1,4 Millionen Langzeitbezieher – AfD fordert Bürgerarbeit
1,4 Millionen Menschen beziehen seit mindestens fünf Jahren Grundsicherung, fast 38 Prozent von ihnen sind Ausländer. Die AfD fordert verpflichtende Bürgerarbeit, die CSU hält am Hilfeversprechen fest, das IAB verlangt passgenaue Unterstützung.
1,4 Millionen Menschen in Deutschland beziehen seit mindestens fünf Jahren Grundsicherung – fast 38 Prozent von ihnen sind Ausländer. Diese Auswertung der Bundesagentur für Arbeit wurde am 12. Oktober 2026 öffentlich; sie geht auf eine Anfrage der AfD-Fraktion im Bundestag zurück.
Für die AfD ist der Ausländeranteil der Hebel. Dazu passt ihre Forderung nach Bürgergeld nur für Deutsche. Der eigentliche Streit aber dreht sich um die Dauer des Bezugs und um die Frage, ob Arbeitsfähigkeit mit einer Pflicht verbunden wird.
René Springer, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, nennt die Kosten für den Steuerzahler als ausschlaggebendes Argument: „Es kann nicht sein, dass so viele Menschen auf Kosten der Steuerzahler Bürgergeld beziehen, obwohl sie arbeiten gehen könnten.“ Die Fraktion will solche Empfänger zu gemeinnütziger Bürgerarbeit verpflichten.
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Von 1,8 Millionen zurück auf über eine Million
Über zwei Jahrzehnte ist die Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland stark gesunken – seit 2019 steigt sie wieder. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zählte 2005 noch 1,8 Millionen Langzeitarbeitslose, 2019 nur noch 700.000. Für 2025 meldet das Institut wieder mehr als eine Million.
Die Bezugsdaten der Bundesagentur für Arbeit stammen aus einer Auswertung zu den Langzeitbeziehern von Grundsicherung: Danach beziehen gut 1,4 Millionen Menschen die Leistung seit mindestens fünf Jahren. Im September 2026 zählte die Behörde 3,7 Millionen erwerbsfähige Empfänger – 145.000 weniger als ein Jahr zuvor.
Langzeitarbeitslose in Deutschland, 2005 bis 2025
2025 liegt die Zahl laut IAB wieder über einer Million.
Quelle: IAB
Koalition verschärft die Regeln seit Juli
Die Regeln für die Leistung hat die Koalition bereits verschärft. Am 5. März 2026 beschloss der Bundestag mit 320 zu 268 Stimmen die Umgestaltung des Bürgergelds zur neuen Grundsicherung. Am 22. April 2026 wurde das Dreizehnte SGB-II-Änderungsgesetz im Bundesgesetzblatt verkündet, seit dem 1. Juli 2026 ersetzt die neue Grundsicherung das Bürgergeld schrittweise.
Am 20. Februar 2026 hatte die AfD im Ausschuss für Arbeit und Soziales den Antrag „Aktivierende Grundsicherung statt Grundsicherungsgeld“ vorgelegt, dokumentiert in der Ausschussdrucksache 21(11)93. Am 25. Juni 2026 debattierte der Bundestag ihren Antrag 21/6642, der Bürgerarbeit nach sechs Monaten und ein Ende der Einwanderung in den Sozialstaat verlangt; danach ging er an den Ausschuss für Arbeit und Soziales.
Druck kommt auch aus den Ländern. In Sachsen-Anhalt fordert Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) eine Arbeitspflicht für Bürgergeldempfänger: Gesunde Bezieher sollen gemeinnützige Arbeit wie Laubfegen leisten.
Von 1,8 Millionen Langzeitarbeitslosen zur neuen Grundsicherung
2005
1,8 Millionen Langzeitarbeitslose
Nach Zahlen des IAB erreicht die Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland 1,8 Millionen Menschen.
2019
Rückgang auf 700.000
Das IAB registriert noch 700.000 Langzeitarbeitslose.
2025
Wieder über eine Million
Die Zahl steigt erneut auf mehr als eine Million; Ende 2025 zählt die Bundesagentur gut 1,4 Millionen Langzeitbezieher von Grundsicherung.
5. März 2026
Bundestag beschließt neue Grundsicherung
Mit 320 zu 268 Stimmen macht der Bundestag aus dem Bürgergeld die neue Grundsicherung.
25. Juni 2026
AfD-Antrag im Bundestag
Der Bundestag debattiert den AfD-Antrag 21/6642 zu Bürgerarbeit nach sechs Monaten und überweist ihn in den Ausschuss für Arbeit und Soziales.
1. Juli 2026
Neue Grundsicherung startet
Das Bürgergeld wird schrittweise durch die neue Grundsicherung ersetzt.
12. Oktober 2026
Zahlen untermauern die Debatte
Die Auswertung der Bundesagentur zu den 1,4 Millionen Langzeitbeziehern wird öffentlich; die AfD bekräftigt ihre Forderung nach verpflichtender Bürgerarbeit.
CSU hält am Hilfeversprechen fest
Innerhalb der Koalition gibt es zu den Zahlen eine zweite Lesart. Der CSU-Sozialpolitiker Peter Aumer stellt der Verpflichtung das Grundversprechen des Sozialsystems entgegen – und formuliert es in einem Satz:
„Wer Hilfe braucht, muss Hilfe bekommen.“
Peter Aumer, CSU-Sozialpolitiker
Aumers Satz steht neben der Verschärfung, die seine eigene Koalition beschlossen hat: Kürzungen bei fehlender Mitwirkung sind bereits Gesetz. Die AfD wiederum setzt nicht auf Unterstützung, sondern auf Verpflichtung und will die Leistung an die Staatsbürgerschaft knüpfen.
IAB verlangt passgenaue Unterstützung
Das IAB warnt davor, die lange Bezugsdauer allein als Arbeitsunwillen zu lesen. Die Forscher verweisen auf „häufig Vermittlungshemmnisse wie eine niedrige formale Qualifikation oder gesundheitliche Einschränkungen“. Nötig sei deshalb „passgenaue und individualisierte“ Unterstützung.
Wie der Ausschuss für Arbeit und Soziales über den AfD-Antrag 21/6642 entscheidet, ist offen – und ebenso, ob die Koalition nach den 1,4 Millionen Langzeitbeziehern noch einmal nachschärft. Bis dahin bleibt der Streit ungelöst, ob Verpflichtung oder Unterstützung die Antwort auf diese 1,4 Millionen Menschen sein soll.