Linke, SPD und Grüne nennen AfD intellektuell unterlegen
Die Fraktionsvorsitzenden von Linke, SPD und Grünen in Sachsen-Anhalt greifen die AfD in einem gemeinsamen ZEIT-Interview frontal an und nennen die AfD-Abgeordneten „intellektuell unterlegen“. Gleichzeitig räumen sie eigene Fehler ein.
Die Fraktionsvorsitzenden von Linke, SPD und Grünen im Landtag von Sachsen-Anhalt greifen die AfD frontal an. In einem Interview der drei Fraktionsvorsitzenden mit der ZEIT sagte Eva von Angern über die AfD-Abgeordneten einen Satz, der seither zitiert wird.
„Diesen Männern sind wir intellektuell überlegen, die können uns nicht das Wasser reichen.“
Eva von Angern, Fraktionsvorsitzende Die Linke Sachsen-Anhalt
Von Angern führt seit der Landtagswahl am 6. September 2026 die Linke-Fraktion im Magdeburger Landtag, die mit 8,6 Prozent die kleinste ist. Die AfD stellt dort die stärkste Fraktion und seit dem 6. Oktober 2026 auch den Landtagspräsidenten. Außerhalb des Parlaments, sagte von Angern, schaffe die AfD ein „Klima der Feindseligkeit“.
Zusammen mit Katja Pähle (SPD) und Susan Sziborra-Seidlitz (Grüne) kündigte von Angern an, die drei Fraktionen wollten künftig enger zusammenarbeiten. Wie WELT zwei Tage später in ihrer Zusammenfassung der Attacken gegen die AfD berichtete, wollen Linke, SPD und Grüne ihre Kräfte im Landtag bündeln.
Die AfD holt 43,8 Prozent
Die AfD gewann die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent und verpasste die absolute Mehrheit nur knapp. Die CDU kam auf 17,2 Prozent, die SPD auf 9,3 Prozent, die Grünen auf 8,9 Prozent, die Linke auf 8,6 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 77,8 Prozent.
Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026
Quelle: Landtagswahl Sachsen-Anhalt, 6. September 2026
Bei der konstituierenden Sitzung des neuen Landtags am 6. Oktober 2026 wurde Tobias Rausch (AfD) mit 48 von 82 Stimmen zum bundesweit ersten AfD-Landtagspräsidenten gewählt. Zum Vizepräsidenten kam Hans-Thomas Tillschneider (AfD) mit 44 Ja- und 38 Nein-Stimmen; die Geschäftsordnung wurde geändert. Hunderte Menschen demonstrierten auf dem Magdeburger Domplatz.
Die Opposition räumt eigene Fehler ein
Die drei Politikerinnen räumten in dem Interview eigene Fehler ein. „Materielle Sorgen allein erklären den Erfolg der AfD nicht“, sagte Pähle.
Über den Abend der Landtagswahl sagte Pähle: „Als ich am Abend nach Hause gefahren bin, habe ich mich gefragt, ob wir nicht den Fluxkompensator anschmeißen und zurück in die Vergangenheit reisen könnten. Im Ernst: Es war ein beschissener Tag.“
Susan Sziborra-Seidlitz von den Grünen führt den AfD-Erfolg auch auf die Ansprache der Partei zurück. „Moped, Freibier, Bratwurst – dabei haben viele Menschen Zusammengehörigkeit gespürt“, sagte sie. Der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sei ein „guter Verkäufer“, der dieses Gemeinschaftsgefühl erzeuge.
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Medienkritik und Frauen unter Druck
Kritik übten die drei auch an den Medien: Sie beklagten die übermäßige Aufmerksamkeit, die dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zuteilwerde.
Sichtbar wurde in dem Gespräch auch, wie sehr die Politikerinnen selbst angegriffen werden. „Wenn jemand ‚fette grüne Kuh‘ über mich schreibt, macht das etwas mit mir“, sagte Sziborra-Seidlitz. Von Angern beschrieb, was das für Frauen in der Politik bedeutet.
„Tatsächlich erleben wir, dass Frauen sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen, wenn sie merken, dass immer wieder gegen sie geschossen wird. Das ist ein systematisches Problem: Frauen sollen unsichtbar gemacht werden.“
Eva von Angern, Fraktionsvorsitzende Die Linke Sachsen-Anhalt
Die Feststellung, dass Frauen sich wieder stärker vernetzen, quittierte von Angern mit: „Charmante These! Ich bin dabei, denn ja, Frauen vernetzen sich wieder stärker.“
Eine Chatgruppe namens R2G
Wie eng die drei Fraktionen inzwischen zusammenarbeiten, beschrieb von Angern mit einem Detail aus dem Alltag: „Wir haben sogar so Revolutionäres wie eine gemeinsame Chatgruppe. Die heißt ganz kreativ: R2G, dazu zwei rote Herzen und ein grünes.“
Was Linke, SPD und Grüne im Landtag erreichen wollen, beschreibt Sziborra-Seidlitz so: „Die AfD ist eben keine normale demokratische Partei. Außerdem wissen wir, dass sie von vielen Dingen, die sie jetzt zu verantworten haben, schlicht keine Ahnung haben. Also werden wir versuchen, die gröbsten Fehler zu verhindern und dadurch Einfluss zu gewinnen.“
Ob dieser Kurs der Opposition hilft oder der AfD neue Argumente liefert, ist offen – warum das Versagen der Gegner der AfD nutzt, beschrieb der Politologe Albrecht von Lucke schon vor der Wahl. Entscheiden wird sich das an den nächsten Abstimmungen im Magdeburger Landtag, wo die drei Fraktionen ihre angekündigte Zusammenarbeit erstmals unter Beweis stellen müssen.