Ferat Koçak gibt nach Remmo-Szene seinen Sitz im Innenausschuss auf
Bild: KI-generiert
Clan-Kontakte

Ferat Koçak gibt nach Remmo-Szene seinen Sitz im Innenausschuss auf

Beim Fototermin für ein „Zeit“-Interview steht plötzlich ein fremder Mann vor Ferat Koçak und hält ihm ein Handy hin. Am anderen Ende: Firas Remmo, der Sohn des Berliner Clan-Chefs Issa Remmo. Koçak räumt Fehler ein und gibt seinen Sitz im Innenausschuss auf.

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Ein fremder Mann hat dem Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak ein Handy vors Gesicht gehalten. Auf dem Display war Firas Remmo zu sehen, der Sohn des Berliner Clan-Chefs Issa Remmo. Der Vorfall ereignete sich am Montagabend des 28. September beim „Zeit“-Fototermin vor einem Supermarkt in Neukölln.

Die anwesende „Zeit“-Fotografin bestätigte den Vorfall, Koçak nannte die Begegnung unangenehm. Der Fremde habe ihm das Telefon hingehalten mit dem Hinweis, jemand wolle mit ihm sprechen. Der Ablauf ist in einem Bericht über die Handy-Szene vor dem Supermarkt dokumentiert.

X · @der_neukoellner

Firas Remmo ist der Sohn von Issa Remmo, dem Oberhaupt des Berliner Remmo-Clans. Clan-Mitglieder wurden für den Einbruch ins Grüne Gewölbe in Dresden und den Goldmünzen-Diebstahl aus dem Bode-Museum verurteilt. Der Auftritt trifft die Berliner Linke mitten in der Debatte um Clan-Kontakte und Antisemitismus.

Beck sieht eine Machtdemonstration

Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, deutete die Szene als Machtdemonstration der Familie. Die Remmos stellten Koçak als naiv und erpressbar bloß, schrieb er. Seine Deutung: Der Auftritt richtet sich nicht nur an Koçak.

„Die Frage ist ja, warum machen die Remmos das: Sie stellen Kocak als naiv und erpressbar bloß. Sinn macht das eigentlich nur, wenn das eine Botschaft an andere ist, die sie auch in der Hand haben. Wer ist das und wie viele?“
Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft

Koçak hatte in dem „Zeit“-Interview eingeräumt, Firas Remmo nicht gekannt zu haben. Den Kontakt zur Familie nannte er einen Fehler.

Wie der Kontakt begann

Die Verbindung reicht Monate zurück. Anfang 2026 rief Koçak zu Smartphone-Spenden für Jugendliche einer Antifa-Gruppe auf. Firas Remmo bot ihm ein Handy an. Am 6. Februar holte Koçak das Gerät im Büro der Familie ab und traf dort nach eigener Darstellung erstmals Issa Remmo.

Vom Handygeschenk zum Videoanruf

  1. Anfang 2026
    Kontakt über eine Spendenaktion

    Koçak ruft bei Instagram zu Smartphone-Spenden für Jugendliche einer Antifa-Gruppe auf. Firas Remmo meldet sich und bietet ein Handy an.

  2. 6. Februar 2026
    Abholung im Remmo-Büro

    Koçak holt das gespendete Handy im Büro der Familie Remmo ab und trifft dort nach eigener Darstellung erstmals Issa Remmo.

  3. 20. Februar 2026
    Rede zur Clankriminalität

    Koçak schickt Firas Remmo ein Video seiner Bundestagsrede zur Clankriminalität mit der Bitte, es zu verbreiten.

  4. April 2026
    Einladung zur Hochzeit

    Firas Remmo lädt Koçak „im Namen meines Vaters“ zur Hochzeit eines seiner Brüder ein. Koçak sagt per Sprachnachricht ab.

  5. 20. September 2026
    Wahlsieg und Wahlparty

    Die Berliner Linke gewinnt die Wahl; Issa Remmo erscheint auf der Wahlparty des Kreisverbands Neukölln.

  6. 21. September 2026
    Chatverlauf veröffentlicht

    Firas Remmo veröffentlicht einen Chatverlauf mit Koçak. Die Bundestagsfraktion kündigt an, Koçak lasse seine Funktionen ruhen.

  7. 28. September 2026
    Handy vor dem Gesicht

    Beim „Zeit“-Fototermin in Neukölln hält ein fremder Mann Koçak ein Handy vors Gesicht – Firas Remmo ist im Videoanruf.

Am 20. September erschien Issa Remmo auf der Wahlparty des Neuköllner Kreisverbands. Einen Tag später veröffentlichte Firas Remmo den Chat mit dem Linken-Abgeordneten Koçak. Die Bundestagsfraktion kündigte an, Koçak lasse seine Funktionen ruhen.

Der Druck auf Koçak wächst

Dorothea Schupelius, Politikchefin von WELT TV, nannte die Vorgänge ein „derart großes Verstrickungsnetzwerk“, das sie als sehr ernst bezeichnete. Der Polizeigewerkschafter Manuel Ostermann fordert inzwischen Koçaks Rückzug aus dem Bundestag.

Koçak räumte einen Fehler ein: Er sei in der Situation naiv und überfordert gewesen und übernehme Verantwortung. Er bat darum, seine Kolleginnen und Kollegen nicht zu belasten. Am 30. September gab er seinen Sitz im Innenausschuss ganz auf, wie der Tagesspiegel über Koçaks Konsequenz aus den Remmo-Kontakten berichtet.

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Offen bleibt, ob die Szene vom Montagabend weitere Folgen für Koçak hat. Die Berliner Linke sondiert nach ihrem Wahlsieg mit Grünen und SPD; ob die Clan-Debatte diese Gespräche belastet, ist nicht entschieden. Auch Becks Frage nach weiteren Betroffenen ist unbeantwortet.