Hape Kerkeling lässt offen, ob er Bundespräsident werden will
Fast 155.000 Menschen haben per Campact-Petition gefordert, Hape Kerkeling zum Bundespräsidenten zu machen. Der Komiker zeigt sich gerührt, bezweifelt aber den Erfolg – und verweist auf die CDU, die über die Personalie entscheide.
Fast 155.000 Menschen haben auf der Plattform der Kampagnenorganisation Campact eine Petition unterschrieben, die Hape Kerkeling (61) zum Bundespräsidenten machen soll. Sie trägt den Titel „Hape Kerkeling als Bundespräsident – ein Zeichen für eine starke Demokratie!“. Der Entertainer antwortet darauf weder mit Ja noch mit Nein.
Seine Reaktion steht in dem Spiegel-Interview über die Petition für ihn, das am 13. Oktober 2026 erscheint. Darin sagt Kerkeling über die Unterschriften: „Das hat mich gerührt, und ich nehme es so ernst, wie es gemeint ist.“
Unterbinden wollte er die Kampagne nicht. „Dass da jemand eine Petition startet und die Idee hat, eine queere Person soll Staatsoberhaupt werden – das wollte ich nicht unterbinden“, sagt Kerkeling. An den Erfolg der Petition glaubt er trotzdem nicht.
Unterschriften für die Campact-Petition für Hape Kerkeling
Stand: 13. Oktober 2026
Quelle: Campact, MDR AKTUELL, dpa
Kerkeling lässt offen, ob er selbst will
Ein eigenes Interesse am höchsten Staatsamt hat Kerkeling nicht zurückgewiesen. Stattdessen schiebt er die Entscheidung den Parteien zu, namentlich der CDU. Ohne sie gehe es nicht, sagt er – und hofft, dass die Wahl auf „die richtige Dame“ fällt.
„Ohne die CDU würde es nicht gehen. Und die wird jemanden nach ihrer Vorstellung küren. Da wollen wir hoffen, dass die Wahl auf die richtige Dame fällt.“
Hape Kerkeling, Komiker, Autor und Schauspieler
Über das Amt entscheiden die Unterschriften nicht. Gewählt wird das Staatsoberhaupt von der Bundesversammlung, die am 30. Januar 2027 zusammentritt; vorgeschlagen werden die Kandidatinnen und Kandidaten von den Parteien.
Von Buchenwald bis zum AfD-Verbot
Der zweite Strang dieser Geschichte ist Kerkelings Einsatz gegen die AfD. Bei seinem Plädoyer bei der Anhörung in Erfurt Ende September 2026 warb er für die Prüfung eines Verbotsverfahrens. Über das Risiko für seine Karriere sagte er: „Mir war es regelrecht wurscht, ob ich meine Karriere aufs Spiel setze, solange die Aufmerksamkeit auf diese Anhörung gelenkt wird.“
Dafür erntet er Anfeindungen. „Es kamen bisher etwa 150 Zuschriften von Anhängern der AfD, die meisten davon beschämend und niederträchtig“, sagt Kerkeling. „Aus diesem Lager kam keine einzige E-Mail, die nicht in irgendeiner Form meine Würde verletzt hat.“ Anfang Oktober 2026 legte er mit seiner erneuten Forderung nach einem AfD-Verbotsverfahren nach.
Wie tief seine Ablehnung reicht, zeigt ein weiterer Satz aus dem Interview: „Wer Rechtsextremisten wählt, will keinen bloßen Denkzettel verteilen, wie es oft heißt. Wer will, dass die Löwen in die Arena kommen, der will auch Blut sehen.“ Kerkeling sagt das über den Erfolg der AfD.
Die Chronologie der Petition für Hape Kerkeling
12. April 2026
Hauptrede in Buchenwald
Kerkeling spricht als Enkel des früheren Buchenwald-Häftlings Hermann Kerkeling beim Gedenken an die Befreiung des KZ.
10. Juni 2026
Petition überschreitet 20.000 Unterschriften
Gegenüber Stern TV sagt Kerkeling, nach allem, was in der Welt passiere, schließe er nichts mehr aus.
13. Juni 2026
Rund 40.000 Unterschriften
Linke-Fraktionschefin Heidi Reichinnek nennt Kerkeling einen gut geeigneten Vorschlag.
30. September 2026
Anhörung im Thüringer Landtag
Kerkeling wirbt für die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens.
3. Oktober 2026
Appell zum Tag der Deutschen Einheit
In einem Video fordert Kerkeling, die überfällige Prüfung eines Verbotsverfahrens gegen die AfD einzuleiten.
13. Oktober 2026
Spiegel-Interview erscheint
Kerkeling zeigt sich gerührt über fast 155.000 Unterschriften, bezweifelt den Erfolg und verweist auf die CDU.
30. Januar 2027
Bundesversammlung
Termin für die Wahl des neuen Bundespräsidenten oder der neuen Bundespräsidentin.
Reichinnek nennt ihn einen geeigneten Vorschlag
Rückendeckung für eine Kandidatur kommt von der Linken. Fraktionschefin Heidi Reichinnek nannte Kerkeling schon Mitte Juni 2026 einen „gut geeigneten Vorschlag“, wie dem MDR-Bericht über die Zustimmung zur Kandidatur zu entnehmen ist. Die Idee komme direkt aus der Bevölkerung, begründete sie; sein Einsatz für Demokratie und Toleranz mache ihn passend. Damals hatten rund 40.000 Menschen unterschrieben.
Kerkeling begründet sein Engagement mit Dankbarkeit: „Ich verdanke diesem Land viel, zum Beispiel, dass ich als Kind aus einer Arbeiterfamilie etwas werden und in meiner Karriere von der Meinungsfreiheit profitieren durfte. Jetzt möchte ich etwas zurückgeben.“ Ob die 155.000 Unterschriften bis zur Bundesversammlung am 30. Januar 2027 eine Rolle spielen, entscheidet sich bei den Parteien – und bei der CDU, auf die Kerkeling selbst verweist.