Bärbel Bas gibt beide Spitzenämter auf – mit sofortiger Wirkung. Die 58-Jährige legte am Montag, 12. Oktober 2026, den SPD-Vorsitz nieder und bat Bundeskanzler Friedrich Merz, sie als Bundesministerin für Arbeit und Soziales zu entlassen. Der ZDF-Bericht über den Rücktritt von Bärbel Bas nennt Trauer und öffentlichen Druck als Gründe.
Als Gründe nennt Bas den Tod ihrer Stieftochter Ende September und die öffentlichen Angriffe auf sie, die in dieser für mich persönlich schwierigen Zeit „leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners“ weiter forciert worden seien. Sie brauche Zeit, um die Trauer zu verarbeiten.
Ein Rücktritt mitten in der Trauer
„Nach dem Tod meiner Stieftochter habe ich festgestellt, dass ich Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten. Diese möchte ich mir ausreichend nehmen“, erklärte Bas. Anfang Oktober bestätigte das Arbeitsministerium einen „Trauerfall im engsten Familienkreis“; Bas sagte alle Termine ab, auch den Tag der Deutschen Einheit in Bremen. Ihre vollständige Begründung steht in dem Rücktritts-Statement von Bärbel Bas im Wortlaut.
Aus der eigenen Partei kam sofort Rückhalt. SPD-Co-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil bezog sich auf die Angriffe der vergangenen Tage und wurde deutlich:
„Die Angriffe gegen sie in den letzten Tagen ihrer Trauer waren unanständig. Sowas gehört sich nicht.“
Die Union hatte den Druck erhöht
Unionspolitiker hatten Bas zuletzt vorgeworfen, Gesetzentwürfe etwa zur Rentenreform zu verschleppen und Reformen zu blockieren. Wenige Tage vor ihrem Rücktritt war der Koalitionsausschuss ohne Beschluss geblieben – Merz' Verschiebung des Reformpakets auf Frühjahr 2027 machte den Stillstand sichtbar.
Offen konfrontiert wurde Bas aus Rheinland-Pfalz. Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) machte den Vorwurf öffentlich: „Das muss man dann auch aushalten. Wenn man Vereinbarungen nicht einhält, wenn man auch entsprechende Entwürfe nicht auf den Tisch legt, wenn man damit nicht ins Kabinett geht, dann muss man sich irgendwann fragen lassen, warum das nicht so ist.“
Schweitzer soll das Ministerium übernehmen
Die SPD bestätigte am Vormittag Alexander Schweitzer als künftigen Bundesarbeitsminister. Der Mann, der die Partei im März 2026 als Spitzenkandidat in die verlorene Landtagswahl von Rheinland-Pfalz geführt hatte, soll das Ministerium übernehmen. Klingbeil sagte seine Indien-Reise ab; ein Statement nach der Präsidiumssitzung wurde angekündigt.
Bundeskanzler Friedrich Merz reagierte mit Respekt auf Bas' Rücktritt. Die Kritik an der Union riss trotzdem nicht ab. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig nannte die Attacken der CDU „unmenschlich und rücksichtslos“, die Linke-Vorsitzende Ines Schwerdtner nannte den Druck „beschämend“.
„Ihre Entscheidung verdient Respekt. Als Vater und Großvater kann ich nur erahnen, wie schwer dieser Verlust wiegt.“
Wie es zu dem Rücktritt kam
Der Rücktritt fällt in eine seit Monaten angespannte Lage. Ende September starb Bas' Stieftochter; im März hatte die SPD mit Spitzenkandidat Alexander Schweitzer die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz verloren. Schon im Juli hatte ein Ultimatum der Bielefelder SPD an Bas und Klingbeil den Verzicht auf eines der beiden Ämter gefordert.
Von der Ministerin zur Rücktrittserklärung
- Mai 2025Bas wird Arbeitsministerin
Bärbel Bas übernimmt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Kabinett Merz.
- Juni 2025Doppelspitze der SPD
Bas wird gemeinsam mit Lars Klingbeil Bundesvorsitzende der SPD.
- März 2026Niederlage in Rheinland-Pfalz
Die SPD verliert mit Spitzenkandidat Alexander Schweitzer die Landtagswahl.
- 23. September 2026Letzter Auftritt
Bas erscheint letztmals bei einer Kabinettssitzung; die Pressekonferenz übernimmt Staatssekretärin Leonie Gebers.
- Ende September 2026Tod der Stieftochter
Bas' Stieftochter stirbt.
- 11. Oktober 2026CDU-Präsidium tagt
Das CDU-Präsidium beginnt eine zweitägige Klausur zur Bewältigung der Krise.
- 12. Oktober 2026Rücktritt
Bas gibt beide Ämter ab; die SPD bestätigt Alexander Schweitzer als künftigen Arbeitsminister.
Wer den SPD-Vorsitz übernimmt, ist offen – ein Statement nach der Präsidiumssitzung war angekündigt. Und mit dem Wechsel an der Spitze des Arbeitsministeriums stellt sich für die Koalition die Frage, ob die zuletzt stockende Rentenreform nun vorankommt.
