78 Menschen sind in zwei Tagen bei russischen Angriffen in der Ukraine getötet worden – und der ukrainische Präsident beschuldigt seinen wichtigsten Unterstützer, nicht helfen zu wollen. Wolodymyr Selenskyj warf den USA am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Pryluky vor, seinem Land nicht beizustehen. Seine Kritik an der fehlenden US-Hilfe gipfelte in dem Satz: „Das nennt man Unwillen!“
Der Auftritt fand rund 130 Kilometer östlich von Kiew statt. In Pryluky waren am Mittwoch bei einem russischen Angriff auf ein Wohnhaus 22 Menschen gestorben – am 74. Geburtstag von Wladimir Putin. An Selenskyjs Seite stand der britische Außenminister Ed Miliband.
In Kramatorsk wurden nach ukrainischen Angaben mindestens 30 Menschen getötet, als russische Geschosse zwei Linienbusse trafen. Insgesamt starben in den zwei Tagen vor der Pressekonferenz nach Selenskyjs Angaben 78 Menschen, mehr als 200 wurden verletzt. Aus Berlin kam eine Verurteilung: Bundesaußenminister Johann Wadephul sagte, Putins Grausamkeit kenne keine Grenzen.
Selenskyj fordert uneingeschränktes Starlink
Konkret verlangt Selenskyj uneingeschränkten Zugang zum US-Satellitendienst Starlink, um russische Abschussrampen für ballistische Raketen bekämpfen zu können. Eine Freigabe koste Washington nichts, argumentiert er: „Gebt es uns, helft uns, unseren Luftraum zu verteidigen und dort die Oberhand zu gewinnen.“ Bereits im August hatte er die USA um den Verkauf von Abfangraketen gebeten – Selenskyjs Bitte um fünf Prozent der Patriot-Raketen.
Ausgelöst hat den Zorn eine Äußerung von US-Außenminister Marco Rubio. Bei einem Besuch in Lissabon nannte er den Krieg eine „gefährliche Pattsituation“ und sagte, die USA würden keine Energie in aussichtslose Prozesse investieren. Im Interview mit der griechischen Zeitung Kathimerini sprach er von einer „strategischen Sackgasse“ und bezeichnete Russlands Forderung nach voller Kontrolle über Donezk als Haupthindernis.
Selenskyj konterte scharf: „Man kann nicht einerseits mit den Russen über zukünftige Wirtschaftsprojekte verhandeln und andererseits behaupten, wir befänden uns in einer Art diplomatischer Pattsituation.“ Und: „Wir befinden uns nicht in einer diplomatischen Sackgasse.“ Nach tödlichen Drohnenangriffen hatte er bereits seine Kritik an der westlichen Reaktion formuliert.
Verhandlungen in Miami
Die Auseinandersetzung fällt in eine heiße Verhandlungsphase: Selenskyj kündigte an, dass eine ukrainische Delegation an diesem Freitag und Samstag in die USA reist, um mit den Trump-Unterhändlern Jared Kushner und Steve Witkoff zu sprechen. Zur ukrainischen Seite gehören Kyrylo Budanow, Rustem Umjerow, David Arachamija und Serhij Kyslyzja.
Am Freitag treffen die Unterhändler in Miami auf die US-Gesandten, anschließend tagt eine erweiterte Runde mit den E3-Staaten, der EU, der Nato und dem US European Command. Die Gespräche laufen, während die Angriffe auf die Ukraine weitergehen – Verhandlungen in den USA während massiver Angriffe.
Von Pryluky nach Miami
- 7. Oktober 2026Angriff auf ein Wohnhaus in Pryluky
Bei einem russischen Angriff auf ein Wohnhaus in Pryluky werden 22 Menschen getötet, am 74. Geburtstag von Wladimir Putin. Eine Angriffswelle trifft auch Kiew, dort sterben mindestens 15 Menschen.
- 8. Oktober 2026Rubio spricht von einer Pattsituation
US-Außenminister Marco Rubio nennt den Krieg bei einem Besuch in Lissabon eine gefährliche Pattsituation und spricht in einem Interview von einer strategischen Sackgasse.
- 8. Oktober 2026Selenskyj wirft den USA Unwillen vor
Auf der Pressekonferenz in Pryluky fordert der ukrainische Präsident uneingeschränkten Starlink-Zugang und mehr Sanktionsdruck auf Russland.
- 9. Oktober 2026Ukrainische Unterhändler in Miami
Die Delegation trifft die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner, danach tagt eine erweiterte Runde mit E3, EU, Nato und US European Command.
- Ende Oktober 2026 (geplant)Mögliche Reise nach Moskau
Witkoff und Kushner könnten laut Axios erneut nach Moskau reisen, um mit Putin über eine teilweise Waffenruhe zu sprechen.
Rubio warnte zugleich vor den Folgen einer weiteren Eskalation: „Diese Eskalation könnte am Ende zu einer Sabotagekampagne in benachbarten Ländern werden, die Nato-Mitglieder sind“, sagte er. Selenskyj verlangt dagegen nicht nur Starlink, sondern auch schärferen Sanktionsdruck auf Moskau.
Ob Washington auf den Starlink-Vorstoß eingeht, ist offen. Ob auf Selenskyjs Vorwurf des Unwillens Taten folgen, könnte sich an diesem Wochenende entscheiden – bei den Gesprächen in Miami. Ende Oktober könnten die US-Gesandten Witkoff und Kushner zudem erneut nach Moskau reisen, um mit Putin über eine teilweise Waffenruhe zu verhandeln.
