Linke lädt SPD und Grüne zu Sondierungen ein – die SPD zögert
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Regierungsbildung

Linke lädt SPD und Grüne zu Sondierungen ein – die SPD zögert

Die Linke hat die Berliner Abgeordnetenhauswahl mit 25,7 Prozent gewonnen und SPD und Grüne zu Sondierungen eingeladen. Ob daraus eine rot-rot-grüne Regierung wird, ist offen: Die SPD lehnt Enteignungen und die Abschaffung des Verfassungsschutzes ab, die Grünen verlangen eine klare Abgrenzung der Linken von Extremismus und Clan-Verbindungen.

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25,7 Prozent – und ein Anspruch, der Berlin verändern würde: Die Linke hat die am 20. September klar gewonnen und will das Rote Rathaus erobern. Auf einem Sonderparteitag am Freitagabend, dem 25. September, stimmten die Delegierten mit breiter Mehrheit dafür, Grüne und SPD zu Sondierungsgesprächen einzuladen – die Entscheidung des Linken-Parteitags für Sondierungen.

Die bisherige CDU/SPD-Koalition hat damit ihre Mehrheit verloren. Hinter der Linken landeten die CDU mit 18,8 Prozent, die AfD mit 16,3, die Grünen mit 14,3 und die SPD mit nur 12,1 Prozent. Spitzenkandidatin Elif Eralp soll erstmals die Regierende Bürgermeisterin stellen. Rechnerisch möglich wären auch CDU, Grüne und SPD – doch das gilt nur als Ausweichlösung, falls Rot-Rot-Grün scheitert.

Ergebnis der Berliner Abgeordnetenhauswahl 2026

Stimmenanteile in Prozent

Quelle: tagesschau.de, zdfheute.de, 20. September 2026

SPD sagt Ja – und baut Hürden auf

Der SPD-Landesvorstand beschloss am Samstagabend, dem 26. September, einstimmig, die Einladung der Linken anzunehmen. Laut dem Beschluss der Berliner SPD zum Sondierungsteam sollen dem Gremium bis zu fünf Personen angehören, darunter die beiden Landesvorsitzenden Bettina König und Steffen Krach sowie Derya Çağlar für die Fraktion.

Krach hatte vor der Entscheidung gebremst. Aus Sondierungen würden nicht automatisch Koalitionsverhandlungen, sagte der Spitzenkandidat. Die Linke will dagegen zunächst getrennt mit Vertretern der Grünen und der SPD sprechen und danach in Dreierrunden weiterverhandeln. Sein Fazit vor dem Start:

„Es gibt durchaus sehr hohe Hürden. Ehrlich gesagt, die letzten Tage waren jetzt auch nicht so, dass sie absolut vertrauensbildend waren.“
Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat Berlin

Grüne stimmen zu und stellen Bedingungen

Die Berliner Grünen hatten ihre Bereitschaft bereits unter der Woche erklärt; ihr Landesvorstand benannte ein Sondierungsteam aus den Spitzenkandidaten Werner Graf und Bettina Jarasch sowie den Landesvorsitzenden Nina Stahr und Philmon Ghirmai. Erste informelle Gespräche mit der Linken hatte es Mitte der Woche gegeben.

Grünen-Bundesvorsitzende Franziska Brantner knüpft die Gespräche an Auflagen: Sie verlangt ein Bekenntnis zum Existenzrecht Israels, die Benennung der Hamas als Terrororganisation und lehnt die Abschaffung von Verfassungsschutz und Polizei ab. Für die Ressorts einer rot-grün-roten Regierung nennt sie eine klare Bedingung.

„Ich persönlich kann mir schwer vorstellen, dass die Linkspartei das Innen- oder Justizressort führt, solange es in der Partei Menschen mit Verbindungen zur organisierten Kriminalität oder zu extremistischen Kräften gibt.“
Franziska Brantner, Bundesvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen

Antisemitismus-Vorwürfe und ein Eklat um die Polizei

Überschattet wurde der Parteitag von schweren Antisemitismus-Vorwürfen. Auslöser war eine Linken-Wahlparty in Neukölln, zu der ein Oberhaupt eines teils kriminellen arabischstämmigen Clans und ein propalästinensischer Aktivist kamen; der Aktivist soll der als Terrororganisation eingestuften Volksfront zur Befreiung Palästinas nahestehen. Unter Druck steht auch der Neuköllner Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak wegen Chats mit einem Clan-Angehörigen. Landeschefin Kerstin Wolter räumte Fehler ein; Eralp nannte die Vorwürfe „Stimmungsmache“.

„Jüdische Menschen müssen sich in unserer Stadt sicher fühlen.“
Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Linken Berlin

Für neuen Zündstoff sorgte die Jugendorganisation: Am 27. September bezeichnete die Linksjugend Solid Berlin die Polizei in einem Beitrag als „kriminellen Clan“. Anlass war eine Schüler-Demonstration gegen die Wehrpflicht mit rund 3.400 Teilnehmenden und 16 vorübergehenden Festnahmen. Innensenatorin Iris Spranger nannte das eine „politische Dummheit“ und forderte eine Entschuldigung bei der Polizei; Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sprach von einer „völligen Entgleisung“.

Widerstand in der SPD und Streit um Wohnungen

In der SPD wächst der Widerstand gegen eine Regierung unter Führung der Linken. Die früheren Regierenden Bürgermeister Michael Müller und Walter Momper warnten vor der Aufnahme von Sondierungen, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke nannte die Linke ein „Sicherheitsrisiko für die Hauptstadt“. CDU/CSU-Fraktionschef Thorsten Frei warnte, SPD und Grüne dürften nicht auf „Lockangebote“ hereinfallen. Dagegen wirbt die stellvertretende SPD-Landesvorsitzende Cansel Kiziltepe für Koalitionsverhandlungen.

Strittig bleiben zwei Felder: Die Linke will gestützt auf den Volksentscheid von 2021 rund 220.000 Wohnungen in kommunale Hand bringen – wie die Linke Wohnungskonzerne vergesellschaften will. Krach lehnt Enteignungen ab, die Grünen signalisieren Zustimmung. Bei der Inneren Sicherheit will die Linke den Verfassungsschutz abschaffen und die Polizeibefugnisse begrenzen; SPD und Grüne lehnen das ab. Beginnen sollen die Gespräche am 1. Oktober – zunächst als gemeinsames Vorgespräch, nicht als förmliche Sondierung.

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