Landtag Sachsen-Anhalt prüft Bedrängung von ZDF-Reporter Köster
Nach der mutmaßlichen Bedrängung des ZDF-Reporters Fabian Köster bei der konstituierenden Landtagssitzung am 6. Oktober will Sachsen-Anhalts Landtagsverwaltung den Vorfall auswerten. Gegen Störer kündigt sie Verweise und Hausverbote an — der DJV sieht in Siegmunds Auftritt pure Einschüchterung.
Nach der mutmaßlichen Bedrängung des ZDF-Reporters Fabian Köster im Landtag von Sachsen-Anhalt drohen Streamern jetzt Konsequenzen. Die Landtagsverwaltung will den Vorfall auswerten und kündigt Verweise sowie Hausverbote an. Schon jetzt soll der Schutz von Journalistinnen und Journalisten im Parlament verbessert werden, wie aus der Zeit-Berichterstattung über die angekündigte Prüfung hervorgeht.
Anlass ist die konstituierende Sitzung des Landtags in Magdeburg am 6. Oktober. Ein Streamer des AfD-nahen YouTube-Kanals „Deutschland Kurier“ soll Köster durch Gänge und Treppenhaus verfolgt und ihn nach seinem Gehalt gefragt haben, obwohl der „heute-show“-Reporter mehrfach erklärt hatte, keine Interviews zu geben. Die Aufnahmen veröffentlichte der Kanal selbst. Bei derselben Sitzung wurde Tobias Rausch als erster AfD-Landtagspräsident gewählt.
Der DJV spricht von Einschüchterung
Für die Kritik steht vor allem AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Er hatte Köster im Landtag gefragt, was er mache, wenn die AfD noch 2026 den Medienstaatsvertrag kündige: „Haben Sie sich schon einen Job gesucht?“ Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) wirft ihm vor, den Reporter damit eingeschüchtert zu haben, wie dem Bericht über die Vorwürfe gegen Siegmund zu entnehmen ist. Bundesvorsitzender Mika Beuster sagt: „Erst kritische Journalisten unter Druck setzen, dann Sender abwickeln wollen: Das ist kein Medienkonzept, das ist pure Einschüchterung.“
Beuster verlangt, dass Parlamente ihre Räume schützen: „Parlamentarische Räume müssen Orte sein, an denen Journalistinnen und Journalisten frei und sicher arbeiten können.“ Auch das ZDF positionierte sich: Die Rundfunkfreiheit schütze seine journalistische Unabhängigkeit, Regierungen und Parteien könnten keine Vorgaben machen.
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Die Vorgeschichte reicht in den Wahlkampf
Der Fall steht nicht allein. Schon vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hatten rechte Streamer im Umfeld von AfD-Wahlkampfveranstaltungen mehrfach Journalisten bedrängt. Die Gewerkschaft dju zählte mindestens 30 solcher Vorfälle; ihre Dokumentation der Übergriffe auf Medienschaffende spricht von einer Eskalation.
Köster und Siegmund waren bereits im August 2026 aneinandergeraten, bei einem AfD-Wahlkampfauftritt in Oranienbaum — das dreiminütige Wortgefecht zwischen Siegmund und Köster. Im September 2026 legte der AfD-Bundesvorstand nach: Ein Streamer erhält nur noch Zugang zu Parteiveranstaltungen, wenn er zusichert, andere Streamer und Journalisten nicht zu belästigen.
Von Oranienbaum bis zur angekündigten Prüfung
August 2026
Erstes Duell in Oranienbaum
Bei einem AfD-Wahlkampfauftritt geraten Siegmund und Köster aneinander; es ist ihr erstes Wortgefecht.
September 2026
AfD-Bundesvorstand beschließt Streamer-Regel
Ein Streamer soll nur noch Zugang zu Parteiveranstaltungen erhalten, wenn er zusichert, andere Streamer und Journalisten nicht zu belästigen.
6. Oktober 2026
Konstituierende Sitzung in Magdeburg
Ein Streamer des Kanals „Deutschland Kurier“ soll Köster durch Gänge und Treppenhaus verfolgt haben. Tobias Rausch wird erster AfD-Landtagspräsident.
11. Oktober 2026
DJV kritisiert Siegmund
Der Verband spricht von „pure Einschüchterung“.
12. Oktober 2026
Medien greifen den Fall auf
Spiegel und weitere Medien berichten über den Vorfall und die Kritik des Journalistenverbands.
15. Oktober 2026
Landtagsverwaltung kündigt Konsequenzen an
Sie will den Vorfall auswerten und Journalisten besser schützen — bis hin zu Verweisen und Hausverboten.
Was die Landtagsverwaltung jetzt ankündigt
Am 15. Oktober bestätigte die Landtagsverwaltung, den Vorfall auszuwerten. Wer Journalistinnen und Journalisten im Parlament bedrängt, soll künftig mit einem Verweis oder einem Hausverbot rechnen. Zugleich kündigte die Verwaltung an, den Schutz der Berichterstatter in den Räumen des Landtags zu verbessern.
„Ich hoffe halt, dass ich mit irgendeinem AfD-Kollegen verwandt bin, weil dann stellt er mich ja einfach ein.“
Fabian Köster, ZDF-„heute-show“-Reporter
Köster selbst reagiert auf die Fragen nach seiner beruflichen Zukunft mit Spott. Wie die Verwaltung Verweise und Hausverbote durchsetzen will und wen sie treffen, ist offen — ebenso ein Zeitrahmen. Bis zum nächsten Sitzungstag im Magdeburger Landtag muss sich zeigen, ob der angekündigte Schutz für Journalisten mehr ist als eine Zusage.