Auf Sylt fallen die Immobilienpreise seit 2024 um rund 25 Prozent
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Wohnungsmarkt

Auf Sylt fallen die Immobilienpreise seit 2024 um rund 25 Prozent

Auf Sylt stehen rund 1000 Immobilien zum Verkauf, das Angebotsvolumen liegt über 1,2 Milliarden Euro. Seit 2024 sind die Preise um etwa 25 Prozent gefallen – für Makler Peter Peters eine Korrektur nach dem Corona-Boom, für Gemeindevertreter Kristian Klasen das Ende einer Spekulationsblase.

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Auf Sylt stehen rund 1000 Immobilien zum Verkauf, zusammen ein Angebotsvolumen von mehr als 1,2 Milliarden Euro. Die durchschnittlichen Preise auf der Insel sind seit 2024 um etwa 25 Prozent gefallen. Das geht aus der Analyse des stern zu sinkenden Preisen auf Sylt hervor.

Das Angebot hat sich zugleich vervielfacht. In der Gemeinde Sylt lag die Zahl der zum Verkauf stehenden Bestandshäuser im zweiten Quartal 2026 um 514 Prozent über dem Niveau von 2022. Der durchschnittliche Angebotspreis liegt bei 12.329 Euro pro Quadratmeter – zwölf Prozent unter dem Wert von 2022.

Sichtbar wird die Korrektur im Einzelnen. Der Sylter Makler Peter Peters nennt für Bestandswohnungen einen aktuellen Durchschnittspreis von knapp 10.000 Euro pro Quadratmeter. In Spitzenzeiten hatte er auf der Insel bis zu 14.000 Euro gesehen.

„Wir sind während Corona heiß gelaufen. In Spitzenzeiten hat man bis zu 14.000 Euro pro Quadratmeter gezahlt und das ist jetzt einfach mal wieder korrigiert worden, auf einen durchschnittlichen Quadratmeterpreis von derzeit knapp 10.000 Euro für Bestandswohnungen.“
Peter Peters, Immobilienmakler auf Sylt

Für Käufer ist das eine Kehrtwende. Wo in den Corona-Jahren kaum ein Bestandshaus auf den Markt kam, stehen heute Hunderte Objekte gleichzeitig zum Verkauf. Wer verkaufen muss, konkurriert mit allen anderen Anbietern auf der Insel.

Von der Spitze zur Korrektur

Der Höchststand des Sylter Immobilienmarkts fiel ins zweite Quartal 2022: kaum Angebot, Spitzenpreise von bis zu 14.000 Euro pro Quadratmeter, ein historischer Tiefstand bei Bestandshäusern. Danach kam die Zinswende, der Ukraine-Krieg verschärfte die Lage.

Von der Corona-Spitze zum Überangebot

  1. 2. Quartal 2022
    Höchststand des Sylter Immobilienmarkts

    Knappes Angebot, Spitzenpreise von bis zu 14.000 Euro pro Quadratmeter, das Angebot an Bestandshäusern auf dem Tiefpunkt.

  2. 2022 bis 2023
    Zinswende und Ukraine-Krieg verändern die Lage

    Im Kreis Nordfriesland sinkt die Zahl der Kaufverträge um rund 16 Prozent, der Umsatz um etwa 34 Prozent.

  3. Ab 2023
    Kreis geht gegen illegale Ferienvermietung vor

    Der Kreis Nordfriesland prüft nicht genehmigte Ferienvermietungen systematisch.

  4. Bis Oktober 2024
    85 Verfahren auf Sylt

    In 29 Fällen wird die Ferienvermietung untersagt.

  5. 2. Quartal 2026
    Angebot explodiert

    Bestandshäuser in der Gemeinde Sylt liegen 514 Prozent über dem Niveau von 2022. Der Angebotspreis liegt bei 12.329 Euro pro Quadratmeter, zwölf Prozent unter 2022.

