Kroatien verschiebt Ankerpreis-Pflicht auf den 17. November
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Preistransparenz

Kroatien verschiebt Ankerpreis-Pflicht auf den 17. November

Drei Tage vor dem geplanten Start stoppt Kroatien die Ankerpreis-Pflicht. Restaurants, Friseure und Handwerker müssen den historischen Vergleichspreis erst ab dem 17. November ausweisen – bei Verstößen drohen bis zu 30.000 Euro Bußgeld.

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Drei Tage vor dem geplanten Start hat Kroatien die Ankerpreis-Pflicht gestoppt. Statt am 1. Oktober 2026 müssen Restaurants, Cafés, Friseure und Handwerksbetriebe den historischen Vergleichspreis erst ab dem 17. November 2026 ausweisen.

Beschlossen hat die Regierung die Regelung erst am 10. September 2026 im XI. Maßnahmenpaket gegen Preissteigerungen; veröffentlicht wurden beide Entscheidungen am 11. September im Amtsblatt Narodne novine Nr. 101/2026. Vorgeschrieben werden ein zweiter, historischer Preis auf jedem Etikett und maschinenlesbare Preislisten im Netz.

Am 29. September 2026 machte die Regierung die Notbremse und verschob die Anwendung auf den 17. November. Wirtschaftsminister Ante Šušnjar begründete den Schritt mit zu knapper Vorbereitungszeit und dem Verwaltungsaufwand für Händler, Gastronomen und Handwerker; der Bericht zur Verschiebung der Restaurant-Preisregel nennt die Gründe.

„Wenn sich herausstellt, dass wir eine Lösung zu weitreichend angelegt oder nicht genug Zeit für ihre Umsetzung gelassen haben, ist es verantwortungsvoll, dies zu korrigieren.“
Ante Šušnjar, Wirtschaftsminister Kroatien

Zwei Preise auf jedem Etikett

Im Kern verlangt die Regelung einen zweiten Preis: Neben dem aktuellen Preis muss der Ankerpreis stehen – der Wert, der am jeweiligen Referenzstichtag galt. Für Lebensmittel, Getränke, Kosmetik, Reinigungsmittel, Toilettenartikel und Haushaltswaren bleibt dafür der 2. Mai 2025 maßgeblich; für diese Warengruppen gilt schon seit Mai 2025 eine Vergleichspreis-Pflicht.

Für alle neu einbezogenen Produkte und Dienstleistungen galt der 10. September 2026 als Stichtag – und dieser Stichtag bleibt trotz der Verschiebung unverändert. Bis zum 17. November greift die Pflicht nur für die seit Mai 2025 erfassten Warengruppen.

Erstmals erfasst die Regelung danach auch Dienstleistungen: Restaurants, Cafés, Friseure, Kosmetikstudios, Kfz-Werkstätten, Handwerker, Mietwagen, Ausflüge und Fitnessstudios. Bei Rabattaktionen konnten bis zu vier Preise gleichzeitig auf einem Etikett stehen: der Aktionspreis, der reguläre Preis, der niedrigste Preis der letzten 30 Tage und der Ankerpreis.

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CSV oder XML statt PDF

Für Betriebe mit eigener Website wird die zweite Entscheidung konkret: Preislisten müssen als CSV- oder XML-Datei online stehen, PDF, Word oder Excel sind nicht zugelassen. Händler müssen die Liste täglich bis 8:00 Uhr aktualisieren, Dienstleister bei jeder Preisänderung; die Regeln für die digitalen Preislisten verlangen zudem, ältere Versionen 30 Tage abrufbar zu halten.

Verstöße kosten Geld. Kontrolliert wird vom Staatlichen Inspektorat: Unternehmen drohen Bußgelder von 3.000 bis 30.000 Euro, verantwortlichen Personen 1.000 bis 4.000 Euro, Handwerkern und Selbstständigen 1.000 bis 20.000 Euro.

Bußgeldrahmen bei Verstößen gegen die Ankerpreis-Pflicht (Höchstbeträge)

Kontrolliert wird vom Staatlichen Inspektorat

Quelle: Entscheidungen der kroatischen Regierung, Narodne novine 101/2026

Widerstand von Wirten und Handwerkern

Der Widerstand kam aus der Branche selbst. Am 17. September 2026 veranstaltete die Kroatische Handwerkskammer HOK ein Webinar zur Ankerpreis-Regelung, an dem mehr als tausend Handwerker teilnahmen.

Franz Letica, Präsident des Gastronomieverbands Zagreb, fasste die Aussicht auf bis zu vier Preise auf einer Speisekarte sarkastisch zusammen:

„Das wird eine lustige Szene an den Tischen.“
Franz Letica, Präsident des Gastronomieverbands Zagreb

Andere in der Branche verweisen auf die Ursachen. Željko Mihelić, Präsident der Landwirtschaftskammer HPK, betont, der Preis von Lebensmitteln beginne nicht im Geschäft. Marcel Majsan von eCommerce Hrvatska formuliert die Bedingung so: mehr Informationen für den Käufer, weniger Bürokratie für den Händler – dann könne der Ankerpreis ein nützliches Werkzeug sein.

Druck von unten gibt es ohnehin. Der Verband Glas poduzetnika hält trotz der Verschiebung an der für den 10. Oktober 2026 in Zagreb geplanten Unternehmer-Demonstration „Dosta je nameta“ fest.

Was am 17. November in Kraft tritt

Am 17. November 2026 soll die Ankerpreis-Pflicht dann für alle Produkte und erstmals für alle Dienstleistungen gelten. Zugleich treten zwei Verordnungen nach dem Verbraucherschutzgesetz in Kraft.

Chronologie der kroatischen Ankerpreis-Regelung

  1. 2. Mai 2025
    Erste Stufe der Preistransparenz

    Für Lebensmittel, Getränke, Kosmetik, Reinigungsmittel, Toilettenartikel und Haushaltswaren muss ein Vergleichspreis ausgewiesen werden; Referenzstichtag ist der 2. Mai 2025.

  2. 10. September 2026
    Regierung beschließt Ankerpreis und digitale Preislisten

    Im XI. Maßnahmenpaket gegen Preissteigerungen fallen zwei Entscheidungen; Referenzstichtag für neu einbezogene Produkte und Dienstleistungen ist der 10. September 2026.

  3. 11. September 2026
    Veröffentlichung im Amtsblatt

    Die beiden Entscheidungen erscheinen in Narodne novine Nr. 101/2026.

  4. 17. September 2026
    HOK-Webinar für Handwerker

    Mehr als tausend Handwerker nehmen an der Online-Schulung zur Ankerpreis-Regelung teil.

  5. 29. September 2026
    Regierung verschiebt den Start

    Drei Tage vor dem geplanten Beginn wird die Anwendung auf den 17. November 2026 verlegt.

  6. 1. Oktober 2026
    Geplanter Starttermin verstreicht

    Die Regelung gilt vorerst nur für die bereits seit Mai 2025 erfassten Warengruppen.

  7. 17. November 2026
    Neuer Anwendungstermin

    Die Pflicht gilt für alle Produkte und erstmals für alle Dienstleistungen; zugleich treten zwei Verordnungen nach dem Verbraucherschutzgesetz in Kraft.

Die Regierung kündigte für November eine dauerhafte Regelung mit „vernünftigen Ausnahmen“ an. Šušnjar hält die Richtung für richtig: „Die Verbraucher werden klarer sehen, wer und wann die Preise verändert hat – nach oben oder nach unten.“ Bis zum 17. November müssen Gastronomen, Händler und Handwerker ihre Karten und Preislisten umgestellt haben.