Kreml bestätigt Schröders Besuch bei Putins 74. Geburtstagsfeier
Bild: KI-generiert
Kreml-Besuch

Kreml bestätigt Schröders Besuch bei Putins 74. Geburtstagsfeier

Der Kreml meldet, Gerhard Schröder habe an Wladimir Putins 74. Geburtstag in dessen Residenz gefeiert – Fotos zeigen beide lächelnd beim Händeschütteln. Aus CDU, FDP und von den Grünen kommt scharfe Kritik: Die Rede ist von „Verrat an Europa“ und einer „Wunderheilung à la Rasputin“.

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Der Kreml hat am Donnerstag gemeldet, dass Gerhard Schröder am Mittwoch an der Feier zum 74. Geburtstag von Wladimir Putin in dessen Residenz teilgenommen hat. Nach Kreml-Angaben habe Putin von Schröders Moskau-Aufenthalt „aus den Medien“ erfahren und „seinen alten Freund zu sich nach Hause eingeladen“. Veröffentlichte Fotos zeigen beide lächelnd beim Händeschütteln.

In Deutschland reagierte die Politik parteiübergreifend mit scharfer Kritik. Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt und die FDP-Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann nannten den Besuch eine „Schande“. Aus der CDU kamen ähnlich deutliche Worte von Dennis Radtke und Roderich Kiesewetter.

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„Eine Schande für Deutschland. Ein Verrat an Europa. Ein Bärendienst für Frieden.“
Katrin Göring-Eckardt, Grünen-Politikerin

Ein Treffen alter Freunde

Der Besuch kam offenbar kurzfristig zustande. Am Mittwochmorgen besuchte Schröder zunächst eine Hyperglobus-Filiale im Westen Moskaus; Mitarbeiter empfingen ihn dort mit Applaus. Putin erfuhr laut Kreml aus den Medien von dem Aufenthalt und lud den Altkanzler noch am selben Tag zu sich nach Hause ein.

Am Tag danach veröffentlichte der Kreml Fotos vom Geburtstagsbesuch Schröders bei Putin: zwei lächelnde Männer beim Händeschütteln, gerahmt als Wiedersehen alter Freunde. Am selben Tag wie die Geburtstagsfeier traf ein schwerer kombinierter russischer Angriff die Ukraine – mindestens 25 Menschen starben, mehr als 100 wurden verletzt.

Der neue Job in Moskau

Anlass der Reise ist ein Posten, den Schröder erst kurz zuvor angetreten hat: Seit dem 30. September 2026 sitzt der 82-Jährige im Aufsichtsrat des russischen Einzelhändlers Hyperglobus. Das Unternehmen ist der frühere Russland-Arm der deutschen Globus-Gruppe, Inhaber ist der deutsche Unternehmer Thomas Bruch. Mit seinem neuen Mandat – Schröders Aufsichtsratsposten beim russischen Händler Hyperglobus – hat der Moskau-Besuch einen wirtschaftlichen Grund.

Der Russland-Experte Janis Kluge von der Stiftung Wissenschaft und Politik liest das Mandat als Absicherung. Kluge sagt: „Nur wenige Tage, nachdem Metro von Putin enteignet wurde, hat sich Hyperglobus eine Lebensversicherung gekauft." Der Auftritt in der Filiale war Teil einer Geschäftsreise – Schröders Auftritt bei der Supermarktkette in Moskau fand am Vormittag statt, Stunden vor der Einladung in Putins Residenz.

Verrat und Wunderheilung

Den härtesten Vorwurf liefert der Vergleich mit Schröders eigenem Auftreten in Deutschland. 2025 hatte er Zeugenaussagen vor dem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern und Nord Stream 2 krankheitsbedingt abgesagt. Nun trat er in Moskau öffentlich auf. Dennis Radtke, Chef des CDU-Sozialflügels, spricht von einer „Wunderheilung à la Rasputin“.

FDP-Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im EU-Parlament, zieht dieselben Absagen heran – und wird deutlich:

„Gerhard Schröder, Deutschlands frechster Rentner. Zu krank für Untersuchungsausschüsse (ganz schlimmer Burnout), aber für gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty zu Hause bei Kriegsverbrecher Putin reichts dann doch noch. Eine Schande sondergleichen.“
Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im EU-Parlament

Für den CDU-Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter, Russland-Hardliner der Union, ist die Geste ein Statement: „Das ist Verrat an Europa und am eigenen Land. Wer Schröder öffentlich und demonstrativ die Hand schüttelt, will damit ein Statement setzen", sagte er.

Vom Vermittler zum Geburtstagsgast

Bereits im Mai 2026 hatte Putin vorgeschlagen, Europa solle Gerhard Schröder als Vermittler im Ukraine-Krieg einsetzen. Die EU-Staaten lehnten das umgehend ab. Am 5. Juni 2026 trafen sich beide im Kreml; der Kreml sprach anschließend von „freundschaftlichen Gesprächen“, weitere Details nannte er nicht.

Schröder und Putin: die Vorgeschichte des Geburtstagsbesuchs

  1. Mai 2026
    Putin bringt Schröder als Vermittler ins Spiel

    Der russische Präsident schlägt vor, Europa solle den Altkanzler im Ukraine-Krieg vermitteln. Die EU-Staaten schließen das umgehend aus.

  2. 5. Juni 2026
    Letztes Treffen im Kreml

    Schröder und Putin kommen in Moskau zusammen. Der Kreml spricht von freundschaftlichen Gesprächen, Details nennt er nicht.

  3. 30. September 2026
    Neuer Aufsichtsratsposten

    Schröder tritt sein Mandat beim russischen Einzelhändler Hyperglobus an, dem früheren Russland-Arm der Globus-Gruppe.

  4. 3. Oktober 2026
    Tag der Deutschen Einheit in Bremen

    Schröder feiert in Bremen, unter anderem mit Bundespräsident Steinmeier, Kanzler Merz und Bundestagspräsidentin Klöckner.

  5. 7. Oktober 2026
    Putins 74. Geburtstag

    Schröder besucht morgens eine Hyperglobus-Filiale und wird mit Applaus empfangen. Putin lädt ihn zu sich nach Hause. Am selben Tag sterben bei einem russischen Angriff in der Ukraine mindestens 25 Menschen.

  6. 8. Oktober 2026
    Der Kreml meldet den Besuch

    Der Kreml veröffentlicht Fotos der beiden und rahmt das Treffen als Wiedersehen alter Freunde. In Deutschland setzt parteiübergreifende Kritik ein.

Eine Woche vor dem Moskau-Besuch zeigte sich Schröder noch in Bremen: Am 3. Oktober feierte er den Tag der Deutschen Einheit, unter anderem mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kanzler Friedrich Merz und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner.

Aus Kiew kam eine knappe Bewertung. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte den Besuch ein „Geburtstagsgeschenk für Putin“.

Kritik ohne Konsequenzen?

Von Schröder selbst ist bislang nur ein Satz aus der Moskauer Filiale bekannt. Dort sagte er: „Ich freue mich sehr, hier zu sein, diesen beeindruckenden Markt und die Ergebnisse Ihrer Arbeit zu sehen sowie Sie, meine lieben Kollegen, kennenzulernen.“

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Die nächste Entscheidung liegt bei der Bundesregierung und den EU-Staaten. Im Mai hatten die EU-Staaten Schröder als Vermittler im Ukraine-Krieg ausgeschlossen. Offen ist, ob Brüssel nach dem Geburtstagsbesuch an dieser Absage festhält – und ob Berlin Konsequenzen aus dem Auftritt zieht.