Ukraine erobert bei Oleksandrivka 746 Quadratkilometer zurück
Zwei Jahre lang zerstörten russische Drohnen ukrainische Panzer oft schon weit hinter der Kontaktlinie. Jetzt kombiniert Kiew Drohnen, elektronische Kampfführung und Infanterie – im Abschnitt Oleksandrivka wurden 746 Quadratkilometer und 26 Siedlungen zurückerobert.
Mehr als zwei Jahre lang waren ukrainische Panzer an der Front leichte Beute: Sie waren besonders verwundbar, wenn sie sich weit hinter der Kontaktlinie bewegten. Jetzt rollen die schweren Fahrzeuge wieder nach vorn – der Beginn einer neuen Taktik, die Berichte vom 2. bis 4. Oktober 2026 beschreiben.
Russische Drohnen hatten den Streifen hinter der Front in eine Todeszone verwandelt: Wer sich dort mit schwerem Gerät bewegte, wurde entdeckt und binnen kurzer Zeit angegriffen. Für Panzer war dieser Raum kaum passierbar.
Die neue Methode kombiniert drei Elemente: Drohnen für Aufklärung und Angriff, elektronische Kampfführung gegen die russischen Fluggeräte – teils mit Hacker-Methoden gegen deren Steuerung – und Infanterie, die vorrückt und Gelände sichert. Erst danach fahren die Panzer.
Der bislang deutlichste Erfolg liegt im Abschnitt Oleksandrivka: Rund 746 Quadratkilometer Territorium und 26 Siedlungen wurden dort zurückerobert, wie der Bericht zu den Geländegewinnen bei Oleksandrivka zeigt – binnen zwei Monaten, in denen mehr als 2.600 russische Soldaten getötet wurden.
Acht Monate Vorbereitung
Der Weg dorthin war lang: Acht Monate dauerte es, die Panzer in diesen Frontabschnitt zu verlegen. Der Aufmarsch begann nicht mit Panzern, sondern mit Angriffen auf russische Drohnenstellungen – auf genau jene Einheiten, die die Todeszone überhaupt erst aufspannten.
Britische Challenger-2-Panzer spielten bei der großen Gegenoffensive in dem Abschnitt eine Schlüsselrolle. Der Einsatz gilt als Beleg, dass die Kombination aus Drohnen, Störangriffen und Infanterie schwerer Panzertechnik wieder Wege öffnet – nach zwei Jahren, in denen Panzer nahe der Frontlinie systematisch zerstört wurden.
Zwei Panzer gegen eine Stellung
Ein Beispiel aus dem Kleinen liefert ein Angriff bei Vilkhuvatka in der Region Charkiw. Zwei Panzer des 475. Angriffsregiments „Code 9.2“ griffen eine russische Stellung an, unterstützt von Drohnen, wie der Bericht über den Panzerangriff bei Vilkhuvatka beschreibt.
Entscheidend ist die Reihenfolge: Drohnen binden die russische Aufklärung, Störsender drücken die Steuerung, Infanterie hält das Gelände, die Panzer liefern die Feuerkraft. Dass Drohnen den Kampf an dieser Front bestimmen, zeigt auch Oberst Reisners Einschätzung zur ukrainischen Drohnenmauer: Selbst 300.000 zusätzliche russische Soldaten würden sie nicht überwinden.
Umfrage
Lädt
Wie weit trägt die Taktik?
Offen bleibt, wie belastbar der Erfolg ist. Die 746 Quadratkilometer und 26 Siedlungen liegen in einem einzigen Frontabschnitt, und die Verlegung der Panzer dauerte acht Monate. Zugleich liegt die Abschussquote bei russischen Jet-Drohnen nur noch bei gut 60 Prozent – der Luftraum bleibt umkämpft.
Für weitere Abschnitte müssten dieselben Voraussetzungen erst geschaffen werden: Drohnenstellungen bekämpfen, Steuerung stören, Infanterie vorschieben. Ob Russland der Ukraine dafür erneut acht Monate lässt, entscheidet, wie weit die Panzer in diesem Herbst noch rollen.