Bärbel Bas gibt nach dem Tod ihrer Stieftochter beide Ämter auf
Bärbel Bas tritt als SPD-Chefin und Arbeitsministerin sofort zurück – nach dem Tod ihrer Stieftochter und Angriffen auf sie in der Trauer. Ihr Amt soll der Rheinland-Pfälzer Alexander Schweitzer übernehmen, auf den sofort der Streit mit der Union um Arbeitszeit, Rente und Kündigungsschutz wartet.
Bärbel Bas gibt beide Ämter mit sofortiger Wirkung auf, Alexander Schweitzer steht als Nachfolger im Bundesarbeitsministerium bereit. In ihrem Statement zum Rücktritt bat die SPD-Vorsitzende und Arbeitsministerin Kanzler Merz um ihre Entlassung. Am Vormittag bestätigte die rheinland-pfälzische SPD, dass der frühere Ministerpräsident des Landes ihren Posten übernehmen soll.
Auslöser ist ein Trauerfall in ihrer Familie. Bas begründete den Schritt damit, dass sie nach dem Tod ihrer Stieftochter Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten. Sie könne derzeit nicht die Kraft aufbringen, kurzfristig ihre Regierungs- und Parteiarbeit vollumfänglich auszuüben, so Bas. Klingbeil nannte die Angriffe gegen sie in den letzten Tagen ihrer Trauer „unanständig“.
Die rheinland-pfälzische SPD bestätigte am Vormittag den Wechsel, den unter anderem der SWR-Bericht zum neuen Bundesarbeitsminister gemeldet hatte. Mit Schweitzer stellt das Land künftig drei Minister im Bundeskabinett – neben Justizministerin Stefanie Hubig und Bauministerin Verena Hubertz.
Schweitzer ist stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD. Seit Mai 2026 führt er in Mainz die SPD-Landtagsfraktion und amtiert kommissarisch als Landesvorsitzender. Zuvor war er Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und hatte dort von 2021 bis 2024 das Ressort Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung inne.
Die Vorgeschichte: von Mainz nach Berlin
2021 – 2024
Arbeits- und Sozialminister in Rheinland-Pfalz
Schweitzer führt in Mainz das Ressort Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung.
Juli 2024
Schweitzer wird Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz
6. Mai 2025
Bärbel Bas übernimmt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales
März 2026
SPD verliert die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz
Spitzenkandidat ist Alexander Schweitzer.
Mai 2026
Schweitzer übergibt an Gordon Schnieder
Der CDU-Politiker wird Ministerpräsident, Schweitzer führt nun die SPD-Landtagsfraktion und ist kommissarischer Landesvorsitzender.
23. September 2026
Letzter öffentlicher Termin von Bas
Nach einer Kabinettssitzung zieht sie sich wegen des Trauerfalls zurück.
12. Oktober 2026
Rücktritt und Nominierung am selben Tag
Bas erklärt ihren Rücktritt, mehrere Redaktionen melden, dass Schweitzer Bundesarbeitsminister werden soll.
Arbeitszeit, Rente, Kündigungsschutz
An Schweitzer hängt sofort der härteste Streit der Koalition. Im Arbeits- und Sozialministerium warten auf ihn ungelöste Konflikte mit der Union: die Umstellung von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit, die Rentenreform, eine Lockerung des Kündigungsschutzes und weitere Verschärfungen bei der Grundsicherung.
Schweitzer hat zuletzt erkennen lassen, wie er auftreten will. Mitte September sagte er bei einer Pressekonferenz in Mainz, er befinde sich in keinem Wahlkampf – auch nicht in seiner Partei. Dazu passt sein Satz über Symbolpolitik: „Eine Politik, die die Menschen nicht akzeptieren, lässt sich nicht mit einem rhetorischen Schleifchen verkaufen.“
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Wer rückt an die Parteispitze?
Offen ist, wer Bas an der SPD-Spitze nachfolgt. Klingbeil will am Modell der Doppelspitze festhalten; die Partei kündigte ein Statement nach einer Präsidiumssitzung an. Druck von unten gab es schon im Juli: Damals stellte das Bielefelder Ultimatum an Bas und Klingbeil beide vor die Wahl – Parteivorsitz oder Ministeramt.
Klingbeil sagte seine Reisen nach Indien und zur IWF/Weltbank-Jahrestagung in Thailand ab.
Wann der Kanzler Bas' Entlassung vollzieht und wann Schweitzer ernannt wird, ist noch nicht bekannt. Die erste Bewährungsprobe wartet mit dem Arbeitszeitstreit, in dem Union und SPD gegeneinander stehen.