Deutschland bricht Sechs-Milliarden-Versprechen bei der Klimahilfe
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Entwicklungspolitik

Deutschland bricht Sechs-Milliarden-Versprechen bei der Klimahilfe

Deutschland zahlt 2025 nur 4,7 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt für die internationale Klimafinanzierung – 1,4 Milliarden weniger als 2024. Die Sechs-Milliarden-Zusage ist gebrochen, Oxfam spricht von einem Wortbruch.

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Deutschland hat sein Versprechen gebrochen, jährlich mindestens sechs Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt für die internationale Klimafinanzierung bereitzustellen. Für 2025 weisen das Entwicklungs- und das Umweltministerium nur 4,7 Milliarden Euro aus – 1,4 Milliarden Euro oder knapp 23 Prozent weniger als 2024.

Die Zahlen veröffentlichten BMZ und BMUV am 6. Oktober in Berlin. Der Gesamtbeitrag Deutschlands, der auch mobilisierte Kredite und private Investitionen einschließt, sank von rund 11,6 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf rund 10,8 Milliarden Euro. Oxfam spricht von einem Wortbruch.

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Nur noch 4,7 Milliarden Euro

Mit 4,7 Milliarden Euro verfehlt Deutschland die Zielmarke von mindestens sechs Milliarden Euro jährlich, auf die sich die Vorgängerregierungen unter Angela Merkel (CDU) und Olaf Scholz (SPD) verpflichtet hatten. Das Ziel lief 2025 aus, ein neues nannte die Bundesregierung nicht, wie der taz-Bericht zum gebrochenen Sechs-Milliarden-Versprechen zeigt. 2024 lag der Bund mit 6,1 Milliarden Euro noch über der Marke.

Die Bundesregierung zeichnet ein anderes Bild. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) erklärt, Deutschland setze „mit seiner erneut starken Klimafinanzierung ein wichtiges Zeichen“ – in Zeiten geopolitischer Spannungen, einer globalen Energiekrise und zunehmender Extremwetterereignisse durch den Klimawandel.

Deutsche Klimafinanzierung 2024 und 2025

Angaben in Milliarden Euro

Quelle: BMZ/BMUV, 6. Oktober 2026

Von Paris bis Antalya

Im Pariser Klimaabkommen von 2015 verpflichteten sich Deutschland und 194 weitere Staaten, Entwicklungs- und Schwellenländer bei Klimaschutz und Anpassung zu unterstützen. Neun Jahre später, im November 2024, stockten die Industrieländer auf der Konferenz in Baku das internationale Finanzziel von 100 auf mindestens 300 Milliarden US-Dollar jährlich bis 2035 auf.

Deutschland meldete die Zahlen für 2024 am 29. September 2025 an die EU-Kommission. Damals galt die Sechs-Milliarden-Marke mit 6,1 Milliarden Euro als erreicht, der Gesamtbeitrag lag bei rund 11,6 Milliarden Euro. Die Werte für 2025 kündigten BMZ und BMUV für Herbst 2026 an – seit dem 6. Oktober liegen sie vor.

Die deutsche Klimafinanzierung seit 2015

  1. Dezember 2015
    Pariser Klimaabkommen

    Deutschland und 194 weitere Staaten verpflichten sich, Entwicklungs- und Schwellenländer bei Klimaschutz und Anpassung zu unterstützen.

  2. November 2024
    Baku stockt das internationale Ziel auf

    Die Industrieländer erhöhen das Finanzziel von 100 auf mindestens 300 Milliarden US-Dollar jährlich bis 2035.

  3. 2024
    Sechs-Milliarden-Marke gilt als erreicht

    6,1 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt, Gesamtbeitrag rund 11,6 Milliarden Euro.

  4. 29. September 2025
    Zahlen für 2024 gehen nach Brüssel

    BMZ und BMUV melden der EU-Kommission die Werte für 2024; die Zahlen für 2025 werden für Herbst 2026 angekündigt.

  5. 6. Oktober 2026
    Nur noch 4,7 Milliarden Euro

    BMZ und BMUV veröffentlichen in Berlin die Zahlen für 2025; der Gesamtbeitrag sinkt auf rund 10,8 Milliarden Euro.

  6. November 2026
    Weltklimakonferenz COP31 in Antalya

    Die 31. Weltklimakonferenz findet im türkischen Antalya statt.

Kredite statt Zuschüsse

Der Rückgang betrifft vor allem die staatlichen Zuschüsse. Mobilisierte Kredite und private Investitionen stiegen dagegen auf 6,1 Milliarden Euro. 5,15 Milliarden Euro stammen aus Marktmitteln der KfW und der DEG (2024: 4,6 Milliarden Euro), 950 Millionen Euro sind gehebelte private Investitionen. Zugleich lastet ein wachsender Schuldenberg von 2.662,2 Milliarden Euro auf dem Haushalt.

„In Zeiten sinkender öffentlicher Haushalte setzen wir dabei zunehmend – und erfolgreich – auch auf Hebelung im Kapitalmarkt und private Investitionen.“
Reem Alabali Radovan, Bundesentwicklungsministerin (SPD)

Anders als die Zuschüsse müssen die Empfängerländer diese Kredite zurückzahlen. 85 Prozent der Haushaltsmittel kamen 2025 aus dem Etat des Entwicklungsministeriums; die Zuschüsse flossen je etwa zur Hälfte in Klimaschutz und Anpassung. Bei den Krediten gingen 84 Prozent in die CO2-Minderung und nur 16 Prozent in die Anpassung.

Wortbruch-Vorwurf vor COP31

Oxfam wirft der Bundesregierung vor, die Zusage gebrochen zu haben, und fordert einen deutschen Beitrag von 12 Milliarden Euro jährlich. Der WWF verlangt mindestens 12 Milliarden Euro bis 2030; in seiner Kritik am Rotstift beim weltweiten Klimaschutz nennt er den Rückgang ein falsches Signal an besonders verwundbare Länder.

„Auch wenn Deutschland weiter großes Geberland bleibt, muss die Bundesregierung nun mit einem Wortbruch zur UN-Weltklimakonferenz nach Antalya fahren.“
Jan Kowalzig, Klimapolitikexperte bei Oxfam

Wenige Wochen vor der 31. Weltklimakonferenz im November im türkischen Antalya verfehlt Deutschland auch sein Biodiversitätsziel: Statt 1,5 Milliarden Euro flossen 2025 nur 1,1 Milliarden Euro. Ein neues Klimafinanzierungsziel hat die Bundesregierung nicht genannt – ob sie vor COP31 nachliefert, ist offen.