Merkel erhält Hermann-Ehlers-Preis und warnt vor Demokratieverlust
Angela Merkel nimmt in Kiel den Hermann-Ehlers-Preis entgegen – und nutzt die Dankesrede für eine Warnung: Ohne die Bürger könne die Demokratie scheitern. Die Laudatio hält CDU-Ministerpräsident Daniel Günther.
Angela Merkel hält es für möglich, dass die Demokratie in Deutschland scheitert – wenn die Bürger nicht spüren, dass sich die Politik für sie einsetzt. Am 1. Oktober 2026 nahm die Altkanzlerin im Kieler Konzerthaus am Schloss den Hermann-Ehlers-Preis entgegen und verband die Dankesrede mit einer Warnung.
Es war nicht ihre erste Mahnung: Eine frühere Rede Merkels fiel ähnlich deutlich aus – „Mir als CDU-Mitglied blutet das Herz“. In Kiel zitierte sie die Formel, der freiheitliche, säkularisierte Staat lebe von Voraussetzungen, die er nicht selbst garantieren kann, und leitete daraus ab, dass die Bürger den Staat tragen müssen.
„Sie können die allerbesten Politikerinnen und Politiker haben. Wenn nicht die Menschen im Lande genauso spüren, dass wir uns für diesen Staat, für diese Demokratie einsetzen müssen, dann werden wir es vielleicht nicht schaffen. Wir brauchen jeden angesichts der neuen Herausforderungen.“
Angela Merkel, Altkanzlerin (CDU)
Die Feierstunde im Konzerthaus am Schloss begann um 19 Uhr. Stiftungsvorsitzende Sabine Sütterlin-Waack übergab Urkunde und Blumenstrauß; die Laudatio hielt Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther.
Der Hermann-Ehlers-Preis ist undotiert und wird seit 1975 vergeben. Verliehen wird er von der CDU-nahen Hermann-Ehlers-Stiftung mit Sitz am Niemannsweg 78 in Kiel, benannt nach dem früheren Bundestagspräsidenten Hermann Ehlers (1904 – 1954).
Ehlers war von 1950 bis 1954 Bundestagspräsident. Die Stiftung wurde 1968 in Hannover gegründet, von Kai-Uwe von Hassel und politischen Weggefährten. Vorsitzende ist heute Sabine Sütterlin-Waack, Geschäftsführer Dr. Richard Nägler.
Zu den früheren Trägern gehören Helmut Kohl, Roman Herzog, Joachim Gauck, Gerhard Stoltenberg, Friede Springer, Siegfried Lenz, Theo Waigel und Vitali Klitschko.
Günther lobt Merkels Staatskunst
In der Laudatio lobte Günther Merkels Bilanz. Merkel habe „an der Spitze der Bundesregierung unserer freiheitlichen Demokratie in einem stabilen Europa Gewicht und Stabilität gegeben“, sagte der Ministerpräsident.
„Heute, wo der Multilateralismus unter enormem Druck steht und wo internationale Verständigung immer schwerer erscheint, ist die Stabilität der Europäischen Union ein echtes Pfund – und vieles von dieser Stabilität verdanken wir Deinem Einsatz, verdanken wir Deiner Staatskunst.“
Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein (CDU)
Günther begründete sein Lob mit der angespannten Lage Europas. Während er Merkels Kanzlerzeit feierte, fiel die Rede der Geehrten anders aus: Merkel mahnte statt zu bilanzieren.
Von Augsburg nach Leipzig
Sechs Tage vor Kiel war Merkel schon einmal geehrt worden: Am 25. September 2026 erhielt sie im Augsburger Rathaus den Elisabethpreis der Caritas. Laudatorin war Sarah Bosetti.
Merkels Ehrungen im Herbst 2026
24. August 2026
Stiftung kündigt Preis für Merkel an
Die Hermann-Ehlers-Stiftung gibt bekannt, dass der Preis 2026 an Angela Merkel geht; Daniel Günther soll die Laudatio halten.
25. September 2026
Elisabethpreis in Augsburg
Merkel erhält im Augsburger Rathaus den Elisabethpreis der Caritas, Laudatorin ist Sarah Bosetti.
1. Oktober 2026
Feierstunde in Kiel
Im Konzerthaus am Schloss überreicht Sabine Sütterlin-Waack Urkunde und Blumenstrauß, Günther hält die Laudatio.
2. Oktober 2026
Berichte über die Verleihung
Mehrere Medien berichten über Merkels Warnung und ihr Eingeständnis zur „Ehe für alle“.
1. November 2026
Mendelssohn-Preis in Leipzig geplant
Die Verleihung des Internationalen Mendelssohn-Preises in der Kategorie „Europa“ ist im Gewandhaus vorgesehen.
Kritik an der Zahl der Ehrungen
Umfrage
Lädt
Merkels Mahnung richtete sich auch an die eigene Partei: In Kiel rief sie die CDU zum Brückenbauen auf. Der nächste Termin steht am 1. November 2026 an: Dann soll Merkel im Leipziger Gewandhaus den Internationalen Mendelssohn-Preis in der Kategorie „Europa“ erhalten.