Medwedew droht USA mit Weltraumkrieg wegen Rasswet-Blockade
Dmitri Medwedew droht mit einem Krieg im All, falls Russlands Satellitennetz Rasswet blockiert wird – und mit dem Absturz amerikanischer Starlink-Satelliten. Auslöser ist Selenskyjs Bitte an Donald Trump um Sanktionen.
Dmitri Medwedew droht mit einem Krieg im All. Die Blockade der russischen Satellitenkonstellation Rasswet bedeute deren Zerstörung – und führe zu einem „vollwertigen Weltraumkrieg“. Das steht in dem Bericht über die russische Drohung im Weltraum.
Auslöser ist ein Interview, das der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am 3. Oktober der „Financial Times“ gab. Darin bat er Donald Trump „mehrmals“ – zuletzt am Rande der UN-Generalversammlung in New York – um Sanktionen gegen russische und chinesische Unternehmen, die an Rasswet beteiligt sind.
Das System könne „Ende des Jahres oder Anfang des nächsten Jahres“ in Betrieb gehen, sagte Selenskyj. Medwedew nannte ihn dafür einen „Kiewer Idioten“. Am Nachmittag des 4. Oktober meldete die Nachrichtenagentur dpa-AFX seine Äußerungen.
Drohung an Washington
Die Warnung richtet sich an Washington. Sie zielt auf das Satellitennetz, dessen militärischen Wert beide Seiten kennen: Anfang Februar 2025 hatte SpaceX den Zugang zu Starlink für Moskaus Streitkräfte gesperrt – laut US-Militär und Geheimdiensten eine entscheidende Schwächung der russischen Kriegsführung. Um die Freigabe für ukrainische Angriffe ringt Kiew weiter, wie der Streit um Musk und die Starlink-Freigabe für Drohnenangriffe zeigt.
„Sollte es Donald Trump wagen, dieser Bitte nachzukommen, so müssen die Vereinigten Staaten damit rechnen, dass ihre niedrig fliegenden Starlink-Satelliten herunterfallen wie Spielzeug von einem vertrockneten Weihnachtsbaum. Der Weltraum ist ein sehr enger Ort, man muss gegenseitig höflich sein.“
Dmitri Medwedew, Vizechef des russischen Sicherheitsrates
Chinas Regierung, der Kreml und das Weiße Haus reagierten auf die Angaben zunächst nicht, SpaceX und Elon Musk äußerten sich nicht. Medwedew hatte erst Mitte September nach neuen US-Sanktionen militärische Abschreckung gefordert – der Ton gegenüber Washington ist seit Monaten rau.
Rasswet hinkt Starlink hinterher
Betreiber von Rasswet ist das Unternehmen Bureau 1440. Russland brachte im März 2025 die ersten 16 Satelliten mit Sojus-Raketen vom Kosmodrom Plessezk in erdnahe Umlaufbahnen, am 19. Juli 2025 folgten nach ukrainischen Angaben weitere 16. dpa nennt für die Umlaufbahnen rund 800 Kilometer; nach Angaben aus Kiew erreichte die Juli-Charge bis Ende August keine ausreichende Höhe.
Putin behauptet, Rasswet stehe Starlink technisch „in nichts nach“. Eine vertrauliche Analyse der Bundeswehr zu Rasswet hält dagegen: Frühestens Ende 2027 werde das System mit 288 Satelliten „sehr wahrscheinlich nur eine bedingte Einsatzbereitschaft“ erreichen. Starlink hat bereits mehr als 10.000 bis 11.100 Satelliten im Orbit.
Von den Testsatelliten zur Weltraumkriegs-Drohung
Juni 2023
Erste Rasswet-Testsatelliten
Drei Testsatelliten des Systems Rasswet-1 werden ins All gebracht.
2024
Rasswet-2 erprobt Laserkommunikation
Drei weitere Satelliten folgen; Putin verweist später auf diese Starts.
23. März 2026
Erste operative Satelliten starten
16 Rasswet-Satelliten heben mit Sojus-Raketen vom Kosmodrom Plessezk ab.
19. Juli 2026
Zweite Gruppe von 16 Satelliten
Nach ukrainischen Angaben erreicht bis Ende August keiner die erwartete Höhe.
Ende August 2026
Kiew fordert Ausschluss bei der ITU
Außenminister Andrij Sybiha bittet die Internationale Fernmeldeunion, ukrainisches Gebiet von der Rasswet-Abdeckung auszunehmen.
3. Oktober 2026
Selenskyjs Bitte an Trump
Im Interview mit der Financial Times fordert er Sanktionen gegen russische und chinesische Rasswet-Unternehmen.
4. Oktober 2026
Medwedews Drohung
Der Vizechef des Sicherheitsrates warnt vor einem vollwertigen Weltraumkrieg und dem Absturz von Starlink-Satelliten.
Sanktionen gegen Rasswet
Kiew setzt parallel auf Sanktionen und Verbote. Außenminister Andrij Sybiha rief alle Partner auf, Schritte zu unternehmen, damit Rasswet nicht funktioniert – nicht nur über ukrainischem Territorium, sondern auch über dem souveränen Gebiet anderer Länder. Die EU nahm Rasswet am 23. Juli in ihr 21. Sanktionspaket auf.
Selenskyj sieht auch China auf russischer Seite. Im Interview mit der „Financial Times“ sagte er:
„Wir wissen, dass China an Satelliten arbeitet und daran, Russland beim Aufbau eines Starlink-Äquivalents zu unterstützen.“
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Ob Moskau tatsächlich über einsatzfähige Antisatelliten-Waffen verfügt, ist nicht belegt – die Drohung kann Rhetorik sein. Offen ist auch, ob Trump auf Selenskyjs Bitte eingeht. Geht Rasswet nach Selenskyjs Prognose Ende des Jahres oder Anfang 2027 in Betrieb, stehen sich zwei Satellitennetze gegenüber – und Moskau hat nicht gesagt, was es dann tut.