Kiew beziffert Russlands Verluste auf fast 1,55 Millionen Soldaten
Bild: KI-generiert
Verlustbilanz

Kiew beziffert Russlands Verluste auf fast 1,55 Millionen Soldaten

Der ukrainische Generalstab beziffert Russlands Verluste auf fast 1,55 Millionen Soldaten – veröffentlicht am 74. Geburtstag von Wladimir Putin. Am selben Morgen hatte Russland die Ukraine mit einem der schwersten Angriffe des Herbstes überzogen; in Pryluky starben mindestens 14 Menschen.

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Rund 1.545.950 tote und verwundete russische Soldaten – so hoch schätzt der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte die Verluste der russischen Armee seit Beginn der Vollinvasion am 24. Februar 2022. Diese Zahl setzte Kiew am Mittwoch, dem 7. Oktober 2026, an den Anfang seiner Morgenmeldung und rahmte sie ausdrücklich als Verlustbilanz zum 74. Geburtstag Putins.

Der Tag lieferte den Anlass: Am Morgen hatte Russland die Ukraine mit einem der schwersten kombinierten Angriffe des Herbstes überzogen. In Pryluky in der Region Tschernihiw starben mindestens 14 Menschen, darunter vier Kinder; landesweit meldeten die Behörden mindestens 20 Tote – auch in Kiew, Krementschuk, Dnipro, Saporischschja und Olexandrija. In der Hauptstadt starben bei dem Angriff auf Kiew in zwei Wellen mindestens 15 Menschen. Präsident Wolodymyr Selenskyj verband beide Ereignisse zu einer Formel.

„Geburtstagsgeschenk für Putin“
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

Kiew zählt 1.690 Verluste in 24 Stunden

Für die 24 Stunden bis zum Morgen des 7. Oktober meldete der Generalstab 1.690 zusätzliche russische Verluste, am Vortag waren es 1.540. Die 1,5-Millionen-Schwelle hatte Kiew nach eigenen Angaben bereits am 9. September 2026 als überschritten bestätigt. In der Aufstellung der neuen Verlustzahlen liegt die Bilanz nun bei nahezu 1,55 Millionen Soldaten.

Der Generalstab schlüsselte auch die materiellen Verluste auf: 12.396 Panzer, 25.498 gepanzerte Kampffahrzeuge, 50.836 Artilleriesysteme, 2.192 Mehrfachraketenwerfer und 1.690 Luftabwehrsysteme. Binnen eines Tages kamen vier gepanzerte Fahrzeuge, 51 Artilleriesysteme und acht Mehrfachraketenwerfer hinzu; bei den Panzern meldete Kiew keinen neuen Abschuss. Weitere Posten: 551.876 operativ-taktische Drohnen, 5.126 Marschflugkörper, 159.128 Fahrzeuge und Treibstofftanks sowie 2.878 Bodenrobotersysteme.

Materielle Verluste der russischen Armee laut ukrainischem Generalstab

Kumulierte Angaben seit dem 24. Februar 2022, Stand 7. Oktober 2026

Quelle: Generalstab der ukrainischen Streitkräfte

Schätzung ohne unabhängige Prüfung

Die Bilanz ist ausdrücklich eine Schätzung und trennt nicht zwischen Toten und Verwundeten. Kiew veröffentlicht keine eigenen Verlustzahlen; die Angaben sind nicht unabhängig überprüfbar. Unabhängige Zählungen namentlich bekannter Gefallener liegen deutlich niedriger: Mediazona und der russische BBC-Dienst haben zuletzt 258.989 bestätigte russische Kriegstote dokumentiert. Das Center for Strategic and International Studies hält dennoch ein Verhältnis von etwa 2,5:1 bis 2:1 zulasten Russlands für plausibel.

Die Gesamtsumme gilt als die höchste, die eine Armee in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs erlitten hat. Sie übersteigt nach Kiewer Darstellung die zusammengerechneten Verluste der sowjetischen und russischen Streitkräfte in allen bewaffneten Konflikten der zweiten Hälfte des 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts – gegenüber dem zehnjährigen Afghanistan-Krieg um ein Hundertfaches, gegenüber den offiziell anerkannten Verlusten im Ersten und Zweiten Tschetschenienkrieg um ein 125-Faches.

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Sybiha fordert Den Haag und neue Sanktionen

Außenminister Andrii Sybiha nutzte den Tag für einen Appell auf X. Russland habe 1,6 Millionen getötete und verwundete Soldaten verloren, ohne ein einziges strategisches Ziel zu erreichen; was die russischen Generäle Putin verschwiegen, sei, dass er diesen Krieg nicht gewinne und nie gewinnen werde. Der russische Vormarsch sei ins Stocken geraten, die Ukraine befreie inzwischen mehr Territorium, als russische Truppen besetzen könnten. Seine Zahl liegt über der Bilanz des Generalstabs.

„Zum Geburtstag brachten die russischen Generäle Putin sein liebstes Geschenk: Kriegsverbrechen.“
Andrii Sybiha, Außenminister der Ukraine, auf X am 7. Oktober 2026

Von den internationalen Partnern verlangte Sybiha, den russischen „Terror“ nicht unbeantwortet zu lassen: Es brauche härtere Sanktionen gegen den russisch-militärisch-industriellen Komplex – ausdrücklich gegen Einrichtungen, die ballistische Raketen und das Satellitensystem „Rasswet“ produzieren – sowie mehr Unterstützung für die ukrainische Luftverteidigung und Energieversorgung vor dem Winter. Als das eigentliche Geschenk für Putin bezeichnete er einen Platz auf der Anklagebank in Den Haag; das geplante Sondertribunal für das Verbrechen der Aggression solle schon im nächsten Jahr praktisch anlaufen.

Glückwünsche aus Pjöngjang

Am selben Tag erreichten Putin aus dem verbündeten Ausland Glückwünsche. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un versprach Pjöngjangs „unverbrüchliche Unterstützung“ und nannte Moskaus Krieg gegen die Ukraine einen „heiligen Krieg der Gerechtigkeit“. Nordkorea liefert inzwischen Waffen und entsandte Tausende Soldaten, die unter anderem in der Region Kursk an der Seite russischer Einheiten kämpften – seit Putins Besuch in Pjöngjang im Juni 2024 und einem Abkommen mit gegenseitiger Beistandsklausel.

Auch Patriarch Kirill und der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko gratulierten. Der Generalstab hält in seiner Bilanz dagegen: Mit dem größten Krieg auf dem europäischen Kontinent seit dem Zweiten Weltkrieg bringe der „russische Diktator“ sein Land mit jedem Jahr näher an den Abgrund und sich selbst näher an den „Müllhaufen der Geschichte“. Ob das Sondertribunal in Den Haag tatsächlich 2027 anläuft, hängt an den Partnern, die Sybiha jetzt zu mehr Sanktionen und Luftverteidigung drängt.