Sarah Engels (34) feiert an diesem 15. Oktober ihren Geburtstag – und ihr Wunsch gilt nicht ihr selbst. Alessio und Solea sollen den Weg ins Rampenlicht nicht gehen müssen, den ihre Mutter seit 2011 gegangen ist.
Der Anlass für diesen Satz ist ein Jahr, das glänzend begann und ernüchternd endete. Im Februar gewann sie den deutschen ESC-Vorentscheid, im Mai kam sie beim Finale in Wien auf Platz 23.
Ihr Weg in die Öffentlichkeit begann lange vor diesem Jahr. Wer ihn kennt, versteht, warum sie ausgerechnet beim Thema Bewertung so genau weiß, wovon sie spricht.
Sarah Engels: Stationen bis zum 34. Geburtstag
- 2011Durchbruch bei DSDS
Als Zweitplatzierte der achten DSDS-Staffel wird sie bekannt; ihre Debütsingle „Call My Name“ erreicht Platz 2 der deutschen Charts.
- Februar 2025100.000 Euro für die Stiftung
Sieg bei „Schlag den Star“ gegen Evelyn Burdecki. Engels kündigt an, das Preisgeld für die Stiftung „Starke Mädchen“ zu nutzen.
- November 2025Premiere als Satine
Im Kölner Musical „Moulin Rouge!“ übernimmt sie die Rolle der Satine.
- 28. Februar 2026Sieg im deutschen ESC-Vorentscheid
38,3 Prozent der Publikumsstimmen im Superfinale von „Das deutsche Finale 2026“ in Berlin.
- 16. Mai 2026Platz 23 beim ESC-Finale in Wien
Zwölf Punkte, alle aus den Jurys von Italien, Portugal, Bulgarien und Belgien.
- 15. Oktober 202634. Geburtstag
Zwischen Musical, Stiftung und der Aufarbeitung des ESC-Abends feiert Sarah Engels Geburtstag.
Von 38,3 Prozent zu Platz 23
In Berlin war die Sache eindeutig. Im Superfinale des deutschen Vorentscheids „Das deutsche Finale 2026“ am 28. Februar holte sie 38,3 Prozent der Publikumsstimmen und damit das Ticket nach Wien.
Der ESC-Abend am 16. Mai fiel anders aus: Platz 23, zwölf Punkte. Alle kamen von den Jurys aus Italien, Portugal, Bulgarien und Belgien – vom europäischen Fernsehpublikum erreichte sie kein einziger.
„Das Ranking ist egal. Ich habe eine megakrasse Erfahrung gemacht. Ich habe vor 180 Millionen TV-Zuschauern singen dürfen, wir haben alles gegeben.“
Neu ist diese Klarheit nicht – Ende Juli hatte sie schon ihre Abrechnung mit ESC und TV-Ehe öffentlich gemacht. Aus dem Ergebnis macht sie inzwischen eine Regel, die über den ESC hinausreicht: 'Es ist ganz egal, ob du Platz 23 belegst, mal eine schlechte Note in der Schule hast oder was auch immer. Die Dinge im Leben sind manchmal einfach ungerecht.'
Ein Preisgeld als Schutzschild
Der Umgang mit dem ESC-Ergebnis hat eine Vorgeschichte. Im Februar 2025 gewann Sarah Engels die Show „Schlag den Star“ gegen Evelyn Burdecki und kündigte an, die 100.000 Euro Preisgeld in eine eigene Stiftung zu stecken. 2025 erschien außerdem ihr Album „Strong Girls Club“.
Offiziell vorgestellt wurde 'Starke Mädchen' im April 2025 in der 'Beatrice Egli Show'. Der Antrieb dahinter ist keine Marketingidee: Kurz vor ihrem Geburtstag hat Engels über verletzende Sprüche aus ihrer Kindheit gesprochen – und darüber, dass sie sich als junges Mädchen nie gut genug fühlte.
„Ich weiß, wie es sich anfühlt, schon als junges Mädchen zu glauben, nicht genug zu sein. Ich habe mich verglichen, an mir gezweifelt und lange geglaubt, ich müsste irgendwie anders sein, um richtig zu sein. Heute weiß ich: Selbstwert ist so viel mehr als Selbstbewusstsein. Er ist ein Schutzschild fürs Leben.“
Dieser Satz erklärt auch ihren Umgang mit dem ESC. Wer den 23. Platz als Bewertung auf einem Blatt Papier liest, versteht, warum sie ihn nicht wie eine Niederlage behandelt.
Warum sie Nein zum Rampenlicht sagt
Bei ihren eigenen Kindern zieht sie eine Grenze. Alessio und Solea sollen nicht automatisch dort landen, wo ihre Mutter steht – nicht auf der Bühne, nicht in der Öffentlichkeit. Sie will ihnen ersparen, was sie selbst erlebt hat: bewertet zu werden.
Im Podcast 'May Way – Promi Deep Talk' mit Tanja May hat sie das begründet, wie BILD über ihre Bühnen-Wünsche für die Kinder berichtet. Sie werde die beiden unterstützen, egal wohin es beruflich gehe. Dann folgt das Aber: Sie wünsche sich für die beiden, dass es nicht unbedingt auf die Bühne gehe, dass es nicht unbedingt in die Öffentlichkeit gehe.
Auf die Frage, was sie selbst aus all den Bewertungen mitgenommen hat, antwortet sie nüchtern: „Mir war die Bewertung ganz egal. Die wichtigste Erkenntnis war für mich, dass wir Menschen so viel mehr sind als irgendeine Bewertung auf einem Blatt Papier oder in irgendeiner Statistik.“
Was bis zum Jahresende ansteht
Auf der Bühne bleibt sie ohnehin. Seit November 2025 spielt Sarah Engels in der Kölner Produktion des Musicals „Moulin Rouge!“ die Rolle der Satine, im Juni 2026 erschien ihre Neuinterpretation des Madonna-Klassikers „Celebration“.
Am 6. November 2026 folgt ein Fernsehtermin der anderen Art: Bei SAT.1 ist sie Gast-Coach in den Battles von „The Voice of Germany“ – und sitzt damit neben jungen Talenten, die genau den Weg suchen, den sie ihren eigenen Kindern nicht wünscht.
Im November startet außerdem die erste Starke Mädchen Academy für 50 Mädchen, die die Stiftung mit der GLS Zukunftsstiftung Bildung aufsetzt. Ob Alessio und Solea später selbst auf einer Bühne stehen wollen, ist damit nicht entschieden – an ihrem 34. Geburtstag lässt Sarah Engels diese Frage offen.
