Mit einem Satz bringt Issa Remmo den Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak in Bedrängnis: „Was soll er machen? Natürlich kennt er mich. Er ist ein seriöser Mensch und sehr höflich.“ Der 59-jährige Remmo, Oberhaupt der Berliner Remmo-Großfamilie, sagte das der BILD-Zeitung, wie n-tv über Remmos Aussage zu Koçak berichtet.
In dem Gespräch präsentierte Remmo zwei eingerahmte behördliche Führungszeugnisse mit dem Vermerk „keine Einträge“. Daraus leitet er ab, ein Kontakt zu ihm sei für einen Abgeordneten unproblematisch. Die Linke hält dagegen: Ihr Kreisverband Neukölln erklärte nach dem Wahlabend, Remmo sei nicht eingeladen gewesen und hinausgeschickt worden.
13 Kinder, 15 Enkel – ein Lob für den Abgeordneten
Remmo spricht in dem Interview auch über seine Familie. Er habe 13 Kinder und 15 Enkel, sagte er. Die Taten jüngerer Familienmitglieder nennt er Kindereien.
„Diese Jungs, die die Goldmünze gemacht haben, sind Kinder. Wenn einer meiner Söhne eine Straftat begeht, soll er bestraft werden.“
Das Zitat soll den Abgeordneten entlasten – so wie die Führungszeugnisse. Flankiert wird es von Remmos Bekenntnis gegen Antisemitismus: „Ich hätte die Partei nicht gewählt, wenn sie gegen Juden wäre. Ich bin gegen das, was die Hamas am 7. Oktober gemacht hat“, sagte er. Laut dem Tagesspiegel-Bericht über Remmos Politikpläne will der Clanchef nun selbst in die Politik gehen.
Innenausschuss aufgegeben, Rauswurf gefordert
Koçak bewertet Kontakte wie diesen unmissverständlich. „Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden, sind durch nichts zu rechtfertigen“, sagte der Bundestagsabgeordnete. Am 2. Oktober räumte er Fehler ein, gab seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestags auf und ließ seine Parlamentsfunktionen ruhen. Die Dimension des Kontakts, sagte er, habe er erst beim Treffen mit Issa Remmo erkannt.
Der Berliner SPD-Chef Steffen Krach fordert personelle Konsequenzen. „Meine klare Erwartung an die Bundestagsfraktion der Linken wäre, dass so jemand nicht weiter Mitglied der Bundestagsfraktion sein kann“, sagte Krach. Gemeint ist ein Ausschluss aus der Bundestagsfraktion; wie die Linksfraktion reagiert, ist bislang nicht entschieden.
Die Affäre um Remmo und Koçak
- 20. September 2026Wahlabend in Neukölln
Die Linke wird bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl mit 25,7 Prozent stärkste Kraft. Issa Remmo erscheint auf der Wahlparty des Kreisverbands Neukölln; dort ist auch Ibrahim Ibrahim, der als PFLP-Unterstützer gilt.
- 21. September 2026Chat-Screenshots veröffentlicht
Firas Remmo veröffentlicht Screenshots eines Instagram-Chats mit Koçak. Die Linke erklärt, Remmo sei nicht eingeladen gewesen und hinausgeschickt worden.
- 22. September 2026Koçak entschuldigt sich
Koçak entschuldigt sich öffentlich für den Chatkontakt und kündigt an, seine Parlamentsfunktionen ruhen zu lassen.
- 2. Oktober 2026Rückzug aus dem Innenausschuss
Koçak räumt Fehler ein, gibt seinen Sitz im Bundestags-Innenausschuss auf und sagt, er habe die Dimension des Kontakts erst beim Treffen mit Issa Remmo erkannt.
- 8. Oktober 2026Remmo spricht selbst
Remmo sagt der BILD-Zeitung, Koçak kenne ihn natürlich, zeigt Führungszeugnisse und kündigt an, selbst in die Politik zu gehen. SPD-Chef Krach fordert Koçaks Ausschluss aus der Fraktion.
- 9. Oktober 2026Debatte hält an
n-tv und weitere Medien greifen Remmos Aussage auf. Die Debatte um Koçaks Verbleib in der Fraktion und um die Regierungsfähigkeit der Berliner Linken hält an.
Auslöser war der Wahlabend in Neukölln
Auslöser der Affäre war Remmos Auftritt auf der Linken-Wahlparty in Neukölln am Abend der Abgeordnetenhauswahl am 20. September. Auf einem Foto ist auch Ibrahim Ibrahim neben Koçak zu sehen.
Einen Tag später veröffentlichte Firas Remmo Screenshots eines Chats, in dem Koçak „Grüße mit Respekt an deinen Vater“ ausrichtet und um die Verbreitung eines Videos bittet. Die Chatveröffentlichung von Firas Remmo brachte den Abgeordneten in Erklärungsnot: Koçak entschuldigte sich öffentlich.
Für die Linke steht mehr auf dem Spiel als ein Mandat. Sie wurde bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl mit 25,7 Prozent stärkste Kraft und sondiert mit SPD und Grünen über eine Regierung unter Spitzenkandidatin Elif Eralp. Die Jüdische Allgemeine glossierte Remmos Auftritt als „Persilschein“.
