5,6 Milliarden Euro für vier weitere Kriegsschiffe: Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat am 8. Oktober in seiner 48. Sitzung das zweite Los der Fregatte F128 gebilligt. Das Programm wächst damit auf acht baugleiche Einheiten des Typs MEKO A-200 DEU und ein Volumen von knapp 11,6 Milliarden Euro.
Von den 5,6 Milliarden Euro des zweiten Loses entfallen 5,3 Milliarden auf den Bau der vier Schiffe. Der Rest ist für Projektunterstützung und eine Managementreserve veranschlagt. Die ersten vier Fregatten hatte der Ausschuss am 8. Juli 2026 freigegeben, der Bauvertrag mit dem Hersteller TKMS folgte am 14. Juli.
Der Beschluss fällt in einen laufenden Streit: Die Damen-Werft rügt seit dem 1. September auch die MEKO-Beschaffung förmlich. Das Beschaffungsamt prüft die Einwände und hat ein Klärungsgespräch erst nach der Abstimmung angeboten. Der Ausschuss stimmte dennoch zu – am selben Morgen ging der erste Quartalsfortschrittsbericht an das Gremium.
Ein Rekordauftrag für den Hersteller TKMS
Für TKMS ist es nach eigener Darstellung der größte Überwasserauftrag der Firmengeschichte. Der schwedische Konzern Saab liefert für mindestens die ersten vier Schiffe Gefechtsführungssysteme vom Typ 9LV, Radare und Verbundstrukturen – Auftragswert rund 787 Millionen Euro, Lieferungen von 2029 bis 2032.
An der Börse kam der Großauftrag zunächst nicht an: Die TKMS-Aktie notierte wenige Tage nach dem Beschluss trotz des Milliardenauftrags rund 11 Prozent im Minus.
TKMS-Vorstandsvorsitzender Oliver Burkhard wertet die Bestellung als Zeichen, dass der Bund dem Hersteller nach dem F126-Aus dauerhaft vertraut. TKMS baut die Fregatten; Saab liefert für mindestens die ersten vier Schiffe Gefechtsführungssysteme, Radare und Verbundstrukturen.
„starkes Vertrauenssignal“
Das Erbe des gescheiterten F126-Projekts
Der F128-Beschluss ist die Folge eines Abbruchs. Am 24. Juni 2026 erklärte das Verteidigungsministerium den Rücktritt vom Vertrag mit dem niederländischen Generalunternehmer Damen Schelde Naval Shipbuilding.
Das Ministerium begründete den Schritt mit Verzögerungen, drohenden Kostensteigerungen und den Risiken eines Wechsels des Generalunternehmers, wie der Bericht der Zeit über den F126-Ausstieg zusammenfasst. Eine Fortführung hätte mehr als 18 Milliarden Euro gekostet; rund 2,3 Milliarden Euro waren bereits ausgegeben.
Beigelegt ist der Streit damit nicht. Die Damen-Werft fordert für das gestoppte Projekt inzwischen 4,7 Milliarden Euro Entschädigung für die F126-Fregatten – plus ein Anerkenntnis.
Von Damen zu TKMS: die Vorgeschichte des F128-Programms
- 2020Damen erhält den Zuschlag
Nach europaweiter Ausschreibung bekommt Damen Schelde Naval Shipbuilding den Auftrag für sechs Fregatten F126 – rund 10 Milliarden Euro, erste Ablieferung für Mitte 2028 geplant.
- Juni 2024Der Bund zieht die Option auf zwei weitere F126
Trotz bekannter Verzögerungen bestellt der Bund zwei zusätzliche F126-Fregatten. Ein Wechsel des Generalunternehmers zur NVL-Werft wird geprüft und verworfen.
- Januar 2026Vorvertrag für die MEKO-Fregatten
Der Haushaltsausschuss billigt einen Vorvertrag zur MEKO-A-200-DEU-Beschaffung, um Fertigungstermine und Produktionskapazitäten zu sichern.
- Mai 2026Kiellegung der ersten MEKO-Fregatte
Zuvor hatten im Februar die Stahlarbeiten in Bremerhaven begonnen, im April lief der Modulbau an.
- 24. Juni 2026Aus für F126
Das Verteidigungsministerium tritt vom Vertrag mit Damen zurück. Eine Fortführung hätte mehr als 18 Milliarden Euro gekostet, 2,3 Milliarden waren bereits ausgegeben.
- 8. und 14. Juli 2026Erstes Los gebilligt, Vertrag unterschrieben
Der Ausschuss gibt vier Fregatten mit einem Festabruf von rund 6,3 Milliarden Euro frei und eröffnet die Option auf vier weitere Einheiten.
- 8. Oktober 2026Zweites Los gebilligt
In seiner 48. Sitzung stimmt der Haushaltsausschuss der Option auf vier weitere MEKO-A-200-DEU-Fregatten zu. Das Programm wächst auf acht Schiffe.
Acht Schiffe im Neun-Monats-Takt
Die erste Fregatte soll im Dezember 2029 an die Bundeswehr übergeben werden, danach soll etwa alle neun Monate eine weitere Einheit folgen. Die Fertigstellung des zweiten Loses ist bis 2035 vorgesehen; rechnerisch wäre die achte Einheit erst dann im Dienst, die vierte bereits 2032.
Die Schiffe sind rund 121 Meter lang und verdrängen knapp 4.000 Tonnen. Vorgesehen sind sie für die U-Boot-Jagd im Nordatlantik und in der GIUK-Lücke zwischen Grönland, Island und Großbritannien. Zur Ausrüstung zählen Bugsonar, Schleppsonar, Torpedorohre für MU90-Leichtgewichtstorpedos sowie der Bordhubschrauber NH90 Sea Tiger.
Die Marine hält an dem Ausbau fest, obwohl die Damen-Werft auch dagegen vorgeht – der Bericht über vier neue Fregatten trotz F126-Streit beschreibt, wie das Verteidigungsressort den Kurs begründet.
Was der Bund bis 2045 zahlt
Die Anschaffung ist nur ein Teil der Rechnung. Die Betriebskosten der vier neuen Schiffe bis 2045 werden mit rund 1,55 Milliarden Euro separat kalkuliert – Geld, das im Beschluss vom 8. Oktober nicht enthalten ist.
Was das zweite F128-Los kostet
Angaben in Milliarden Euro
Offen bleibt, wie das Beschaffungsamt mit den Einwänden der Damen-Werft umgeht. Das Klärungsgespräch ist erst nach der Abstimmung angesetzt. Ob die Einwände den Bauplan für die acht Schiffe verschieben, entscheidet sich in den kommenden Wochen.
