Buchenwald-Stiftung nennt FOCUS-Bericht über Kerkelings Opa infam
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NS-Justiz

Buchenwald-Stiftung nennt FOCUS-Bericht über Kerkelings Opa infam

Jens-Christian Wagner von der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald nennt die Darstellung von FOCUS online über Hape Kerkelings Großvater „infam“ – und widerspricht der These, der Kommunist sei vor allem ein Berufsverbrecher gewesen. Kerkeling selbst schweigt zu den dokumentierten Straftaten.

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Der Streit um die Biografie von Hape Kerkelings Großvater eskaliert. Der Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, nennt die Darstellung des Portals FOCUS online über Hermann Anton Kerkeling „infam“. Rechte Medien und AfD-Gliederungen hatten Anfang Oktober verbreitet, Kerkeling sei vor allem ein „Berufsverbrecher“ gewesen.

Auslöser ist Kerkelings Auftritt am 30. September 2026 im Justizausschuss des Thüringer Landtags, wo er als Nachfahre eines NS-Opfers für ein AfD-Verbotsverfahren warb. Wenige Tage später begann eine Kampagne rechter Medien und AfD-Gliederungen gegen ihn – mit seiner Familiengeschichte als Angriffsfläche.

Was in den Akten steht

Die Arolsen Archives zur Verfolgungsgeschichte von Kerkelings Großvater dokumentieren, dass er am 3. März 1933 verhaftet wurde, weil er Flugblätter gegen das NS-Regime verteilt hatte. In den Akten stehen der Vorwurf der „Vorbereitung zum Hochverrat“ und daneben Einbruch und Diebstahl.

Ende August 2026 werteten die Münsterland Zeitung und die AG Westmünsterland Genealogie zeitgenössische Zeitungsausschnitte von 1932 und 1933 aus. Sie beschreiben Kerkeling als Anführer einer Diebesbande und „berüchtigten Einbrecher“. Im Oktober 1933 verurteilte ihn ein Gericht wegen Bandendiebstahls zu acht Jahren Zuchthaus, im Dezember folgte eine Zusatzstrafe des Oberlandesgerichts Hamm – neun Jahre insgesamt.

Von der Flugblatt-Verteilung ins KZ Buchenwald

  1. 3. März 1933
    Verhaftung in Recklinghausen

    Kerkeling wird wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ festgenommen, nachdem er gegen das NS-Regime Flugblätter verteilt hat.

  2. Oktober 1933
    Acht Jahre Zuchthaus

    Ein Gericht verurteilt ihn wegen Bandendiebstahls zu acht Jahren Zuchthaus – zeitgenössische Zeitungen nennen ihn einen „berüchtigten Einbrecher“.

  3. Dezember 1933
    Zweite Verurteilung in Hamm

    Das Oberlandesgericht Hamm verhängt wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ eine Zusatzstrafe. Die Gesamtstrafe beträgt neun Jahre Zuchthaus.

  4. 2. Juli 1942
    Ankunft in Buchenwald

    Kerkeling wird als politischer Häftling mit der Nummer 6117 registriert und später in der Effektenkammer zur Zwangsarbeit eingesetzt.

  5. 11. April 1945
    Befreiung durch die US-Armee

    Kerkeling erlebt die Befreiung des KZ Buchenwald. Zehn Tage nach einer Befragung durch das US-Military Government wird er offiziell entlassen.

  6. 28. August 2026
    Die Zeitungsausschnitte

    Die Münsterland Zeitung veröffentlicht den Beitrag „Hape Kerkelings Großvater war Bandendieb“.

  7. 8. Oktober 2026
    DerWesten widerspricht

    DerWesten berichtet über die Verbreitung der „Berufsverbrecher“-These durch rechte Medien.

Wagner widerspricht der Kriminalisierung

Wagner hält die Straftaten nicht für den Kern der Geschichte. Kerkeling sei als Kommunist in das KZ Buchenwald eingewiesen worden und habe dort den roten Winkel eines politischen Häftlings getragen. Dass die NS-Justiz ihm zusätzlich kriminelle Delikte vorwarf, sei damals bei politischen Gegnern nicht ungewöhnlich gewesen – es habe ihrer Kriminalisierung gedient.

„Wagner nannte FOCUS online gegenüber dem Deutschlandfunk „infam“. Kerkelings Großvater wurde als Kommunist in das KZ Buchenwald eingewiesen und bekam dort den roten Winkel eines politischen Häftlings. Die NS-Justiz warf ihm zudem „kriminelle“ Delikte vor, damals seitens der politischen Justiz nicht ungewöhnlich. Das gehörte zur Kriminalisierung der politischen Gegner.“
Jens-Christian Wagner, Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Die Lagerdaten stützen diese Einordnung. Am 2. Juli 1942 wurde Kerkeling in Buchenwald als politischer Häftling mit der Nummer 6117 registriert. Er musste in der Effektenkammer arbeiten, erlebte am 11. April 1945 die Befreiung durch die US-Armee und wurde nach einer Befragung durch das US-Military Government zehn Tage später entlassen. 1993 starb er in Recklinghausen.

AfD greift Kerkeling an

Im Ausschuss hatte Kerkeling scharfe Worte für die AfD gefunden – Kerkelings Plädoyer bei der Anhörung in Erfurt. Der Thüringer AfD-Fraktionsvize Daniel Haseloff nannte den Buchenwald-Satz danach eine „skandalöse Aussage“ und wehrte sich gegen den Vergleich: Das mit uns in Verbindung zu bringen, sei „ein harter Vorwurf, ein harter Angriff“.

Die AfD Heiligenstadt veröffentlichte am 2. Oktober den Text „Wie Hape Kerkeling aus seinem Großvater Hermann ein reines NS-Opfer macht“. Es folgten ein offener Brief auf NIUS und ein Beitrag auf reitschuster.de. Am 8. Oktober widersprach DerWestens Bericht über die Halbwahrheiten zur Kerkeling-Biografie der Darstellung.

Kerkeling selbst hat sich zu den dokumentierten Straftaten seines Großvaters bislang nicht geäußert; Anfragen der Münsterland Zeitung blieben unbeantwortet. Über die Einordnung der Person sagte er früher nur: „Ich sehe ihn nicht als Helden, aber auch nicht als Opfer.“

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Unklar ist, ob Kerkeling die dokumentierten Straftaten seines Großvaters selbst noch einordnet. Nach Drohungen gegen ihn wiederholte er am 4. Oktober seine Forderung nach Prüfung eines AfD-Verbots. Ob die AfD ihre Kampagne fortsetzt, hängt auch davon ab, wie lange die Anhörung in Erfurt nachwirkt.