Rostock will 145 von 155 Beamtenstellen langfristig abbauen
Rostock will fast alle Beamtenstellen der Stadtverwaltung abschaffen: Von 155 sollen langfristig nur zehn übrig bleiben, der Umbau soll bis 2050 dauern. Der Beamtenbund Mecklenburg-Vorpommern lehnt den Plan ab und warnt vor Kosten, die nur in die Zukunft verlagert würden.
Von 155 Beamtenstellen in der Rostocker Stadtverwaltung sollen langfristig nur zehn übrig bleiben. Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Die Linke) will frei werdende Posten nicht mehr mit Beamten besetzen, sondern in normale Angestelltenverhältnisse überführen. Das entspricht einem Abbau von über 90 Prozent.
Kröger führt die Verwaltung der rund 200.000 Einwohner zählenden Stadt seit Anfang 2023. Der Ostsee-Zeitung sagte sie: „Am Ende des langjährigen Prozesses sollen nur zehn Beamtenstellen übrig bleiben.“ Ihren Plan beschreibt sie so: „Unser Plan ist es, freie Stellen von Beamten zu Angestelltenstellen zu machen.“ Wer heute verbeamtet ist, kann das bis zum Ruhestand bleiben.
Der Umbau soll bis 2050 dauern
Das Vorhaben ist auf Jahrzehnte angelegt. Frei werdende Beamtenstellen werden zunächst intern letztmals ausgeschrieben, danach sollen sie mit Angestellten besetzt werden – wie die Umstellung der Beamtenstellen geplant ist. Die Zielgröße zehn nannte Kröger dort „eine Orientierung, kein Dogma“.
Für den Zeitplan nennt Kröger eine klare Marke: „Das wird aber Jahrzehnte dauern, ich rechne damit, dass wir erst 2050 damit fertig sind.“ Zugleich verweist sie auf ein strukturelles Problem: „Wir haben seit Jahren das Problem, dass es für unsere Verwaltungsbeamten eine gewisse Perspektivlosigkeit gibt.“
Von der ersten unbesetzten Stelle bis zum Zehn-Stellen-Ziel
um 2016
Der Rückgang beginnt – zunächst ohne Strategie
Die Zahl der Beamtenstellen in Rostock sinkt, weil offene Stellen teils nicht mehr besetzt werden können.
Anfang 2023
Kröger wird Oberbürgermeisterin
Eva-Maria Kröger (Die Linke) entscheidet sich nach eigenen Angaben aus Kostengründen gegen einen Ausbau und für einen Abbau der Beamtenstellen.
6. Oktober 2026
Konkretisierung gegenüber dem Nordkurier
Frei werdende Stellen werden intern letztmals ausgeschrieben und sonst in Angestelltenverhältnisse überführt; die Zielgröße zehn sei eine Orientierung, kein Dogma.
7. Oktober 2026
Interview, dpa-Bestätigung, Widerstand
Die Ostsee-Zeitung veröffentlicht das Interview, dpa bestätigt Krögers Horizont 2050. dbb Mecklenburg-Vorpommern und Komba lehnen die Pläne ab.
um 2050
Abschluss des Umbaus
Nach Krögers Erwartung bleiben dann zehn Beamtenstellen in der Rostocker Stadtverwaltung.
Nur wenige Spitzenposten bleiben Beamtenstellen
Von den zehn verbleibenden Stellen sollen nach Krögers Vorstellung nur der Posten der Oberbürgermeisterin, ausgewählte Schlüsselpositionen und die Amtsleitungen übrig bleiben. Nicht betroffen sind die 296 Beamten der Berufsfeuerwehr. Rechnet man sie hinzu, gibt es in Rostock derzeit rund 450 Beamte – abgebaut würde also vor allem die Verwaltung.
Der Rückgang ist kein Schnitt, sondern ein Auslaufen. Dem demografischen Fahrplan der Stadt zufolge gehen bis 2035 insgesamt 31 Verwaltungsbeamte in den Ruhestand, bis 2045 weitere 34 und bis 2055 noch einmal 20. Bis etwa 2050 soll der Umbau abgeschlossen sein.
Ruhestandswellen: So viele Rostocker Verwaltungsbeamte gehen
Nach dem demografischen Fahrplan der Stadt
Quelle: Stadt Rostock, demografischer Fahrplan
Der Beamtenbund sagt Nein
Der Deutsche Beamtenbund (dbb) Mecklenburg-Vorpommern lehnt die Pläne ab. Der Verband stützt sich auf ein Kostenargument: Beamte seien in der aktiven Dienstzeit oft günstiger; wer das Beamtentum abschaffe, verlagere Kosten nur in die Zukunft und mache die Stadt als Arbeitgeber unattraktiver.
Als eigentliche Probleme nennt der Verband hohe Krankenstände, Überregulierung und fehlende Leistungsanreize. dbb-Landesverband und Gewerkschaft Komba veröffentlichten ihre Ablehnung am 7. Oktober; im öffentlichen Dienst sind ohnehin Zehntausende Stellen offen – der dbb meldet 631.000 offene Stellen. Für Landesvorsitzenden Dietmar Knecht ist die Richtung grundsätzlich falsch:
„Unsere Position ist klar: Finger weg vom Beamtenstatus.“
Kröger wehrt sich gegen den Eindruck, sie wolle die Arbeit der Beamten abwerten: „Unsere Beamten sind wichtige Mitarbeitende. Es geht gar nicht um eine Kritik an ihrer Arbeit, sondern um die fehlende Zukunftsperspektive für das System Beamtentum.“ Einen Ausbau des Beamtentums hält sie für falsch: „In einer Zeit, wo der Staat schlanker werden soll, können wir nicht ausbauen – so ein Vorschlag ist völlig aus der Zeit gefallen.“
Die Debatte um den Beamtenstatus reicht über Rostock hinaus. In dieselbe Debatte fällt die Forderung nach einem Ende der Verbeamtung von Lehrkräften. Offen bleibt, ob Krögers Zehn-Stellen-Plan Bestand hat: Bis 2035 scheiden die ersten 31 Verwaltungsbeamten aus, und bei jeder Nachbesetzung entscheidet sich neu, ob das Beamtentum in der Rostocker Verwaltung bleibt.