Niedrigwasser lässt Phosphor-Bombe am Rheinufer in Neuss brennen
Bild: KI-generiert
Kampfmittelfund

Niedrigwasser lässt Phosphor-Bombe am Rheinufer in Neuss brennen

Das Rekord-Niedrigwasser des Rheins legt immer mehr Weltkriegsmunition frei: In Neuss hat eine britische Phosphor-Brandbombe gebrannt. Die Feuerwehr warnt dringend davor, verdächtige Funde am Ufer anzufassen – allein in Bonn gab es binnen sechs Wochen 74 Kampfmittel-Einsätze.

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Am Rheinufer in Neuss hat am Sonntagnachmittag eine Weltkriegs-Brandbombe gebrannt – freigelegt vom Rekord-Niedrigwasser des Rheins. Weißer Rauch stieg aus dem stark korrodierten Metallkörper am Ufer in Höhe der Fleher Brücke.

Die Feuerwehr Neuss rückte zu dem teils brennenden Fund aus. Der Verdacht auf Kampfmittel bestätigte sich: Der Kampfmittelbeseitigungsdienst identifizierte den Metallkörper als britische Brandbombe vom Typ INC 30 LB.

Im Inneren steckten nach Angaben der Fachleute rund 300 Gramm weißer Phosphor. Der Kampfstoff hatte sich an der Luft selbst entzündet, weil das Niedrigwasser den Fund freigelegt und die Hauptbrandladung ausgespült hatte.

Drei Stunden Einsatz am Rheinufer

Die Einsatzkräfte sperrten den Bereich weiträumig ab. Ordnungsamt und Kampfmittelbeseitigungsdienst wurden nachgefordert, zusätzlich stellte die Feuerwehr eine Brandwache. Eine Ausbreitung des Brandes war nicht zu befürchten.

Weil sich der Phosphor nicht gefahrlos entschärfen ließ, ließen die Fachleute ihn kontrolliert ausbrennen – nach der Schilderung der Feuerwehr Neuss zum Einsatz dauerte das rund drei Stunden. Danach wurde der ausgebrannte Bombenkörper gesichert und abtransportiert.

Weißer Phosphor entzündet sich an der Luft von selbst und brennt, bis er verbraucht ist. Genau deshalb ließen die Einsatzkräfte den Kampfstoff am Ufer abbrennen, statt den Fund zu bewegen. Gegen 20:25 Uhr veröffentlichte die Feuerwehr ihre Mitteilung zum Einsatz.

Der Rhein steht bei 40 Zentimetern

Am 28. September fiel der Kölner Rheinpegel auf 40 Zentimeter – ein Rekordtiefstand des Kölner Rheinpegels. Je weiter sich das Wasser zurückzieht, desto häufiger wird Munition aus dem Zweiten Weltkrieg am Ufer freigelegt.

Der Fall in Neuss zeigt, wie schnell das geht: Der Phosphor war durch das Niedrigwasser an die Luft geraten und hatte sich entzündet – der Phosphorbomben-Fund bei Niedrigwasser in Neuss. In NRW wurden 2025 nach Angaben der Landesregierung 2.140 Bomben entschärft und unschädlich gemacht.

Besonders dicht sind die Einsätze im Rheinland: Allein die Stadt Bonn registrierte binnen sechs Wochen 74 Kampfmittel-Einsätze. NRW-Innenminister Herbert Reul von der CDU hatte bereits Tage vor dem Fund in Neuss seine Warnung vor den Bomben im Rhein erneuert – im „Kölner Stadt-Anzeiger“ und im WDR.

„Blindgänger sind ein unsichtbares Risiko in unseren Böden und können auch mehr als 80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg noch gefährlich sein.“
Herbert Reul, NRW-Innenminister (CDU)

Feuerwehr warnt vor eigenen Untersuchungen

Die Feuerwehr warnt eindringlich davor, verdächtige Funde am Rheinufer zu berühren, zu bewegen oder selbst zu untersuchen. Wer einen Metallkörper, eine Granate oder einen anderen verdächtigen Gegenstand entdeckt, soll Abstand halten und über die Notrufe 110 oder 112 Polizei oder Feuerwehr alarmieren.

Für Reul sind die Folgen solcher Einsätze unvermeidlich: „Evakuierungen oder Verkehrsumleitungen wegen einer Bombenentschärfung können für Bürgerinnen und Bürger zwar lästig sein - sie sind aber wichtig und richtig“, sagt der Innenminister. In Neuss blieb es bei einer weiträumigen Absperrung am Ufer.

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Wie viele Blindgänger das Rekord-Niedrigwasser noch freilegt, weiß derzeit niemand. Solange der Kölner Pegel so niedrig bleibt, dürften am Rheinufer weitere Funde folgen – und mit jedem davon dieselbe Warnung: Abstand halten, nichts anfassen, 110 oder 112 rufen.