Robin Wood seilt sich an CDU-Zentrale in Berlin ab
Aktivisten von Robin Wood seilen sich an der CDU-Bundeszentrale in Berlin-Mitte ab. Ihr Banner verdeckt ausgerechnet das Porträt von Spitzenkandidat Stefan Evers – zehn Menschen werden vorübergehend festgenommen.
Klimaaktivistinnen und Aktivisten der Umweltorganisation Robin Wood sind am Mittwochmorgen auf das Dach des Konrad-Adenauer-Hauses in Berlin-Mitte gestiegen und haben sich an der Fassade der CDU-Bundeszentrale abgeseilt. Ihr rotes Banner verdeckte genau das Porträt von Stefan Evers, dem Berliner CDU-Spitzenkandidaten und bisherigen Finanzsenator.
Auf dem Transparent steht: „Klare Kante gegen rechts – Sozialabbau beenden, Klimakrise bekämpfen!“ In ihrer Pressemitteilung zur beflaggten CDU-Zentrale schreibt die Gruppe, damit wehe auf dem Dach der Bundeszentrale eine „neue Flagge“. Die Polizei war seit 7 Uhr mit rund 30 Kräften an der Klingelhöferstraße im Einsatz, darunter Höhenretter.
Zehn Festnahmen und ein Drohnenpilot
Die Polizei nahm nach eigenen Angaben zehn Menschen vorübergehend fest, notierte ihre Personalien und stellte die mitgeführte Kletterausrüstung sicher. Gegen die Beteiligten leitete sie mehrere Strafverfahren ein, unter anderem wegen Hausfriedensbruchs und wegen Verstößen gegen das Versammlungsfreiheitsgesetz.
Zusätzlich ermittelt die Polizei gegen einen Drohnenpiloten; geprüft wird ein möglicher Verstoß gegen das Luftverkehrsrecht. Wie die Gruppe beim Erklettern des Gebäudes vorging, schilderte Polizeisprecher Florian Nath in einer Schilderung des Einsatzes an der CDU-Zentrale.
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Robin Wood greift Ministerin Reiche an
In einer Erklärung, die vor Ort verteilt wurde, heißt es, man protestiere gegen die Politik der CDU-geführten Bundesregierung. Sie lasse „Klimaschutz hinten runterfallen“ und habe „keine Konzepte, um den Aufstieg der rechtsextremen AfD zu stoppen“. Im August hatte Claudia Roths Vorwurf an die Berliner CDU gelautet, die Partei mache sich zum Steigbügelhalter rechter Hetze.
Konkreter Adressat der Kritik ist Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Sie treibe neue Gaskraftwerke voran, obwohl Gas die Klimakrise verschärfe, die Importabhängigkeit verfestige und teuer sei. Die in diesem Jahr von der Bundesnetzagentur neu ausgeschriebenen Anlagen würden bis 2045 bis zu 125 Millionen Tonnen Treibhausgase verursachen; die Subventionskosten sollten über eine Umlage auf den Strompreis aufgeschlagen werden. Robin-Wood-Aktivistin Hanni Probst fordert:
„Mieter*innen dürfen nicht auf den Kosten der fossilen Krise sitzen bleiben! Eine Politik, die der AfD den Boden entzieht, muss Menschenrechte über Profite stellen, klimafreundliches Verhalten belohnen und den Alltag aller Menschen spürbar verbessern.“
Hanni Probst, Robin-Wood-Aktivistin
Nach zwei Wahlniederlagen der CDU
Der Protest fällt in die Tage nach schweren Wahlniederlagen der CDU. Bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 verlor die Partei im Umfragevergleich rund 9,4 Prozentpunkte, stärkste Kraft wurde die Linke. Spitzenkandidat war Stefan Evers, der erst Mitte Juli als Nachfolgekandidat angetreten war, nachdem der Regierende Bürgermeister Kai Wegner auf eine Spitzenkandidatur verzichtet hatte.
In Mecklenburg-Vorpommern kam die CDU bei der Landtagswahl auf 4,9 Prozent und verpasste den Einzug in den Landtag. Dort hatte die AfD kurz vor der Wahl mit einem Wahlkampfabschluss in Bad Doberan auf sich aufmerksam gemacht.
Robin Wood verbindet den Protest mit einer eigenen Erklärung: Soziale Gerechtigkeit sei das beste Mittel, um den weiteren Aufstieg von Rechtsaußen zu stoppen, heißt es in einem Forderungspapier der Gruppe. Klimapolitische und soziale Maßnahmen müssten dafür zusammenwirken.
Von Evers' Kandidatur bis zum Protest an der Parteizentrale
Mitte Juli 2026
Evers wird Spitzenkandidat der Berliner CDU
Nachdem Regierender Bürgermeister Kai Wegner rund zwei Monate vor der Wahl auf eine Spitzenkandidatur verzichtet hat, tritt Finanzsenator Stefan Evers für die CDU an.
20. September 2026
Berliner Abgeordnetenhauswahl
Die CDU verliert deutlich, in Umfragevergleichen rund 9,4 Prozentpunkte; die Linke wird stärkste Kraft.
20. September 2026
Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern
Die CDU kommt auf 4,9 Prozent und verpasst den Einzug in den Landtag.
23. September 2026
Kletterprotest an der CDU-Bundeszentrale
Robin-Wood-Aktivisten seilen sich an der Fassade des Konrad-Adenauer-Hauses ab; zehn Menschen werden vorübergehend festgenommen.
Keine Reaktion von CDU und Evers
Eine öffentliche Stellungnahme der CDU oder von Stefan Evers zu der Aktion ist bislang nicht belegt. Der Bundestag berät in dieser Woche über Reiches Gesetzentwürfe – die Erneuerbare-Energien-Novelle und das Netzpaket. Robin Wood wirft der Ministerin vor, damit den Ausbau der Erneuerbaren Energien auszubremsen. Offen ist, ob der Protest die Partei zum Umsteuern bewegt – oder ob die CDU nach den Wahlniederlagen auf Konfrontation setzt.