Franca Lehfeldt verteidigt frühe Rückkehr in den Job nach der Geburt
Bild: KI-generiert
Mutterdebatte

Franca Lehfeldt verteidigt frühe Rückkehr in den Job nach der Geburt

Vier Wochen nach der Geburt saß Franca Lehfeldt (37) wieder im Arbeitstermin – sie sagt, sie müsse Gehälter bezahlen. In ihrem Buch fordert sie Regeln für Mom-Influencerinnen und verteidigt, nicht gestillt zu haben.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Vier Wochen nach der Geburt ihrer Tochter saß Franca Lehfeldt wieder in einem Arbeitstermin. In dem t-online-Interview über ihr Leben als Mutter nennt sie dafür keinen Karriereplan, sondern Geld. Ihre Arbeit sei Leidenschaft, aber kein Hobby.

„Klar, meine Arbeit ist Leidenschaft, ich bin Verfechterin des Leistungsprinzips. Aber sie ist kein Hobby, ich muss Gehälter bezahlen und meinen Lebensunterhalt verdienen.“
Franca Lehfeldt, Journalistin und Autorin

„Das erste Halbjahr haben mein Mann und ich uns die Betreuung ohne Hilfe geteilt“, sagt Lehfeldt. Aktuell ist die im April 2025 geborene Tochter tagsüber bei einer Tagesmutter. Dass ihr Mann ab Woche vier an drei Tagen pro Woche allein mit dem Kind war, gehört für sie zu den Voraussetzungen dieser Aufteilung.

Daraus formuliert sie eine Bedingung an andere Familien: „Wer teilen will, muss den Vater auch machen lassen.“ Dass der Alltag trotzdem Dauerabstimmung bleibt, bestreitet sie nicht: „Es geht nicht um Perfektion, es geht um Teamwork. Und das ist Termin-Mikado.“

Der frühe Arbeitstermin im Mai 2025, vier Wochen nach der Geburt, hatte heftige öffentliche Kritik ausgelöst. Lehfeldt hält die Erwartung dahinter für das eigentliche Problem – nicht die einzelne Entscheidung.

Warum sie nicht stillte

Lehfeldt entschied sich bewusst gegen das Stillen, damit die Elternschaft auch nachts geteilt werden kann. Die Tochter sollte nicht allein an die Mutter gebunden sein, die Nächte nicht allein an sie. Was für sie eine praktische Frage war, ist für viele eine Glaubensfrage.

„Meine Gynäkologin sagte mir, ich müsse nicht stillen, solle es aber besser niemandem sagen.“
Franca Lehfeldt, Journalistin und Autorin

Der Satz der Ärztin steht für Lehfeldt sinnbildlich für ein Korsett: Stillen gilt vielen nicht als Entscheidung, sondern als Pflicht, über die man nicht offen spricht. Wer es anders macht, muss mit Widerspruch rechnen.

Lehfeldt steht damit nicht allein. Panagiota Petridous jahrelanger Streit ums Stillen zeigt, wie stark die Debatte an einzelnen Frauen hängt – und wie lange sie nachwirkt.

Ein Buch gegen alte Rollenmuster

Am 2. Oktober 2026 erschien im Piper Verlag ihr Buch „Gute Mütter, schlechte Mütter. Eine Streitschrift gegen alte Rollenmuster und übergriffige Erwartungen“: 288 Seiten, 20 Euro. Zwei Tage später folgte das t-online-Interview, in dem Lehfeldt die Thesen auf die eigene Familie anwendet.

Ihr Kernsatz richtet sich an beide Seiten der Debatte – an die Verfechter der Hausfrauenrolle wie an die, die Berufstätigkeit als Emanzipationsbeweis lesen:

„Eine Frau ist nicht weniger emanzipiert, wenn sie zu Hause bleibt, und wenn sie arbeitet, ist sie keine Rabenmutter.“
Franca Lehfeldt, Journalistin und Autorin

Ihr Buch verschiebt die Frage von der einzelnen Person auf die Bedingungen, unter denen Mütter entscheiden. Konkret macht Lehfeldt das an drei Stellschrauben fest.

13 Uhr Kita-Schluss, 24 Prozent Rentenlücke

Drei Stellschrauben nennt Lehfeldt, die Mütter benachteiligen: Kita-Schließzeiten um 13 Uhr, die Steuerklasse V und der Gender-Pension-Gap von 24 Prozent. Ohne Hinterbliebenenrente liegt die Lücke sogar bei 36 Prozent.

Schon vor dem Buch stand Lehfeldts Kritik am Preis der Wahlfreiheit für Mütter im Zentrum ihrer Auftritte. Ihre These: Deutschland behaupte nur, Frauen hätten die Wahl – den Preis zahlten sie allein.

Umfrage
Lädt

Regeln für Mom-Influencerinnen

Für Mom- und Family-Influencing fordert Lehfeldt einen Rechtsrahmen: Die Einnahmen der Kinder sollen treuhänderisch gesichert werden, die Kinder ein durchsetzbares Recht am eigenen Bild mit Löschanspruch bei Volljährigkeit bekommen, dazu Schutzstandards wie im Jugendarbeitsschutz. Ihre Forderung nach strengeren Regeln für Momfluencerinnen hat sie öffentlich gemacht.

Ihre Forderung ist älter als das Buch: Schon im ZEIT-Interview vom 24. September 2026 verlangte Lehfeldt strengere Regeln für Eltern, die im Netz mit ihren Kindern Geld verdienen. Ob bereits ein Gesetzentwurf vorliegt, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor.

Ob aus ihren Vorstößen ein Rechtsrahmen wird, entscheidet sich nicht im Piper Verlag, sondern bei Bund und Ländern. Und für das Tempo, in dem Mütter nach einer Geburt zurück in den Job gehen, hat Lehfeldt kein Modell – dort bleibt vorerst ihr eigenes Beispiel und der Widerspruch, den es auslöst.