Die Linke will 220.000 Berliner Wohnungen vergesellschaften
Die Berliner Linke will rund 220.000 Wohnungen vergesellschaften. LEG-Chef Lars von Lackum berichtet, dass Investoren ihn im Ausland fragen, ob Deutschland auf dem Weg in den Sozialismus sei.
Die Berliner Linke will die privaten Investoren loswerden – und sagt es offen. „Wir haben gar kein Problem damit, wenn das private Kapital, wenn die Wohnungskonzerne und wenn die Investoren endlich nach Hause gehen und uns Berlinerinnen und Berliner, unsere Wohnungen, in Ruhe lassen“, sagt Martha Kleedörfer, stellvertretende Vorsitzende der Berliner Linken.
Die 27-Jährige führt den Kreisverband Berlin-Mitte und sitzt als direkt gewählte Abgeordnete für den Wahlkreis Mitte 6 im Abgeordnetenhaus. Am 1. Oktober berichtete WELT über Kleedörfers Absage an die privaten Investoren in der Hauptstadt.
Instagram · @marthriarchy
Für die Gegenseite ist daraus längst eine Standortfrage geworden. LEG-Chef Lars von Lackum berichtet, internationale Investoren fragten ihn in Melbourne, Hongkong und New York, ob Deutschland inzwischen auf dem Weg in den Sozialismus sei – eine Frage, die von Lackum als Äußerung von Investoren wiedergibt.
Rund 220.000 Wohnungen sollen an die Stadt gehen
Die Linke will in Berlin rund 220.000 Wohnungen in kommunale Hand überführen, in einigen Varianten sind es 240.000. Betroffen wären vor allem Vonovia und Deutsche Wohnen: Die beiden Konzerne halten zusammen etwa 130.000 Wohnungen in der Stadt.
An den Vonovia-Chef richtet Kleedörfer eine unverhohlene Drohung: „Die Linke wird ihm alles wegnehmen, was ihm lieb ist, seine Immobilien, sein Auto, seine Spielzeuge.“
Wohnungsbestände und Vergesellschaftungsziel in Berlin
Angaben in Wohnungen; LEG-Bestand bezieht sich auf Deutschland insgesamt
Quelle: WELT, dpa, Unternehmensangaben
Die Sorge der großen Vermieter
Lars von Lackum führt den Düsseldorfer Wohnkonzern LEG, den zweitgrößten privaten Vermieter Deutschlands mit rund 171.000 Wohnungen. Ende September wurde die Sorge des LEG-Chefs um die Enteignungsdebatte öffentlich.
Seine Geldgeber reagieren bereits. „Wenn ich in Melbourne oder in Hongkong oder in New York bei Investoren bin, lautet in den ersten zehn Minuten der Gespräche eine der häufig gestellten Fragen: Ist Deutschland inzwischen auf dem Weg in den Sozialismus?“, sagt von Lackum.
Die Kritik aus der Finanzbranche setzt genau dort an. BVK-Geschäftsführerin Ulrike Hinrichs hält den Kurs der Berliner Linken für widersprüchlich – und macht daraus eine Warnung an den Standort.
„Wer über Enteignung redet und gleichzeitig um privates Kapital wirbt, handelt widersprüchlich. Investoren haben die Wahl: Berlin, Paris, London oder die USA. Kapital ist scheu – und vor allem schnell.“
Ulrike Hinrichs, Geschäftsführerin des BVK
Ein Volksentscheid, der nie umgesetzt wurde
Der Streit hat eine Vorgeschichte. Am 26. September 2021 stimmten 59 Prozent der Berlinerinnen und Berliner im Volksentscheid „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ für die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne. Umgesetzt wurde das Votum nie.
Für Kleedörfer ist die Sache dennoch nicht erledigt: „Und es ist eine demokratische Pflicht, dass egal welche Regierung dieses Votum auch umsetzt.“
Von der Abstimmung zur Sondierung
26. September 2021
59 Prozent für die Vergesellschaftung
Beim Volksentscheid „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ stimmen 59 Prozent für die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne. Umgesetzt wird das Votum nicht.
21. September 2026
Die Linke wird stärkste Kraft
Bei der Abgeordnetenhauswahl erreicht die Linke 25,7 Prozent. Spitzenkandidatin Elif Eralp macht die Vergesellschaftung zur Koalitionsbedingung.
24. September 2026
Kleedörfer droht Vonovia
In einem Video kündigt die stellvertretende Landesvorsitzende dem Vonovia-Chef an, die Partei werde ihm alles wegnehmen.
29. September 2026
BILD warnt vor abwandernden Investoren
Unter dem Titel „Die Linke spielt mit dem Feuer“ berichtet BILD über Kleedörfers Vonovia-Drohung und Warnungen des BVK.
30. September 2026
LEG-Chef äußert große Sorge
Lars von Lackum berichtet von Investoren, die nach Deutschlands Weg in den Sozialismus fragen.
1. Oktober 2026
Sondierung endet ergebnislos
WELT berichtet über Kleedörfers Video. Linke, Grüne und SPD beenden ihr erstes Sondierungsgespräch ohne Ergebnis.
2. Oktober 2026
Gespräche sollen weitergehen
Deutschlandfunk meldet, die drei Parteien wollten die Gespräche fortsetzen.
Am 1. Oktober beendeten Linke, Grüne und SPD ihr erstes Sondierungsgespräch in Berlin ergebnislos. Am Tag darauf meldete Deutschlandfunk, die drei Parteien wollten die Gespräche fortsetzen.
Umfrage
Lädt
Spitzenkandidatin Elif Eralp hat die Vergesellschaftung zur Koalitionsbedingung gemacht.
Damit hängt der Ausgang der Sondierung an der Wohnungsfrage. Kleedörfer will die Investoren loswerden, von Lackum warnt, dass Investoren ihr Kapital schnell abziehen könnten. Offen ist, ob Berlin am Ende 220.000 Wohnungen übernimmt – oder die Koalitionsgespräche an genau dieser Forderung scheitern.