WHO fordert Aufklärung über zweiten Pest-Verdacht in Sibirien
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Seuchenalarm

WHO fordert Aufklärung über zweiten Pest-Verdacht in Sibirien

Ein zweiter Mensch soll in Sibirien an einer Lungenentzündung gestorben sein. Die WHO verlangt Aufklärung von Russland, der Kreml nennt den Großteil der Berichte Falschinformationen.

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In der Region Irkutsk soll ein zweiter Mensch an einer Lungenentzündung gestorben sein. Die Weltgesundheitsorganisation fordert Moskau zur Aufklärung auf, der Kreml nennt den Großteil der Berichte Falschinformationen.

Anlass ist ein Bericht, den am 6. Oktober die britische „Daily Mail“ unter Verweis auf lokale russische Medien und das Regionalportal „Lyudi Baikal“ veröffentlichte: Ein zweiter Mitarbeiter des Irkutsker Anti-Pest-Forschungsinstituts soll an einer Lungenentzündung gestorben sein. Unabhängig bestätigt ist der zweite Todesfall nicht; auch Reuters konnte ihn nicht verifizieren.

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Seit den ersten Medienberichten hat @WHO den gemeldeten Tod eines Laborarbeiters am Irkutsk Antiplague Research Institute in der Oblast Irkutsk, Russische Föderation, aktiv weiterverfolgt. Die Person starb am 2. Oktober 2026, nachdem sie mit schwerer Lungenentzündung hospitalisiert worden war. Erste Medienberichte deuteten auf Lungenpest nach einer mutmaßlichen versehentlichen Laborinfektion hin. Als Reaktion auf das Verifizierungsersuchen der WHO gemäß den Internationalen Gesundheitsvorschriften meldeten die russischen Gesundheitsbehörden, dass in der Oblast Irkutsk kürzlich kein Pestfall registriert worden sei. Sie informierten die WHO, dass eine epidemiologische Untersuchung durchgeführt, Präventions- und Kontrollmaßnahmen umgesetzt und identifizierte Kontaktpersonen unter medizinische Beobachtung gestellt und getestet worden seien. Sie berichteten, dass bei den Kontaktpersonen keine hochgefährlichen Krankheitserreger nachgewiesen worden seien und dass die medizinische Beobachtung aller identifizierten Kontaktpersonen abgeschlossen sei. Die WHO ist mit den russischen Gesundheitsbehörden in Kontakt geblieben und hat technische Unterstützung angeboten. Die WHO hat weitere Informationen angefordert, um die Ursache der schweren Lungenentzündung, den Krankheitserreger, der die Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit ausgelöst hat, und Medienberichte über einen zweiten Mitarbeiter mit Lungenentzündung ungeklärter Ursache zu klären. Rechtzeitige, vollständige und transparente Informationsweitergabe gemäß den Internationalen Gesundheitsvorschriften ist wesentlich, um widersprüchliche Berichte zu klären und eine genaue Bewertung potenzieller Risiken für die öffentliche Gesundheit zu ermöglichen.

X · @DrTedros

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte am 7. Oktober, die Organisation habe „noch kein vollständiges Bild“ von dem Ereignis und könne keine umfassende Risikobewertung vornehmen. Schon am Vortag hatte die WHO Moskau um weitere Informationen gebeten – WHO verlangt mehr Details zum Tod.

„Wir haben Informationen von zwei Medien erhalten, eines davon ist russisch. Wir haben Russland gebeten, darauf zu antworten. Wir können keinen Bericht ignorieren, der uns erreicht.“
Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO

Kreml nennt Berichte Falschinformationen

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wies die Berichte am 7. Oktober zurück und verwies ausschließlich auf offizielle Angaben der Gesundheitsaufsicht Rospotrebnadsor. Eigene Zahlen zu möglichen Erkrankten nannte der Kreml nicht.

Rospotrebnadsor erklärte, für die Bevölkerung bestünden „keine epidemischen Risiken“. Mehr als 90 Prozent der Kontaktpersonen hätten die medizinische Beobachtung abgeschlossen, fast 5.000 Labortests hätten keine gefährlichen Krankheitserreger ergeben. Unter den Kontakten wurden zwei COVID-19-Fälle und mehrere Rhinoviren festgestellt.

Rospotrebnadsor dementierte zudem im Netz verbreitete Dokumente über verschärfte Hygienemaßnahmen. Der Leiter der Republik Burjatien, Alexej Zydenow, änderte einen Social-Media-Beitrag, in dem er zuvor den Pest-Tod gemeldet hatte.

„Der überwiegende Teil dessen, was die Medien in diesem Zusammenhang berichten, sind Falschinformationen.“
Dmitri Peskow, Sprecher des russischen Präsidenten

Auslöser war der Tod einer Institutsmitarbeiterin

Ausgelöst wurde die Krise durch den Tod der 28 Jahre alten Darja Schipilowa. Die Mitarbeiterin des Irkutsker Anti-Pest-Forschungsinstituts kam lokalen Medien zufolge am 29. September mit Erkältungssymptomen ins Krankenhaus und starb in der Nacht zum 2. Oktober im Kreiskrankenhaus von Schelechow bei Irkutsk.

Die russischen Behörden nennen eine „Lungenentzündung unbekannter Herkunft“ als Todesursache, lokale Medien berichten dagegen über ein zerbrochenes Reagenzglas mit Pesterreger – die bislang unbestätigten Pest-Angaben zum Tod der Labortechnikerin. Die WHO-Direktorin für Epidemiemanagement, Maria Van Kerkhove, sagte, man verstehe nicht, wie Schipilowa sich infiziert habe.

Rund 200 Kontaktpersonen wurden zunächst unter Quarantäne gestellt, mehrere Krankenhäuser in Irkutsk und Schelechow abgeriegelt. Die Stadtverwaltung von Baikalsk warnte am 3. Oktober auf Telegram vor Reisen nach Schelechow und löschte den Beitrag rund zwei Stunden später. Gouverneur Igor Kobzew sprach von einer „besonders gefährlichen Infektion“.

USA, EU und Mongolei verlangen Transparenz

US-Außenminister Marco Rubio fordert Transparenz von Moskau und hält den Pestverdacht nicht für einen Grund zur Panik. US-Präsident Donald Trump kündigte ein Telefonat mit Wladimir Putin an und sagte, man gehe derzeit nicht davon aus, werde es aber bald wissen. Washington hat Russland Unterstützung angeboten – das Hilfsangebot der USA beim Pestverdacht in Sibirien.

Die Mongolei verschärfte ihre Grenzkontrollen. Die EU verlangt zeitnahe und transparente Angaben aus Russland. Für eine eigene Risikobewertung fehlen der WHO weiterhin belastbare Daten – WHO kann Lage in Sibirien nicht bewerten.

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Unklar ist weiterhin, wie viele Menschen in Schelechow tatsächlich erkrankt sind. Solange Moskau keine vollständigen Daten liefert und eine unabhängige Bestätigung ausbleibt, kann die WHO keine Risikobewertung vorlegen – und der zweite Todesfall bleibt ein Medienbericht.