Jemens Regierung will 100.000 Soldaten gegen die Huthis aufbieten
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Bürgerkrieg

Jemens Regierung will 100.000 Soldaten gegen die Huthis aufbieten

Raschad al-Alimi hat am 4. Oktober 2026 eine Großoffensive gegen die Huthi-Miliz verkündet – mit mehr als 100.000 Soldaten. Die Miliz kontrolliert seit September die gesamte Rotmeerküste samt Bab al-Mandab und schnitt am Tag der Ankündigung die Straße Taiz – Aden ab.

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Mehr als 100.000 jemenitische Soldaten sollen die Huthi-Miliz von der Küste des Roten Meeres zurückdrängen: Jemenitische Bodentruppen führen, Saudi-Arabien steuert Luftschläge bei, die USA liefern Aufklärungsdaten. Am Sonntag, dem 4. Oktober 2026, verkündete die international anerkannte Regierung den Beginn umfassender Militäroperationen gegen die Miliz.

Verkündet hat sie Raschad al-Alimi, Vorsitzender des Präsidialen Führungsrats, in einer im regierungsnahen Sender Yemen TV übertragenen Ansprache. Als Begründung nannte er, dass alle Möglichkeiten zur Deeskalation ausgeschöpft seien – der Beginn der Militäroperationen gegen die Huthis.

Bis das Land von den Huthis befreit ist

Den vom Iran unterstützten Huthis warf al-Alimi vor, mit Mobilmachung, Angriffen und Drohungen gegen Zivilisten, staatliche Einrichtungen, Nachbarländer und internationale Schifffahrtsrouten zu reagieren. Er habe die Streitkräfte, die Sicherheitskräfte und alle militärischen Verbände angewiesen, ihre Aufgaben nach einem genehmigten Plan auszuführen, bis das Land von den Huthis befreit sei.

„In seiner Ansprache erklärte al-Alimi: „Heute verkünde ich den Beginn von Militäroperationen, um das restliche Territorium der Republik zurückzugewinnen und der staatlichen Autorität sowie den Institutionen auf dem gesamten Staatsgebiet wieder Geltung zu verschaffen.““
Raschad al-Alimi, Vorsitzender des Präsidialen Führungsrats

Al-Alimi sprach von nationaler Verantwortung, um der „terroristischen Huthi-Miliz“ entgegenzutreten. Der Jemen-Redakteur des Senders Al Jazeera, Ahmed Al Shalafi, liest die Ansprache als Kriegserklärung: Sie richte sich an das gesamte jemenitische Volk, unabhängig davon, ob es in Huthi- oder in staatlich kontrollierten Gebieten lebe.

Wie die Huthis die Rotmeerküste eroberten

Der Ankündigung vorausgegangen war eine Blitzoffensive der Huthis am 10. und 11. September 2026: Sie brachten die gesamte jemenitische Rotmeerküste samt der Hafenstadt Mokka und der Meerenge Bab al-Mandab unter ihre Kontrolle. Seit der Eroberung von Mokka und Bedrohung der Schifffahrt kontrollieren sie den nördlichen Zugang der Meerenge, über die internationale Schifffahrtsrouten führen.

Am 4. Oktober, dem Tag der Ansprache, schnitten die Huthis zudem die Versorgungsstraße zwischen Taiz und Aden ab. Farea Al-Muslimi, Forscher beim Thinktank Chatham House, sagte, sie hätten ihr militärisches Ziel erreicht, Taiz von Aden zu isolieren, auch wenn sie die Stadt nicht vollständig unter Kontrolle gebracht hätten.

Von der Eroberung Sanaas bis zur Großoffensive

  1. 2014
    Huthis erobern Sanaa

    Die Huthis nehmen die Hauptstadt Sanaa ein und vertreiben die international anerkannte Regierung, die sich nach Aden zurückzieht; der Bürgerkrieg beginnt.

  2. 2015
    Saudi-Arabien greift ein

    Saudi-Arabien greift an der Spitze einer arabischen Militärkoalition zugunsten der international anerkannten Regierung in den Krieg ein.

  3. 2022
    Waffenstillstand

    Ein Waffenstillstand zwischen den Kriegsparteien hält weitgehend bis 2026.

  4. Juli 2026
    Waffenstillstand zerbricht

    Die Kämpfe zwischen Huthis und Regierungstruppen intensivieren sich, Hunderttausende werden vertrieben.

  5. 10./11. September 2026
    Huthis erobern die Rotmeerküste

    Die Miliz nimmt die Hafenstadt Mokka und die gesamte jemenitische Rotmeerküste einschließlich der Meerenge Bab al-Mandab ein.

  6. 2. Oktober 2026
    Bericht über saudische Offensivpläne

    Reuters berichtet unter Berufung auf sechs mit den Vorbereitungen vertraute Personen, Saudi-Arabien erwäge einen begrenzten Angriff um Bab al-Mandab oder eine Offensive an mehreren Fronten.

  7. 4. Oktober 2026
    Al-Alimi verkündet die Großoffensive

    Der Regierungschef kündigt umfassende Militäroperationen an allen Frontlinien an; die Huthis schneiden die Versorgungsstraße Taiz – Aden ab.

257 Schläge an einem Tag

Die Regierungsstreitkräfte meldeten 257 Präzisionsschläge innerhalb eines Tages, unter anderem in Sanaa, Midi, Baqim, Al-Dschauf, Marib, Al-Bayda und Lahj. Nach ihren Angaben wurden dabei mindestens 700 Huthi-Kämpfer getötet; die Zahlen stammen von der Regierungsseite.

Die Huthis erklärten ihrerseits, mit ballistischen Raketen und Drohnen Aramco-Anlagen in Riad und Khurais angegriffen zu haben. Die von Saudi-Arabien geführte Koalition meldete am Vortag den Abschuss von zwei ballistischen Raketen und vier Drohnen über Chamis Muschait und Dschasan – und Mitte September den Abschuss einer Huthi-Drohne bei Mekka, den die Huthis als Lüge bezeichneten.

„In ihrer Erklärung zu den Angriffen erklärten die Huthis: „Beide Operationen haben ihre Ziele erfolgreich erreicht. Die Angriffe waren präzise und verursachten große Brände an den Zielorten.““
Yahya Saree, Militärsprecher der Huthi

Hunger in drei von vier Familien

Die humanitäre Lage ist katastrophal: Nach UN-Angaben sind rund 150.000 Menschen vor der Gewalt geflohen, das Welternährungsprogramm meldet Hunger in drei von vier Familien in Teilen des Landes. In und um Taiz starben binnen eines Tages mehr als 70 Menschen, wie der Bericht über die Opfer in Taiz zeigt.

Der frühere US-Botschafter in Saudi-Arabien, Michael Ratney, hält fest, dass die Regierungsseite zum Zustand vor der Huthi-Kontrolle entlang Bab al-Mandab zurückkehren müsse. Der Verteidigungsanalyst Ibrahim Jalal sieht den Grund für die Offensive dagegen in einer Pattsituation, die seit rund sechs Jahren in der Schwebe hängt und eine entscheidende Schlacht nötig mache. Ob sie die Huthis von der Meerenge verdrängt, ist offen.

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