46 Ökonomen warnen die Koalition vor Aufweichung der Rente
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Alterssicherung

46 Ökonomen warnen die Koalition vor Aufweichung der Rente

46 Ökonominnen und Ökonomen verlangen, dass die Bundesregierung die 33 Renten-Empfehlungen unverändert als Gesamtpaket umsetzt. Kanzler Merz hält am Aus der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren fest, Arbeitsministerin Bas fordert Übergangsfristen und Ausnahmen.

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Deutschlands Sozialabgaben steigen nach Rechnung der Wirtschaftsweisen ohne Gegenmaßnahmen von heute 42,3 Prozent auf 54 Prozent im Jahr 2050. 46 Ökonominnen und Ökonomen nehmen diese Zahl zum Anlass für eine Warnung, die mitten in den Koalitionsstreit über die Rente platzt.

Der Aufruf trägt den Titel „: Nur das ganze Paket entfaltet die notwendige Wirkung!“. Er wurde Das Handelsblatt veröffentlichte ihn zuerst; Tagesspiegel, SPIEGEL und WELT griffen ihn auf. Am 30. September beschloss das Kabinett die Pflegereform – die Rentenreform blieb offen.

Ein Bündel aus 33 Empfehlungen

Initiiert haben den Aufruf Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats, der Wirtschaftsweise Martin Werding, der Präsident der ESMT Berlin, Jörg Rocholl, und Constanze Janda, Rektorin der Universität Speyer und Co-Vorsitzende der Rentenkommission. Die Unterzeichner verlangen, die 33 Empfehlungen der Alterssicherungskommission als „konsistentes Bündel von Maßnahmen“ unverändert umzusetzen.

Widerstand richtet sich vor allem gegen eine Abschwächung der geplanten Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Schnitzer warnt: „Wer einzelne Bausteine streicht, muss einen wirksamen Ersatz nennen. Andernfalls fällt das gesamte Konzept zusammen, und die immer größer werdenden Probleme werden weiter vertagt – zulasten der Jüngeren, die schon heute unter steigendem Druck stehen.“

Sozialabgaben ohne Rentenreform

Sozialabgaben in Prozent

Quelle: Martin Werding, Wirtschaftsweiser, September 2026

Merz hält am Aus fest, Bas will Ausnahmen

Kanzler Friedrich Merz (CDU) hält am Aus der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren fest. Arbeitsministerin und SPD-Chefin Bärbel Bas fordert dagegen Übergangsfristen und Ausnahmen. Sie versichert: „Es wird einen Vertrauensschutz geben, darauf können sich alle verlassen.“ Der Streit der Koalition über die Rente mit 63 ist damit nicht beigelegt.

Gegen eine ersatzlose Streichung stellen sich sieben von 16 Ministerpräsidenten – darunter die drei ostdeutschen CDU-Regierungschefs Sven Schulze, Michael Kretschmer und Mario Voigt. Nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin war die Abschaffung der „“ unter Druck geraten; im Juli hatten Union und SPD das Paket auf Spitzenebene noch als „Gesamtkunstwerk“ bezeichnet.

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Vertrauensschutz gefordert, Ersatzlösung fehlt

Für Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK, geht die Streichung zu schnell. Sie verweist auf Beschäftigte, die ihren Renteneintritt längst geplant haben.

„Viele haben ihren Renteneintritt schon geplant. Deswegen kann man die Rente nach 45 Beitragsjahren nicht einfach abschaffen, sondern wir brauchen mindestens eine ausreichende Übergangszeit und auch eine echte Ersatzlösung für gesundheitlich belastete Ältere.“
Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK

Für Janda dagegen ist die Streichung der zentrale Punkt: Die abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren koste jedes Jahr Milliarden, das Geld werde dringend anderweitig gebraucht. Sie hat bereits mehrfach begründet, warum sie die Abschaffung für unvermeidbar hält.

Union knüpft Steuerreform an das Rentengesetz

CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann fordert von Bas einen Renten-Gesetzentwurf; die Unionsfraktion erwägt, die Einkommensteuerreform bis dahin zu blockieren. Der Druck der Union auf ein schnelles Rentengesetz wächst damit. Die erste Lesung der Einkommensteuerreform ist für den 8. Oktober angesetzt.

Ob Bas bis zu diesem Termin einen Gesetzentwurf vorlegt und ob er Übergangsfristen und Ausnahmen enthält, ist offen. Bis dahin bleibt auch die zentrale Forderung der 46 Ökonomen unerfüllt: das ganze Paket, unverändert.