Mercedes-Benz verlangt künftig vier Bürotage pro Woche
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Büropflicht

Mercedes-Benz verlangt künftig vier Bürotage pro Woche

Mercedes-Benz hat die Konzernbetriebsvereinbarung zum mobilen Arbeiten gekündigt und will Büroangestellte wieder an vier Tagen pro Woche im Betrieb sehen. Die Betriebsratsgremien müssen noch zustimmen – parallel streitet der Konzern mit der IG Metall über 38 Stunden ohne Lohnausgleich.

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Mercedes-Benz will seine Büroangestellten in Deutschland wieder an vier Tagen pro Woche im Betrieb sehen – mobiles Arbeiten wäre damit auf einen Tag begrenzt. Am 29. September 2026 ging die Mitteilung per E-Mail an die Beschäftigten; die bisherige Konzernbetriebsvereinbarung zum mobilen Arbeiten hat der Konzern gekündigt.

Der Bericht der WirtschaftsWoche über die vier Präsenztage erschien zuerst, am Abend bestätigte ein Unternehmenssprecher die Pläne. Die neue Vereinbarung soll Führungskräften erlauben, für Vollzeitbeschäftigte bis zu vier Präsenztage pro Woche ohne Begründung festzulegen. Zustimmen müssen die Betriebsratsgremien der Standorte.

Vier Bürotage als Standard

„Ziel ist es, dass diese vier Tage künftig der Standard sind“, so ein Sprecher des Konzerns. Ausnahmen soll es weiterhin geben: Besondere Fälle würden zwischen Führungskraft und Beschäftigten besprochen und freigegeben, heißt es in einem Schreiben an die Beschäftigten, das der dpa vorliegt.

Mercedes-Benz steht mit der Rückkehr ins Büro nicht allein. Laut KPMG CEO Outlook erwarten 83 Prozent der befragten Konzernchefs eine vollständige Rückkehr ihrer Belegschaften. Amazon und SAP haben ihre Vorgaben zur Büropräsenz bereits verschärft – die Spanne reicht von drei bis fünf Tagen pro Woche.

Bürotage pro Woche bei großen Konzernen

Geplante oder geltende Präsenz-Vorgaben, Stand 2026

Quelle: Unternehmensangaben, Stand 2026

Betriebsräte müssen noch zustimmen

In Kraft ist die Regelung nicht. Sie muss die Betriebsratsgremien der jeweiligen Standorte durchlaufen; stimmen diese zu, tritt sie voraussichtlich zum 1. Januar 2027 in Kraft, wie die Zeit zum geplanten Inkrafttreten berichtet. Ohne Einigung stünden die deutschen Standorte Ende März 2027 ohne kollektive Vereinbarung zum mobilen Arbeiten da.

Die bisherige Vereinbarung stammt aus dem Jahr 2016 und erlaubte rechnerisch bis zu fünf Homeoffice-Tage pro Woche – eine Präsenzquote von null Prozent. Teams legten mit ihren Führungskräften gemeinsam fest, wie sie mobile Arbeit und Präsenz kombinieren. Der Gesamtbetriebsrat hielt laut seinem Tätigkeitsbericht für 2025 pauschale Vorgaben zu Präsenztagen für unzulässig; sein Vorsitzender Ergun Lümali sieht durch das Vorgehen das Betriebsklima belastet.

„Das Vorgehen des Unternehmens verunsichert und demotiviert viele Kolleginnen und Kollegen massiv.“
Ergun Lümali, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Mercedes-Benz

Von fünf Tagen zurück auf vier

Ursprünglich wollte Konzernchef Ola Källenius noch weiter gehen: Im Sommer 2026 informierte er Führungskräfte der ersten Ebene darüber, dass er eine vollständige Rückkehr zu fünf Präsenztagen anstrebe. Durchsetzen ließ sich die Maximalforderung nicht. Bis zu vier Bürotage sind der Kompromiss – gegenüber der bisherigen Praxis aber eine deutliche Einschränkung der Flexibilität.

Dass das Management auf mehr Präsenz drängt, ist nicht neu. Arbeitsdirektorin Britta Seeger sagte im Dezember 2025 im Handelsblatt-Interview, im Homeoffice seien „Einzelne verloren“ gegangen. Die Präsenzquote lag zwischenzeitlich nur noch bei 50 Prozent; aus Konzernkreisen heißt es, einige Mitarbeiter seien faktisch gar nicht mehr ins Büro gekommen.

Vom Homeoffice-Standard zur Vier-Tage-Pflicht

  1. Dezember 2025
    Arbeitsdirektorin beklagt Verluste im Homeoffice

    Britta Seeger sagt im Handelsblatt-Interview, im Homeoffice seien Einzelne verloren gegangen; die Präsenzquote liegt laut Konzernkreisen bei 50 Prozent.

  2. Ende Juni 2026
    Vorstand ruft Produktivitätsoffensive aus

    Der Konzern will Kosten und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte verbessern.

  3. 3. Juli 2026
    33.000 Beschäftigte protestieren

    An zehn deutschen Mercedes-Standorten demonstrieren Beschäftigte gegen den Sparkurs.

  4. 18. September 2026
    Mercedes bestätigt Pläne für die 38-Stunden-Woche

    Ein Sprecher bestätigt gegenüber dem SWR, die Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich erhöhen zu wollen; die IG Metall lehnt ab.

  5. 25. September 2026
    Entwurf mit vier Bürotagen wird bekannt

    Ein interner Entwurf für die neue Konzernbetriebsvereinbarung sieht bis zu vier Präsenztage pro Woche vor; die Zustimmung der Betriebsräte fehlt.

  6. 28. September 2026
    5.000 Beschäftigte diskutieren in der Schleyerhalle

    Bei der Betriebsversammlung des Werks Untertürkheim droht Produktionsvorstand Michael Schiebe erneut mit der Schließung zweier Werke.

  7. 29. September 2026
    Vier Präsenztage sollen Standard werden

    Per E-Mail erfahren die Beschäftigten von der Kündigung der alten Vereinbarung.

Streit um Arbeitszeit und Standorte

Die Ankündigung fällt mitten in einen eskalierten Arbeitskampf. Der Vorstand fordert eine Erhöhung auf 38 Stunden ohne Lohnausgleich; IG-Metall-Chefin Christiane Benner will solche Forderungen in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie zurückweisen. Produktionsvorstand Michael Schiebe droht mit der Schließung von zwei deutschen Werken, falls die Kosten nicht sinken.

Ein gesetzliches Recht auf Homeoffice gibt es in Deutschland nicht; der Betriebsrat hat aber Mitbestimmungsrechte bei der Ausgestaltung mobiler Arbeit. Eine dauerhafte Verschlechterung der tariflichen Arbeitszeit setzt die Zustimmung von Gewerkschaft und Arbeitgeberverband voraus. Ob die neue Konzernbetriebsvereinbarung zustande kommt, entscheiden die Betriebsratsgremien der Standorte; ohne Einigung endet die alte Regelung im März 2027 ersatzlos.

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