Reul warnt vor tödlicher Weltkriegsmunition im Rhein
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Kampfmittelräumung

Reul warnt vor tödlicher Weltkriegsmunition im Rhein

Das Rekord-Niedrigwasser im Rhein legt immer mehr Bomben, Granaten und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg frei. NRW-Innenminister Reul warnt vor einem unsichtbaren, tödlichen Risiko – und verteidigt Evakuierungen, die Tausende Menschen betreffen.

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Rund 40 Zentimeter zeigt der Pegel in Köln – der Rheinpegel auf neuem Rekordtiefstand. Das Wasser legt frei, was seit Jahrzehnten im Flussbett liegt: Bomben, Granaten und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) warnt vor einem „unsichtbaren Risiko", das auch mehr als 80 Jahre nach Kriegsende noch zu einer tödlichen Gefahr werden kann.

Am 30. September hatte Reul seine Warnung im „Kölner Stadt-Anzeiger" veröffentlicht, am 1. Oktober griff der WDR sie unter dem Titel „Unsichtbares Risiko" auf. Reuls Warnung vor den Funden im Rhein listet auf, was die Behörden allein in diesem Jahr aus dem Fluss geholt haben – von einer Handgranate bis zu einer 500 Kilogramm schweren Bombe.

Die Fundzahlen steigen seit Jahren

2025 wurden in Nordrhein-Westfalen 2.140 Bomben entdeckt und unschädlich gemacht, 2024 waren es 1.606 – ein Anstieg um rund ein Drittel. Spitzenreiter war der Regierungsbezirk Köln mit 915 gefundenen Kampfmitteln.

Die Stadt Bonn registrierte bis zum 28. September 74 Kampfmittel-Einsätze binnen sechs Wochen – mehr als einen pro Tag. Der Innenminister ordnet die Funde in einen größeren Rahmen ein.

„Der Zweite Weltkrieg hat im Rheinland tiefe Spuren hinterlassen. Noch heute liegen in unseren Böden und Gewässern unzählige Kampfmittel verborgen. Auch mehr als 80 Jahre nach Kriegsende können sie zu einer tödlichen Gefahr werden.“
Herbert Reul, NRW-Innenminister (CDU)

Von der Handgranate bis zur Fünf-Zentner-Bombe

Die Funde der vergangenen Monate folgen dem fallenden Pegel. Am 19. Juli entdeckten Müllsammler der Organisation Blockblocks Cleanup am Rheinufer in Düsseldorf eine Handgranate aus dem Zweiten Weltkrieg. Am 6. August wurde im Rhein bei Köln-Deutz eine amerikanische Fünf-Zentner-Bombe gefunden und noch am selben Tag entschärft; ein Sperrradius von 400 Metern betraf den Rheinpark, den Tanzbrunnen und das RTL-Gelände.

Am 11. August beseitigte der Kampfmittelbeseitigungsdienst in Bonn-Beuel eine englische Phosphorbombe. Sechs Tage später wurde auf Höhe der Bonner Rheinaue eine 125 Kilogramm schwere englische Brandbombe kontrolliert gesprengt – Wege wurden gesperrt, die Schifffahrt zeitweise eingestellt. In Leverkusen meldete die Stadt drei Funde von Granaten und Minen am Rheinufer und im flachen Wasser.

Die Funde im Rhein 2026

  1. 19. Juli 2026
    Handgranate in Düsseldorf

    Müllsammler von Blockblocks Cleanup finden am Rheinufer eine Handgranate aus dem Zweiten Weltkrieg.

  2. 6. August 2026
    Fünf-Zentner-Bombe in Köln-Deutz

    Eine amerikanische Bombe wird im Rheinpark entdeckt und noch am selben Tag entschärft. 400 Meter Sperrradius, betroffen sind auch Tanzbrunnen und RTL-Gelände.

  3. 11. August 2026
    Phosphorbombe in Bonn-Beuel

    Der Kampfmittelbeseitigungsdienst der Bezirksregierung Düsseldorf beseitigt am Rheinufer eine englische Phosphorbombe.

  4. 17. August 2026
    Brandbombe über der Rheinaue

    Eine 125 Kilogramm schwere englische Brandbombe wird kontrolliert gesprengt; Wege werden gesperrt, die Schifffahrt kurzzeitig eingestellt. In Leverkusen meldet die Stadt drei Funde von Granaten und Minen.

  5. 26. September 2026
    250-Kilo-Blindgänger bei Bornheim-Hersel

    Ein Angler entdeckt den Blindgänger; rund 500 Anwohner werden evakuiert, am frühen Abend wird die Bombe kontrolliert gesprengt.

  6. 28. September 2026
    500-Kilo-Bombe in Köln-Rodenkirchen

    Ein Passant entdeckt im freigelegten Rheinbett eine amerikanische Zehn-Zentner-Bombe. Bonn meldet zu diesem Zeitpunkt 74 Kampfmittel-Einsätze in sechs Wochen.

  7. 29. September 2026
    Sprengung im Weißer Bogen

    Rund 3.000 Menschen werden evakuiert; die Entschärfung scheitert nach 45 Minuten, die Bombe wird im Weißer Bogen gesprengt.

Reul verteidigt Evakuierungen und Sperrungen

Am 28. September entdeckte ein Passant in Köln-Rodenkirchen eine amerikanische Zehn-Zentner-Bombe von 500 Kilogramm im freigelegten Rheinbett. Am Folgetag räumten Einsatzkräfte ab 9 Uhr einen Radius von 500 Metern; rund 3.000 Menschen verließen ihre Wohnungen und Arbeitsplätze. Die Entschärfung scheiterte nach 45 Minuten – der Blindgänger wurde im Weißer Bogen gesprengt, mit 60 Tonnen Sand bedeckt, gegen 19 Uhr.

Reul verteidigt die Sperrungen und Evakuierungen. „Evakuierungen oder Verkehrsumleitungen wegen einer Bombenentschärfung können für Bürgerinnen und Bürger zwar lästig sein – sie sind aber wichtig und richtig“, sagte er. „Es ist aber notwendig und richtig, denn Sicherheit geht vor.“ Zugleich lobt er die Einsatzkräfte: Sie arbeiteten mit Hochdruck daran, „jede gefundene Bombe, Granate und jedes Sprengmittel unschädlich zu machen“, und leisteten oft gefährliche Arbeit.

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Was an Ufer und Rheinbett jetzt gilt

Der SPD-Landtagsabgeordnete Gordan Dudas warnt: Fundstücke im freigelegten Rheinbett dürfen keinesfalls berührt oder bewegt werden.

Der FDP-Sprecher Werner Pfeil sieht in dem Niedrigwasser zugleich eine Chance: Es sei eine Katastrophe für die Schifffahrt und die Wirtschaft, biete aber die Gelegenheit, gefährliche Kriegsaltlasten nach mehr als 80 Jahren endlich zu beseitigen. Für die Frachtschifffahrt ist das Rekordtief seit Wochen ein Ausnahmezustand: 95 Prozent der Tankschiffe fallen aus. Fällt der Pegel weiter, folgen weitere Funde – und Evakuierungen, die erneut Tausende Menschen treffen können.