Van Aken nennt CDU nach Bas-Rücktritt einen herzlosen Verein
Bei „Hart aber fair“ rechnet der Linke Jan van Aken mit der Union ab, Karl Lauterbach fordert von CDU und CSU ein Schuldeingeständnis – und der CDU-Minister Nathanael Liminski hält die Kritik an Bärbel Bas für zulässig.
In der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ hat der Linken-Bundestagsabgeordnete Jan van Aken am Montagabend die CDU scharf angegriffen. Er nannte sie einen herzlosen Verein von karrieregeilen Männern.
Die Sendung lief am 12. Oktober ab 21:00 Uhr bei ARD und WDR, moderiert von Louis Klamroth. Offizielles Thema war „Starke Ränder, schwache Mitte – bleibt das jetzt so?“. Aufmacher der Runde war jedoch Bas' Rücktritt als SPD-Chefin und Ministerin, den sie am selben Tag mit sofortiger Wirkung erklärt hatte.
Van Aken, früherer Bundesvorsitzender der Linken, legte nach: Die Männer der Union hätten in der Politik nichts mehr zu suchen. Die Attacke traf die Christdemokraten, die Bas in den Wochen zuvor öffentlich unter Druck gesetzt hatten.
„Diese CDU, das ist nur noch ein herzloser Verein von karrieregeilen Männern. Die haben echt in dieser Politik nichts mehr zu suchen.“
Jan van Aken, Bundestagsabgeordneter der Linken
Lauterbach zählt drei Arten von Angriffen
Karl Lauterbach verteidigte Bas im Studio – und wurde in der Sache deutlich schärfer als im Ton. Der SPD-Abgeordnete sagte über sie: „Mit Bärbel Bas ist man sehr unfair umgegangen. Das hat sie nicht verdient.“
Lauterbach unterschied „dreierlei Arten von Angriffen“: Attacken im Hintergrund, öffentliche Angriffe – unter anderem von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst – sowie Angriffe „aus der zweiten Reihe“.
Von der Union verlangte Lauterbach, einen Fehler einzuräumen. Der Darstellung, die kritisierten Unionspolitiker hätten nichts von Bas' Situation gewusst, widersprach er deutlich: „Aber die Leute, die genannt worden sind, wussten alle, wie schwierig es mit Bärbel Bas steht.“
„Ich fände es großartig, wenn die Union bereit wäre zu sagen, hier haben wir möglicherweise einen Fehler gemacht. Das fände ich ehrlich und besser.“
Karl Lauterbach, SPD-Bundestagsabgeordneter
Der Druck wuchs in 19 Tagen
Die Chronologie zeigt, wie kurz der Weg vom ersten öffentlichen Vorstoß bis zum Rücktritt war. Bas' letzter öffentlicher Auftritt war eine Kabinettsitzung am 23. September; danach sagte sie alle weiteren Termine ab.
Von der Terminabsage zum Rücktritt
23. September 2026
Letzter öffentlicher Auftritt
Bärbel Bas nimmt letztmals an einer Kabinettsitzung teil, danach sagt sie alle weiteren Termine ab.
24. September 2026
Wüst fordert Gesetzentwurf
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) verlangt öffentlich einen Gesetzentwurf von Bas.
1. Oktober 2026
Hoppermann drängt
CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann fordert einen zeitnahen Gesetzesentwurf zur Rente.
4. Oktober 2026
Reiche legt nach
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche verlangt einen zeitnahen Entwurf zur Rentenreform.
5. Oktober 2026
Kritik von Söder und Müller
CSU-Chef Markus Söder und CDU/CSU-Fraktionsvize Sepp Müller kritisieren Bas' Arbeit bei den Sozialreformen.
12. Oktober 2026
Rücktritt mit sofortiger Wirkung
Bas gibt das Bundesarbeitsministerium und den SPD-Co-Vorsitz auf. Sie nennt den Tod ihrer Stieftochter und öffentliche Angriffe auch aus den Reihen des Koalitionspartners als Gründe.
12. Oktober 2026, 21:00 Uhr
Abrechnung im Studio
Bei „Hart aber fair“ nennt van Aken die CDU einen herzlosen Verein, Lauterbach erhebt schwere Vorwürfe, Liminski widerspricht.
Am Tag des Rücktritts eskalierte der Streit auch außerhalb des Studios. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig warf der CDU vor, ihre Attacken auf Bas seien unmenschlich und rücksichtslos gewesen. Bundeskanzler Friedrich Merz wies die Vorwürfe zurück.
Die Union hält an der Kritik fest
Für die Union widersprach im Studio Nathanael Liminski. Der CDU-Minister aus Nordrhein-Westfalen hielt die Kritik an Bas' Arbeit für zulässig und verteidigte das Vorgehen seiner Partei.
„Das ist, finde ich, zumindest nicht unbotmäßig.“
Nathanael Liminski, CDU-Minister in Nordrhein-Westfalen
Die Union knöpfte sich nach dem Rücktritt ihrerseits Schwesig vor, die mit ihrem Vorwurf gegen die CDU selbst in die Kritik geriet. Der Streit über den Umgang der Union mit Bas beschäftigt die Koalition seit dem Rücktrittstag.
Bei der SPD geht der Schnitt weiter: Die Partei will ihre gesamte Führung auf einem Parteitag zum Jahreswechsel neu wählen lassen. Damit stehen auch der Co-Vorsitz und die übrige Parteispitze zur Disposition.
Umfrage
Lädt
Bis zum SPD-Parteitag zum Jahreswechsel dürfte der Streit die Koalition begleiten. Offen bleibt vor allem eins: ob CDU und CSU den von Lauterbach geforderten Fehler einräumen – oder ob die Union ihre Kritik an Bas weiter verteidigt.