Berliner Linke verlangt Unterlassungserklärung von Hagel
Bild: KI-generiert
Polizei-Abwerbung

Berliner Linke verlangt Unterlassungserklärung von Hagel

Die Berliner Linke lässt Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) eine strafbewehrte Unterlassungserklärung zustellen – wegen seiner „Clan-Bürgermeisterin“-Attacke auf Elif Eralp und seines Abwerbeangebots an Berliner Polizisten. Hagel will nicht unterschreiben.

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Der Berliner Landesverband der Linken hat Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) eine strafbewehrte Unterlassungsverpflichtungserklärung geschickt. Aus Hagels Umfeld hieß es in der Meldung zur Unterlassungsforderung gegen den Minister, er werde das Schriftstück nicht unterzeichnen.

Absender ist eine Anwaltskanzlei, die im Auftrag der Berliner Linken handelt. Der neunseitige Schriftsatz liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Darin verlangen die Anwälte von dem Minister, die beanstandeten Äußerungen zu unterlassen – verbunden mit einer Vertragsstrafe für den Fall, dass er sie wiederholt.

Neun Seiten Vorwurf gegen den Minister

Die Anwälte Jasper Prigge und Sascha Wolf werfen Hagel vor, in seiner Amtsfunktion gegen das Recht der Linken auf Chancengleichheit im politischen Wettbewerb verstoßen zu haben. Staatliche Organe seien nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zur Neutralität verpflichtet, argumentieren sie in dem Papier.

Auslöser der Abmahnung ist auch Hagels Attacke auf Elif Eralp (Die Linke). Er nannte sie eine „linke Clan-Bürgermeisterin“, die der Polizei Mittel und Befugnisse nehmen wolle. Eralp will nach dem Wahlsieg vom 20. September Regierende Bürgermeisterin werden.

„Die Berliner Polizei ist zu schade für eine linke Clan-Bürgermeisterin, die ihr Mittel und Befugnisse nehmen will. Bei uns in Baden-Württemberg wissen wir, was wir an unseren Polizistinnen und Polizisten haben.“
Manuel Hagel, Innenminister von Baden-Württemberg (CDU)

25,7 Prozent für die Linke

Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September wurde die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft. Die CDU kam auf 18,8 Prozent, die AfD auf 16,3 Prozent, die Grünen auf 14,3 Prozent und die SPD auf 12,1 Prozent. Seit dem 1. Oktober führen Linke, Grüne und SPD Vorgespräche über eine rot-grün-rote Koalition.

Ergebnis der Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026

Stimmenanteile in Prozent

Quelle: dpa

Nach dem zweiten Vorgespräch erklärten die drei Parteien am 3. Oktober, man habe sich auf einen „gemeinsamen Weg“ verständigt und wolle in der kommenden Woche ein Ergebnis vorlegen. Bereits kurz nach der Wahl hatte die Linke SPD und Grüne zu Sondierungen eingeladen.

Polizisten wechseln tatsächlich

Der GdP-Landesvorsitzende Stephan Weh bestätigte am 29. September, dass Polizisten die Abwerbeangebote mehrerer Bundesländer wahrnehmen. Zu diesen Ländern gehört Baden-Württemberg: Hagel hatte Berliner Polizisten zum Wechsel nach Baden-Württemberg eingeladen.

Die Offerte hatte Hagel am 22. und 23. September in der „Bild“ veröffentlicht und mit der Attacke auf Eralp verbunden. Die Linke-Bundesvorsitzende Ines Schwerdtner nannte es einen Missbrauch öffentlicher Mittel, wenn über offizielle Ministeriumskanäle mit Steuergeld Propaganda gegen die Linke gemacht werde.

Vom Berliner Wahlsieg zur Unterlassungsforderung

  1. 20. September 2026
    Wahlsieg der Linken in Berlin

    Die Linke wird mit 25,7 Prozent stärkste Kraft, die CDU kommt auf 18,8 Prozent, die AfD auf 16,3 Prozent.

  2. 22./23. September 2026
    Hagel wirbt um Berliner Polizisten

    In der „Bild“ bietet der Innenminister Berliner Beamten einen Wechsel nach Baden-Württemberg an und nennt Elif Eralp eine „linke Clan-Bürgermeisterin“.

  3. 29. September 2026
    GdP bestätigt die Wechsel

    Der GdP-Landesvorsitzende Stephan Weh sagt, Polizisten nähmen die Abwerbeangebote mehrerer Bundesländer wahr.

  4. 30. September 2026
    Anwälte fordern Unterlassung

    Die taz berichtet, die Vertreter der Berliner Linken verlangten eine Unterlassungserklärung und drohten mit Klage; die Frist sei Donnerstag.

  5. 1. Oktober 2026
    Vorgespräche in Berlin

    Linke, Grüne und SPD beginnen ihr erstes Dreier-Vorgespräch über eine mögliche rot-grün-rote Koalition.

  6. 2. Oktober 2026
    Hagel will nicht unterschreiben

    Die dpa meldet, der Minister habe die Erklärung erhalten; aus seinem Umfeld heißt es, er werde sie nicht unterzeichnen.

  7. 3. Oktober 2026
    „Gemeinsamer Weg“ in Berlin

    Linke, Grüne und SPD erklären nach dem zweiten Vorgespräch, sie wollten in der kommenden Woche ein Ergebnis vorlegen.

Frist verstrichen, Klage offen

Schon am 30. September berichtete die taz über die anwaltliche Forderung an Hagel: Die Frist für die Unterlassungserklärung lief bis Donnerstag, den 1. Oktober. Für den Fall der Weigerung drohten Prigge und Wolf mit einer Klage.

Dieser Donnerstag ist verstrichen, eine Unterzeichnung liegt nicht vor. Ob die Berliner Linke nun vor Gericht zieht, ist offen. Sollte sie klagen, müsste ein Gericht entscheiden, ob Hagel mit seinen Äußerungen die Neutralitätspflicht verletzt hat, auf die sich die Anwälte berufen.

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