem Wert vor dem Angriff der USA und Israels auf Iran am 28. Februar 2026. Analysten halten im Winter Ausschläge über 100 Euro für möglich. Ursache ist die faktische Schließung der Straße von Hormus: Nur noch 15 bis 25 Prozent der früheren LNG-Mengen passieren die Meerenge. Katar verlängerte Mitte September seinen Force-Majeure-Status für Lieferungen um einen Monat.
Die Speicher sind deshalb so leer wie selten. Die EU-Gasspeicher sind nur zu 68 bis 70 Prozent gefüllt, rund zwölf Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor. Deutschland lag am 13. September bei 55,6 Prozent, Lettland bei 47,1 Prozent, die Niederlande bei 52,1 Prozent. Analyse zu den EU-Gasspeichern, ist damit offen.
Gasspeicher-Füllstände Mitte September 2026
Länderwerte vom 13. September 2026; der EU-Schnitt liegt laut Kommission zwischen 68 und 70 Prozent
Quelle: Branchendaten vom 13. September 2026; EU-Kommission
Das bittet der Kommissar die Hauptstädte
Der Brief listet Werkzeuge auf, die die EU aus der Energiekrise 2022 kennt – ohne Verpflichtung. Jørgensen bittet die Hauptstädte, Maßnahmen zu ergreifen oder fortzuführen, die die Einspeicherung stützen oder den Gas- und Stromverbrauch so lange wie nötig senken.
Verbrauch in den Spitzenstunden senken
Lasten über intelligente Zähler und flexible Tarife verschieben
Temperaturgrenzen in öffentlichen Gebäuden setzen
Außenheizungen einschränken oder verbieten
Nicht benötigte öffentliche Beleuchtung abschalten
Speicherziel von 90 auf 80 Prozent senken, um Panikkäufe zu vermeiden
Freiwilligkeit ist der Kern des Ansatzes: „Freiwillige und gut geplante Nachfragereduktionen haben sich während der Energiekrise 2022 bewährt, und wir können die Lehren aus dieser Erfahrung in der aktuellen Lage nutzen“, schreibt Jørgensen. Das reguläre Füllziel von 90 Prozent soll nur mit 80 Prozent angesteuert werden. Für spätere Verschärfungen verweist er auf die nationalen Notfallpläne – mit unterbrechbaren Lieferverträgen und dem Wechsel von Kraftwerken weg vom Gas.
Kritik: Heizpilze laufen nicht mit Erdgas
In Deutschland hängt sich die Debatte an den Heizpilzen auf. Die „Junge Freiheit“ fasst die Passage als Heizpilz-Verbot zusammen und zitiert Leserkommentare, die von Mangelwirtschaft und behördlicher Gängelei sprechen. Bei NIUS und in Kommentaren auf X hieß es dagegen technisch: Heizpilze laufen mit Propan und Butan aus der Raffinerie, nicht mit Erdgas – die LNG-Knappheit treffe sie deshalb nicht. Ein beschlossenes EU-weites Verbot gibt es nicht, und die Kommission könnte es auch nicht durchsetzen.
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Berlin setzt auf Rabatt und mehr Speicherung
Während Brüssel zum Sparen aufruft, handelte Berlin im Eilverfahren. Zum 1. Oktober 2026 sinkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14,04 Cent je Liter, mit Mehrwertsteuer rund 17 Cent. Das Tankrabatt von Bund und Ländern von Bund und Ländern läuft bis zum Jahresende.
Katherina Reiche setzt parallel auf höhere Einspeicherung. Mit dem bundeseigenen Importeur SEFE und dem Energiekonzern Uniper wurden auf Drängen des Ministeriums höhere Speicherkäufe vereinbart; SEFE betonte, es handle sich um eine eigenständige kommerzielle Entscheidung. Eine Gasmangellage hat das Ministerium bislang nicht festgestellt. Die deutschen Speicherstände bleiben unter dem EU-Schnitt – mit Reiches Pläne für mehr Gasspeicherung soll mehr Gas eingekauft werden.
Am 29. September beraten die Energieminister bei einem informellen Energierat in Irland über die Preiskrise, Gastgeber ist die irische EU-Ratspräsidentschaft. Jørgensen traf den irischen Energieminister Darragh O'Brien bereits am 28. September und sprach von einem „hervorragenden Treffen“ vor dem Rat. Ob ein Land dem Heizpilz-Verbot folgt, entscheidet es selbst – die Sitzung wird zeigen, wie weit die 27 gemeinsam gehen wollen.