  6. 15. Oktober 2026
    Rund 25 Prozent Preisrückgang seit 2024

    Auf Sylt stehen rund 1000 Immobilien zum Verkauf, das Angebotsvolumen übersteigt 1,2 Milliarden Euro.

Im Kreis Nordfriesland sank die Zahl der Kaufverträge um rund 16 Prozent, der Umsatz um etwa 34 Prozent. Auf Sylt selbst laufen die Preisreihen seither auseinander: Immowelt errechnete im Juli 2026 einen Durchschnitt von 11.405 Euro je Quadratmeter – 10.892 Euro für Wohnungen, 12.469 Euro für Häuser.

Anfang Oktober wies dasselbe Portal für die Gemeinde Sylt 11.988 Euro je Quadratmeter für Häuser und 10.858 Euro für Eigentumswohnungen aus. Auf Sylt kommt damit auf den Markt, was bundesweit fehlt: Während dort die Mieten steigen und das Angebot einbricht, wächst auf der Insel die Auswahl.

Wer jetzt verkaufen muss

Druck kommt von zwei Seiten: Wer heute auf Sylt kauft, zahlt vier bis fünf Prozent Zinsen statt der ein bis zwei Prozent der Corona-Jahre. Zugleich stoßen Erbengemeinschaften Immobilien ab, weil die Erben verkaufen müssen – steigende Zinsen und Erbengemeinschaften als Preistreiber.

Das ist kein reines Inselphänomen. Bundesweit drohen 158 Kreisen Preisverfälle durch Babyboomer-Häuser, weil Erben verkaufen müssen. Auf Sylt trifft es einen Markt, der ohnehin unter Druck steht.

Für Kristian Klasen, Gemeindevertreter in Wenningstedt-Braderup, ist das keine normale Marktbewegung, sondern das Ende einer Übertreibung.

„Wir waren in einer Spekulationsblase, aus der jetzt langsam die Luft entweicht. Wie lange es dauert, bis der Luftballon leer ist, ist die große Frage.“
Kristian Klasen, Gemeindevertreter Wenningstedt-Braderup

Verstärkt wird der Verkaufsdruck durch die Behörden. Seit 2023 geht der Kreis Nordfriesland systematisch gegen nicht genehmigte Ferienvermietung vor. Bis Oktober 2024 wurden 85 Verfahren auf Sylt geführt, in 29 Fällen wurde die Nutzung untersagt.

Neubau, der nicht weggeht

Auch Projektentwickler spüren die Wende. Ein Drittel der vermarkteten Einheiten ein halbes Jahr nach Fertigstellung sei „nicht das Ergebnis, was wir uns gewünscht haben, aber ich glaube ein ganz akzeptables Ergebnis“, sagt Marc Weinstock, Geschäftsführer der BIG BAU Investitionsgesellschaft.

Weinstocks Antwort auf den Überhang ist Aufmerksamkeit: „Wir haben im Moment ein hohes Angebot an Immobilien und da geht es mitunter einfach nur darum, auch mal die Aufmerksamkeit zu bekommen.“ Wer heute verkauft, muss sichtbar sein.

Für Kaufinteressierte hat das eine gute Seite. Gesa Crockford, Geschäftsführerin von ImmoScout24, sagt, sie fänden „heute deutlich mehr Auswahl als noch vor wenigen Jahren“.

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Der Hof für 26 Millionen

Nach oben hin bleibt die Insel teuer. Das teuerste Objekt am Markt ist der historische Widderhof in Keitum, der mit 26 Millionen Euro gehandelt wird. Öffentlich nachvollziehbar ist diese Summe nicht.

Wie tief die Korrektur noch geht, hängt an zwei Größen: an den Zinsen und an den Erbengemeinschaften, die noch verkaufen müssen. Das nächste Quartal dürfte zeigen, ob das Angebot weiter wächst – oder ob die ersten Verkäufer ihre Häuser wieder vom Markt nehmen.