Ralf Richters Tod entfacht Debatte über Altersarmut in der Branche
Nach dem Tod von Ralf Richter sammelte seine Familie binnen rund 20 Stunden 21.509 Euro für die Beerdigung. Dann brach ein Shitstorm los: Der Sohn wehrt sich, Kollegen sprechen von Altersarmut in der Branche.
Für die Beerdigung des Schauspielers Ralf Richter (69) kamen in rund 20 Stunden 21.509 Euro zusammen. Danach brach ein Shitstorm über seine Familie herein – der Vorwurf in dutzenden Kommentaren: Sie nutze den Tod aus.
Richter, bekannt aus „Das Boot“ und „Bang Boom Bang“, starb in der Nacht zum 15. September 2026 in seiner Kölner Wohnung. Er litt an COPD und einer Herzunterfunktion. Seine Kinder Aline und Maxwell bestätigten den Tod; am selben Tag berichtete der tagesschau-Bericht zum Tod von Ralf Richter.
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Zwei Tage später bat Sohn Maxwell öffentlich um Unterstützung für einen „würdevollen Abschied“. Aus dem Umfeld der Familie startete eine GoFundMe-Kampagne mit einem Ziel von 10.000 Euro. Was als Geste der Solidarität gedacht war, wurde binnen Stunden zum Streitfall über Geld, Scham und einen Beruf, den viele für glamourös halten.
Vom Tod bis zum Interview
14./15. September 2026
Tod in der Kölner Wohnung
Ralf Richter stirbt in der Nacht zum 15. September im Alter von 69 Jahren; er litt an COPD und einer Herzunterfunktion.
15. September 2026
Die Kinder bestätigen den Tod
Aline und Maxwell Richter machen den Tod öffentlich, WDR und tagesschau berichten.
17. September 2026
Spendenaufruf für die Beerdigung
Maxwell Richter bittet öffentlich um Unterstützung, aus dem Familienumfeld startet eine GoFundMe-Kampagne mit dem Ziel von 10.000 Euro.
18. September 2026
21.509 Euro in rund 20 Stunden
Das Spendenziel ist weit übertroffen, die Aktion wird gestoppt.
Mitte/Ende September 2026
Shitstorm gegen die Familie
In Kommentaren und Mails wird der Familie vorgeworfen, den Tod auszunutzen; mehr als 20 Beschwerden erreichen die Agentur Urbanactors.
Ende September 2026
Gespräch in Köln-Ehrenfeld
Maxwell Richter, Kais Setti und Beka Bediana sprechen in einer Kaffeerösterei über Altersarmut bei Schauspielern.
2. Oktober 2026
Das Interview erscheint
Der Kölner Stadt-Anzeiger veröffentlicht das Gespräch über Altersarmut und Scham.
Das Spendenziel war nach 20 Stunden übertroffen
Ursprünglich sollten 10.000 Euro für die Beisetzung zusammenkommen. Nach rund 20 Stunden waren 21.509 Euro eingegangen, andere Berichte nennen etwa 20.000 Euro. Dann stoppte die Familie die Sammlung: wie der Bericht zum Stopp der Spendenaktion schildert.
Der Aufruf kam aus dem engsten Umfeld: Freunde und Familie starteten die Sammlung, Sohn Maxwell warb öffentlich um Unterstützung. Die Familie hatte erklärt, die finanzielle Belastung einer Beerdigung nicht tragen zu können. Für einen Schauspieler mit Kultstatus war das ein ungewöhnlicher Vorgang.
Mehr als 20 wütende E-Mails bei der Agentur
Auf die Spendenwelle folgte die Empörung. In dutzenden Kommentaren hieß es, die Familie nutze den Tod aus. Mehr als 20 erboste E-Mails gingen allein bei der Agentur Urbanactors ein; ihr Inhaber Kais Setti antwortete mit einem Video.
„Da stirbt ein Mensch, die Familie bittet in einer Schwarmaktion um Spenden – und Leute schreiben sogar dreist: Soll er doch seinen goldenen Mercedes verkaufen. Dabei war das ein Filmrequisit! Wie übel ist das denn!“
Kais Setti, Schauspieler und Inhaber der Agentur Urbanactors
Der Mercedes, auf den die Kritiker zielten, war ein Filmrequisit, kein Privatwagen. Setti kennt beide Seiten des Geschäfts: Er steht selbst vor der Kamera und führt die Agentur, bei der die Beschwerden eingingen. Wie weit die Vorstellungen von den Einkommen der Branche auseinanderliegen, zeigt eine Zahl aus seinem Berufsfeld.
60 Prozent verdienen unter 25.000 Euro
Beka Bediana, Vorstand des Bundesverbands Schauspiel, nennt eine Zahl, die kaum jemand kennt: 60 Prozent der Schauspieler in Deutschland verdienen weniger als 25.000 Euro brutto im Jahr. Das wisse fast niemand, sagt sie.
Auch andere Schauspieler kennen das Problem. In der Branche ist das kein Einzelfall, sondern die Regel – sagt zumindest einer, der jahrzehntelang dazugehörte.
„Natürlich hatte mein Vater am Ende seines Lebens kein Geld.“
Maxwell Richter, Schauspieler und Sohn von Ralf Richter
Auch andere Schauspieler kennen das Problem. Der Schauspieler Ralf Bauer hat öffentlich eingeräumt, seine späte Altersvorsorge zu bereuen. In der Branche ist das kein Einzelfall, sondern die Regel – sagt zumindest einer, der jahrzehntelang dazugehörte.
Ein Vergleich mit Heinz Hoenig
Der Fall erinnert an Heinz Hoenig. Der „Das-Boot“-Kollege war vor zwei Jahren insolvent; seine Familie sammelte ebenfalls Spenden, damals für eine Herz-Operation. Auch damals folgte Empörung. Zahlreiche Prominente solidarisierten sich nun mit Richters Familie.
„Mein alter Kumpel Ralf Richter ist hier nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel. Nur wenige meiner ehemaligen Kollegen haben es geschafft, in einen abgesicherten Ruhestand zu treten, wenn das Rollenangebot dünner wird. In dieser Branche wird dir nichts geschenkt. Es gibt weder Loyalität noch Mitleid.“
Charles M. Huber, Schauspieler und ehemaliger Bundestagsabgeordneter
Richters Tod steht damit in einer Reihe mit dem Fall Hoenig: Beide wurden mit „Das Boot“ bekannt und standen später finanziell unter Druck. Huber will daraus eine Struktur machen und schlägt einen Fonds für in Not geratene Schauspieler vor.
Was der Sohn jetzt fordert
Maxwell Richter wehrt sich nicht nur gegen die Vorwürfe, er dreht sie um: „Im Gegenteil: Ich bin froh, wenn dadurch jetzt eine öffentliche Debatte über unseren Beruf entsteht. Es ist nur schade, dass man sich heute oft zuerst aufregt, bevor man sich informiert.“
Was aus der Debatte wird, ist offen. Huber will einen Fonds für Kollegen in Not aufsetzen; wie er finanziert werden soll, ist bislang nicht beschrieben. Der Bundesverband Schauspiel verweist auf die 60 Prozent, die von ihrem Beruf nicht leben können. Eine belastbare Antwort auf diese Zahl gibt es bislang nicht.