Linnemann will Kinderkrankentage 2027 auf 10 Tage kürzen
Gesundheitsminister Carsten Linnemann kündigt das Ende der 15 Kinderkrankentage an. SPD und Sozialverbände werfen ihm vor, Familien zu belasten und Frauen besonders zu treffen.
Eltern sollen vom kommenden Jahr an wieder deutlich weniger Tage für kranke Kinder bekommen: Statt 15 Arbeitstagen je Kind und Elternteil sind für 2027 nur noch 10 vorgesehen. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hat in der Regierungsbefragung im Bundestag am 23. September 2026 die Rückkehr zu zehn Kinderkrankentagen ab 2027 angekündigt.
Der Vorstoß trifft auf Widerstand in der Koalition. SPD-Familienpolitikerin Jasmina Hostert wirft Linnemann vor, Familien zu belasten statt zu entlasten. Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und die Linken-Fraktionsvorsitzende Heidi Reichinnek lehnen die Kürzung ab. Rückendeckung bekommt der Minister vom Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband Sachsen-Anhalt und von der DAK.
Für Alleinerziehende sinkt der Anspruch von 30 auf 20 Tage. Die längere Frist läuft Ende 2026 aus: Verlängert der Bund sie nicht erneut per Gesetz, gilt ab Januar 2027 wieder die alte Regelung mit 10 Tagen. Genau darauf zielt Linnemanns Ankündigung.
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Ein Erbe der Corona-Pandemie
Die längeren Fristen sind eine Hinterlassenschaft der Pandemie. 2020 bis 2022 stieg der Anspruch auf Kinderkrankengeld zunächst auf 20 Tage je Kind und Elternteil, später auf bis zu 30; für Alleinerziehende galt der doppelte Anspruch. Nach dem Ende der Sonderregelungen schrieb der Bund die 15 Tage für 2024, 2025 und 2026 per Gesetz fort. Zuvor lag der Anspruch bei 10 Tagen.
Von der Corona-Sonderregelung zur geplanten Kürzung
2020 bis 2022
Corona-Sonderregelung
Der Anspruch auf Kinderkrankengeld steigt zunächst auf 20 Tage je Kind und Elternteil, später auf bis zu 30 Tage. Für Alleinerziehende gilt der doppelte Anspruch.
2024
Fortschreibung auf 15 Tage
Nach dem Ende der Sonderregelungen schreibt der Bund die 15 Tage per Gesetz fort.
2025
Erneute Verlängerung
Die 15-Tage-Regelung wird ein weiteres Jahr verlängert.
2026
Drittes Jahr mit 15 Tagen
Für 2026 gelten 15 Tage je Kind und Elternteil, für Alleinerziehende 30; bei mehreren Kindern höchstens 35 bzw. 70 Arbeitstage.
23. September 2026
Linnemann kündigt Kürzung an
In der Regierungsbefragung im Bundestag spricht sich der Gesundheitsminister gegen eine weitere Verlängerung aus und nennt 10 Tage als Zielmarke für 2027.
25. September 2026
Kritik vom VdK
Präsidentin Verena Bentele kritisiert die Kürzung und verweist auf den Frauenanteil von rund 73 Prozent.
29. September 2026
SPD, Grüne und Verbände protestieren
Hostert, der Grünen-Abgeordnete Johannes Wagner und Sozialverbände kritisieren die Pläne in mehreren Medien.
Was Eltern 2027 verlieren
Nach der bis Ende 2026 geltenden Regelung bekommen Eltern 15 Arbeitstage je Kind und Elternteil, Alleinerziehende 30. Bei mehreren Kindern liegt die Obergrenze bei 35 Arbeitstagen pro Elternteil und 70 für Alleinerziehende. Ab 2027 wären es 10 und 20 Tage — bei mehreren Kindern 25 und 50 Arbeitstage.
Der Anspruch gilt für jeden Elternteil einzeln, also bis zu 20 Tage pro Familie. Für betroffene Eltern bedeutet die Rückkehr zur alten Regelung fast ein Drittel weniger Zeit je Kind. Der Grünen-Abgeordnete Johannes Wagner hält das Argument, es sei nur die Rückkehr zur alten Regelung, für zynisch: Nur weil etwas früher schlecht gewesen sei, sei das kein Grund, dorthin zurückzukehren.
Kinderkrankentage: geltende Regelung bis Ende 2026 und geplante Kürzung ab 2027
Quelle: Bis Ende 2026 geltende Regelung und Linnemanns Ankündigung vom 23. September 2026
Ein Paket gegen den Krankenstand
Die Kürzung der Kinderkrankentage ist Teil eines Pakets, mit dem die schwarz-rote Koalition den Krankenstand senken will. Dazu gehört auch die geplante Pflicht, sich schon am ersten Krankheitstag eine Bescheinigung zu holen — dafür will die Koalition die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung durchsetzen.
Linnemann hält die Rückkehr zur alten Frist für vertretbar. In der Regierungsbefragung sagte der Minister:
„Es werden 10 Tage sein, mal zwei sind 20 Tage im Jahr. Und das hatten wir auch in den ganzen Jahren vor Corona.“
Carsten Linnemann, Bundesgesundheitsminister (CDU)
Widerstand von SPD bis VdK
In der SPD stößt die Kürzung auf scharfe Ablehnung. Familienpolitische Sprecherin Jasmina Hostert hält Linnemann entgegen, dass Familien Entlastung statt neuer Belastungen bräuchten:
„Bereits die Debatte über eine Krankmeldung ab dem ersten Tag hat Eltern unter einen ungerechtfertigten Generalverdacht gestellt. Die geplante Kürzung der Kinderkrankentage setzt diese falsche Logik nun fort.“
Jasmina Hostert, Familienpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion
Hinter Hostert stehen die Sozialverbände: VdK, SoVD, Familienbund der Katholiken und Diakonie lehnen die Pläne ab. VdK-Präsidentin Verena Bentele verweist auf die Lastenverteilung: Schon heute übernähmen Frauen rund 73 Prozent der Kinderkrankentage — die Kritik der VdK-Präsidentin an den Kürzungsplänen fiel deutlich aus. Die Koalition spart derweil an anderer Stelle bei Familien: Geplant ist die geplante Begrenzung des Unterhaltsvorschusses bis zum 15. Geburtstag. Ob die 15 Tage ein viertes Mal verlängert werden, ist offen — ohne Gesetz gelten ab Januar 2027 wieder 10 Tage.