Bei der konstituierenden Sitzung des Landtags von Sachsen-Anhalt in Magdeburg hat AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund den ZDF-Reporter Fabian Köster mit einer Jobfrage konfrontiert: „Was machen Sie, wenn wir dieses Jahr noch den Medienstaatsvertrag kündigen? Haben Sie sich schon einen Job gesorgt?“
Köster konterte mit der Vetternwirtschaftsaffäre der AfD und dem Fall des Abgeordneten Philipp-Anders Rau, der wegen Urkundenfälschung und Diebstahls verurteilt wurde. Siegmund antwortete: „Selbstverständlich. Denn die lieben ihr Land. Damit haben Sie nichts am Hut.“
Ausgestrahlt wurde die Szene am 9. Oktober in der ZDF-„heute-show“. Ein Team des „Deutschland-Kurier“ verfolgte Köster anschließend durch den Landtag. Seitdem streiten der Deutsche Journalisten-Verband, das ZDF und die AfD-Bundestagsfraktion darüber, was eine solche Ansage an einen Reporter darf.
Der Konter trifft die AfD an zwei offenen Stellen
Kösters Antwort zielte auf zwei Punkte, die die AfD in Sachsen-Anhalt seit Monaten begleiten: die Vetternwirtschaftsaffäre der Partei und den Fall des Abgeordneten Rau. Siegmund ließ das nicht stehen. Er erklärte die AfD zur Partei, die ihr Land liebe, und sprach Köster ab, dasselbe zu tun.
Es war nicht das erste Treffen der beiden: Am 22. August lieferten sich Siegmund und Köster in Oranienbaum ein dreiminütiges Wortgefecht über Zuwanderung und Fachkräftemangel.
Die Eskalation seit August
- 22. August 2026Erstes Aufeinandertreffen in Oranienbaum
Siegmund und Köster streiten am AfD-Wahlkampfstand über Zuwanderung und Fachkräftemangel.
- 2. Oktober 2026Böhmermann-Einspieler im ZDF Magazin Royale
Ein Mopedfahrer auf einer blauen Simson wird mehrfach von einem Lkw überrollt. Kritiker deuten die Szene als Anspielung auf Siegmund.
- 6. Oktober 2026Konstituierende Sitzung des Landtags in Magdeburg
Tobias Rausch (AfD) wird Landtagspräsident. Siegmund fragt Köster nach dessen Job, Köster kontert mit Vetternwirtschaft und dem Fall Rau.
- 9. Oktober 2026Ausstrahlung in der heute-show
Die Szenen aus dem Landtag laufen im ZDF.
- 10. und 11. Oktober 2026DJV verurteilt die Ansage
Der Verband wertet Siegmunds Äußerung als Drohung, Beuster spricht von „pure Einschüchterung“. Das ZDF verweist auf die Rundfunkfreiheit.
- 13. Oktober 2026Frohnmaier verteidigt Siegmund
Der stellvertretende Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion greift überbezahlte ZDF-Meinungsmacher an.
- 14. Oktober 2026JF-Kommentar und Beschwerden
Der JF-Kommentar von Henning Hoffgaard erscheint. Das ZDF meldet Beschwerden im unteren dreistelligen Bereich zum Böhmermann-Einspieler.
Journalistenverband spricht von Einschüchterung
Der Deutsche Journalisten-Verband veröffentlichte am 10. Oktober eine Pressemitteilung und wertete Siegmunds Ansage als Drohung gegen Köster. Bundesvorsitzender Mika Beuster sagte: „Erst kritische Journalisten unter Druck setzen, dann Sender abwickeln wollen: Das ist kein Medienkonzept, das ist pure Einschüchterung.“
Einen Tag später blieb der Verband bei dieser Einschätzung. DJV wirft Siegmund Einschüchterung von Reportern vor — Beuster wiederholte seinen Vorwurf, Siegmund setze kritische Journalisten unter Druck.
Das ZDF verwies auf die im Grundgesetz garantierte Rundfunkfreiheit: Regierungen und Parteien könnten dem Sender keine Vorgaben für seine Berichterstattung machen. Der Streit reicht damit über den Landtagsflur hinaus und trifft das Verhältnis von Landesregierung und öffentlich-rechtlichem Rundfunk.
Rückendeckung aus der AfD-Bundestagsfraktion
Markus Frohnmaier, stellvertretender Vorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion, verteidigte Siegmund am 13. Oktober und griff den Journalistenverband an. Frohnmaiers Wut gegen überbezahlte ZDF-Meinungsmacher richtet sich gegen den Verband und die Anstalten.
„Wie lächerlich ist das denn? Der Deutsche Journalisten-Verband verurteilt Ulrich Siegmund für seine Ansage gegenüber Fabian Köster vom ZDF, dass er die Rundfunkzwangsgebühren abschaffen will und Köster sich dann einen neuen Job suchen muss! Was ist das für eine Logik?“
Frohnmaier schrieb, überbezahlte ZDF-Meinungsmacher hätten keinen Anspruch darauf, lebenslang im Reichtum durch die Gebühren der Bürger zu leben. Frohnmaier verteidigte Siegmund und kritisierte den Deutschen Journalisten-Verband; eine Position der Fraktion zur Kündigung des Medienstaatsvertrags geht daraus nicht hervor.
Im Dezember soll die Wahl folgen
Siegmund verbindet seinen Auftritt mit einer Ansage: „Herzlich willkommen in einer neuen Zeit, herzlich willkommen in Sachsen-Anhalt.“ Im Dezember 2026 will er sich im Landtag von Sachsen-Anhalt zum Ministerpräsidenten wählen lassen.
Die CDU-Fraktion will die Siegmund-Wahl boykottieren und damit verhindern, dass eigene Abgeordnete dem AfD-Kandidaten zur Mehrheit verhelfen.
Der JF-Kommentar von Henning Hoffgaard vom 14. Oktober verteidigt Siegmund und rechnet mit den Satirikern von ARD und ZDF ab; die Titelseite nennt die Namen Böhmermann, Krömer und Köster. Am selben Tag meldete das ZDF zum Böhmermann-Einspieler Beschwerden im unteren dreistelligen Bereich.
Ob Siegmund im Dezember die nötigen Stimmen bekommt, hängt daran, ob die CDU ihren Boykott durchhält. Offen ist auch, ob der Streit mit dem ZDF bis zur Wahl weiter eskaliert.
