Markus Lanz sieht Antisemitismus als Problem der ganzen Gesellschaft
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ZDF-Podcast

Markus Lanz sieht Antisemitismus als Problem der ganzen Gesellschaft

Markus Lanz hält Antisemitismus nicht für ein Problem der Linkspartei allein, sondern für eines der gesamten deutschen Gesellschaft – und nennt die Debatte über die Linke heuchlerisch. Richard David Precht warnt davor, den Vorwurf politisch zu instrumentalisieren.

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Markus Lanz hält Antisemitismus nicht für ein Problem der Linkspartei allein, sondern für eines der gesamten deutschen Gesellschaft. In Folge #266 des ZDF-Podcasts „Lanz + Precht“ sagt der Moderator, die Debatte über die Linke verenge den Blick auf ein einzelnes Thema. Die Ausgabe ist am 9. Oktober 2026 erschienen.

Ausgelöst hat den Streit der Sieg der Linken bei der Berliner im September 2026. Seither ringen SPD und Grüne um eine Regierungsbeteiligung, dazu kommt die Warnung des Zentralrats der Juden vor der Koalition. Lanz dreht die Richtung der Debatte um: Nicht die Partei, die Gesellschaft sei das Problem.

„Antisemitismus ist nicht auf die Linkspartei beschränkt. Antisemitismus ist ein generelles Problem in dieser deutschen Gesellschaft. Da ist auch wahnsinnig viel Heuchelei im Spiel.“
Markus Lanz, ZDF-Moderator

Lanz räumt antisemitische Äußerungen in der Basis ein

Dass es in der Linkspartei antisemitische Äußerungen gibt, bestreitet Lanz nicht. Das Eingeständnis steht in derselben Folge, in der er die Richtung der Vorwürfe kritisiert.

„viele antisemitische und auch super israelkritische und -feindliche Äußerungen aus der Linkspartei, was die Basis angeht. Da könnten wir einen halben Abend mit füllen.“
Markus Lanz, ZDF-Moderator

Zugleich nimmt Lanz die Wortwahl derer auseinander, die den Vorwurf erheben. Die Definition von Antisemitismus werde „bewusst unklar gelassen“, stattdessen sei von „Israelhassern“ die Rede. Nach seiner Lesart geht es in dem Streit „nicht wirklich um Antisemitismus, sondern um Kritik an Israel“.

Über den Podcast hinaus hat vor allem ein Satz die Berichte bestimmt: Lanz' Kritik an der Antisemitismus-Debatte um die Linke wurde unter dem Titel „Wahnsinnig viel Heuchelei im Spiel“ aufgegriffen.

Precht warnt vor dem Kampfbegriff

Richard David Precht, der zweite Gesprächspartner der Folge, warnt davor, den Antisemitismusvorwurf politisch nutzbar zu machen. Man dürfe „so einen ungeheuren, schweren Vorwurf wie Antisemitismus nicht politisch instrumentalisieren, ohne ihn zu entleeren“, sagt er.

Beim Berliner Koalitionsstreit wird Precht deutlicher: „Es darf doch nicht der Verdacht entstehen, dass die Antisemitismus-Vorwürfe ihren Hauptgrund darin haben, dass die CDU die Macht in Berlin nicht hergeben will!“

Der Vorwurf der Instrumentalisierung richtet sich damit in beide Richtungen – gegen die Kritiker der Linken und gegen die CDU, die in Berlin nach Prechts Darstellung die Macht nicht abgeben will. Belegt wird dieses Motiv in der Folge nicht; es bleibt eine Vermutung des Gesprächspartners.

Der Streit reicht bis in den Herbst 2024

Der Konflikt, den der Podcast aufgreift, ist älter als die Berliner Wahl. Ausgangspunkt ist ein Antrag der Berliner Linken zum Umgang mit Antisemitismus und Israelkritik vom 11. Oktober 2024. Gefasst wurde er laut dem Gespräch auf einem Landesparteitag, nicht auf einem Bundesparteitag.

Vom Parteitagsantrag zur Regierungsfrage

  1. 11. Oktober 2024
    Antrag der Berliner Linken zum Umgang mit Antisemitismus

    Auf einem Landesparteitag beschließt die Berliner Linke einen Antrag zum Umgang mit Antisemitismus und Israelkritik. Der Streit darüber zieht sich bis in den Podcast.

  2. September 2026
    Die Linke gewinnt die Berliner Abgeordnetenhauswahl

    Nach dem Wahlsieg entbrennt der Streit über eine Regierungsbeteiligung der Partei und über Antisemitismus-Vorwürfe gegen sie.

  3. 9. Oktober 2026
    Folge #266 von „Lanz + Precht“ erscheint

    Lanz und Precht kritisieren die Debatte und warnen davor, den Antisemitismusvorwurf politisch zu instrumentalisieren.

Der Ausgangspunkt des Streits liegt damit fast zwei Jahre zurück, entschieden ist er nicht. In der Podcast-Folge geht es deshalb um eine Grundsatzfrage: wo Kritik an Israel endet und Antisemitismus beginnt – und wer das festlegt.

Wer den Linken strukturellen Antisemitismus vorwirft

Gegen die Lesart von Lanz und Precht steht Ahmad Mansour. Er schreibt in der WELT, jeder Tag sei für deutsche Juden ein Grund, die Koffer zu packen, und erhebt den Vorwurf strukturellen Antisemitismus gegen die Berliner Linke.

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Für SPD und Grüne bleibt eine Entscheidung offen: Ob sie die Linke an der Berliner Regierung beteiligen, hängt auch daran, ob sie die Antisemitismus-Vorwürfe für ein Sachargument oder für ein taktisches Mittel im Koalitionsstreit halten. Antworten darauf geben Lanz und Precht in Folge #266 nicht.